Als Reiseführer setzte die Blasmusik dabei die zwei Kinder Nina Weber und Jeromi Liborio ein. Im Wechsel kraxelten die beiden vor jedem Musikstück auf ein extra aufgebautes Podest. Dort legten sie erst das entsprechende Kantonswappen frei, bevor sie erstaunlich selbstsicher ihre Texte vorlasen. Diese teilweise recht aufwendig recherchierten Texte vermittelten dem Publikum viel Hintergrundinformationen zu den Werken und ihren Komponisten. Gleichzeitig verschaffte es den Musikantinnen und Musikanten eine willkommene Atempause.

An der Blasmusik lag es dann, die angekündigten Titel entsprechend zu präsentieren. Den Anfang machte sie mit «Jubilee Spirit» von Mario Bürki. Sie erinnerte damit an das Jubiläum des Solothurner Blasmusikverbandes, der 2002 sein 100-jähriges Bestehen feierte. Das von Steve Daniels arrangierte «Here I Am» verband sie danach mit Chris von Rohr und blieb damit in Solothurn.

Erinnerung ans Musikfest 2001

Auch mit ihrem Hauptwerk blieb sie im Kanton, wenigstens, was den Komponisten betrifft. Der Schweizer Blasmusikverband betraute nämlich den damals noch wenig bekannten Solothurner Komponisten Thomas Trachsel mit einer Komposition für das Eidgenössische Musikfest 2001 in Freiburg. Es wurde das Aufgabestück in der 4. Klasse Harmonie. In Erinnerung an ihren damaligen, recht gut geglückten Auftritt rückte die Blasmusik dieses «Petit Movement Symphonique» Trachsels ins Zentrum ihres Konzertes. Dass es auch diesmal eine Herausforderung wurde, war kaum zu bemerken. Die Schwachstellen blieben ungeahndet. Diesmal hörte ja bloss ein weniger kritisches Publikum zu und keine Experten mit gespitzten Bleistiften.

Nach diesem anstrengenden Ritt versuchte sie sich, in einem gar gemächlichen Tempo beim «Wettstein-Marsch» von Hermann Suter etwas zu erholen. Auch schon fast ein Traditional ist das bekannte Lied von Johann Lüthi, das Kurt Brogli als Grundlage diente für sein «From Lucerne to Weggis». Damit verabschiedete sich die Blasmusik quasi auf dem Wasserweg in die Pause. Bei diesem guten Vortrag fielen auch die markigen Klänge der Oboe positiv auf, welche die junge Rahel Weber bei ihrem allerersten Konzert beitrug.

Uraufführung ganz am Ende

Der herausragende Beitrag des zweiten Teils wurde «Viver senza tei» von Marie Louise Werth. Das ist primär das Verdienst von Corsin Tuor. Von ihm stammt das wunderschöne Arrangement. Als Bündner vermochte er sich offenbar besonders gut in die Denkweise der Bündnerin Werth zu versetzen. Eine Scheibe vom Lob darf sich aber auch Carmen Liborio abschneiden. Mit ihrem feinen Saxofonsolo hat sie den Vortrag der Blasmusik herausgeputzt.

Mit einem gefällig vorgetragenen «Rag from Aegeri» von Ivo Huonder hatte die Blasmusik ihre Konzertliste abgehakt. Nach der Zugabe mit «Dorma bein» wurde überraschend noch eine Uraufführung inszeniert. Martin Kuhn, der Schlagzeuger der Blasmusik, hat einen frühen Titel der Band 5-liber für einen gemeinsamen Auftritt arrangiert. Das Publikum erlebte so die Uraufführung dieses Arrangements von «Du bisch Du» in der Pisonihalle live.