Die Überwachungskamera zeigt genau 2.22 Uhr an. Der Samstag ist nur wenige Stunden alt, als sich ein Mann dem Autounterstand im Gebiet Kürzestrasse nähert und schaut, ob die beiden parkierten Autos abgeschlossen sind. Die Haustüre hatte er zuvor schon überprüft. Als das Licht angeht, macht er sich wieder von dannen.

Joel Lauper hat die Videosequenz und ein paar Standbilder aus dem Aufnahmen vor seinem Elternhaus im Gebiet Kürzestrasse auf der Facebookseite «Du bisch vo Biberist wenn...» gepostet. «Wer kennt diesen Mann», fragt er in die Runde und weist darauf hin: «Bitte schliesst eure Autos ab.» Bis Dienstagvormittag wurde der Beitrag 70 Mal geteilt.

Darf er die Bilder auf Facebook stellen? Eine Biberisterin zeigt sich besorgt. Sie würde dies lieber der Polizeibehörde überlassen und verweist auf die Datenschutzverordnung des Bundes. Da steht, dass Video-Aufnahmen nur veröffentlicht werden dürfen, wenn die abgebildeten Personen vorgängig eingewilligt hätten. «Bilder, auf denen Straftaten zu sehen sind, sollten den Strafverfolgungsbehörden übergeben werden. Wer Videoüberwachungsmaterial eigenhändig online stellt, um nach mutmasslichen Tätern zu fahnden oder sie an den Pranger zu stellen, handelt widerrechtlich.»

Verdächtige Beobachtungen melden

Diesen Vorwurf kann Joel Lauper verstehen. «Es ist mir klar, dass es nicht richtig ist.» Es sei einfach schon so oft vorgekommen, dass sich verdächtige Personen ums Haus schlichen. «Die meisten Leute wissen nicht, was da draussen vor sich geht, wenn sie schlafen.» Ihm ist mit der Veröffentlichung der Aufnahmen vor allem wichtig, anderen zu sagen, dass sie die Augen aufmachen und warnen sollen, wenn sie etwas beobachten. 

Das betont auch die Polizei. Mit der mehrjährigen Kampagne «Bei Verdacht Tel. 117 - Gemeinsam gegen Einbrecher» möchte sie Bürgerinnen und Bürger sensibilisieren, verdächtige Feststellungen umgehend via Notrufnummer 117 zu melden. Dank entsprechender Hinweise gelingt es der Polizei immer wieder Einbrecher anzuhalten.

Die Polizei schaut sich auch eingeschickte Bilder aus Überwachungskameras an. «Für unsere Ermittlungen kann es hilfreich sein, wenn vorhandenes Video- oder Fotomaterial zur Auswertung und zum Vergleich der Polizei vorbeigebracht wird», sagt Astrid Bucher, Mediensprecherin der Kantonspolizei Solothurn.

Mann erkannt

«Es könnte ja sein, dass der Mann auf einer anderen Überwachungskamera auftaucht», meint Joel Lauper. Dies ist bereits eingetroffen: Eine Frau aus Niederbipp hat den Beitrag auf Facebook gesehen und den Mann eindeutig erkannt. Dieser hatte in der Nacht von Donnerstag auf Freitag versucht, bei ihr einzubrechen. 

Aus Biberist hat die Polizei am Wochenende gleich mehrere Hinweise über «Verdächtiges Verhalten» erhalten, wie zu erfahren ist. In einem Fall kam es zum Einbruch.

Den besten Tipp, den Joel Lauper hat, um Einbrecher oder Diebe abzuhalten: Einen Bewegungsmelder installieren. «Hilfsmittel wie Zeitschaltuhren, Bewegungsmelder oder Tür- und Fensteralarme können ungebetene Gäste abschrecken», erklärt Astrid Bucher. «Je mehr Hindernisse der Einbrecher überwinden muss, desto eher lässt er von seinem Vorhaben ab.»

Tipps der Kapo Solothurn gegen Einbrecher während der Ferien