Pfarrei Maria Oberdorf
Bischof Felix Gmür: «Höre und verzeih» – das sollte die Bitte der Kirche sein

Mit dem festlichen Gottesdienst hat das Jubiläumsjahr 400 Jahre Kirchweihe Oberdorf am Sonntag seinen würdigen Abschluss gefunden. Bischof Felix Gmür legte den Gläubigen das Staunen vor Gott ans Herz.

Von Angelica Schorre (Text) und Hanspeter Bärtschi (Fotos)
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Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
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Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf
Festgottesdienst mit Bischof Felix Gmür zum 400-Jahresjubiläum der Pfarrei Oberdorf
Festgottesdienst mit Bischof Felix Gmür zum 400-Jahresjubiläum der Pfarrei Oberdorf
Festgottesdienst mit Bischof Felix Gmür zum 400-Jahresjubiläum der Pfarrei Oberdorf
Festgottesdienst mit Bischof Felix Gmür zum 400-Jahresjubiläum der Pfarrei Oberdorf
Festgottesdienst mit Bischof Felix Gmür zum 400-Jahresjubiläum der Pfarrei Oberdorf
Gedenkgottesdienst Oberdorf

Impressionen aus der Gnadenkapelle Oberdorf

Hanspeter Bärtschi

Wallfahrsort: Die Gnadenkapelle wird heute noch besucht

Die Gnadenkappelle oder auch Marienkapelle ist das Herzstück der Wallfahrtskirche in Oberdorf. Schon seit Jahren liegt ein Fürbittbuch bereit, in das die Gläubigen ihre Bitten und Erlebnisse eintragen können. Immer wieder kommen Menschen mit ihren Sorgen und Nöten nach Oberdorf und sitzen in der Kirche, die in anerkannten Kreisen auch als starker Kraftort gilt.

Die Ursprünge der Wallfahrt liegen im Dunkeln, vermutlich gab es bereits im 8. Jahrhundert eine kleine Kirche in Oberdorf. 1420 wurde ein Neubau zu Ehren der Jungfrau Maria geweiht. Das heutige Gnadenbild, die sitzende Muttergottes mit Kind, dürfte auf die Zeit des Kirchenneubaus zurückgehen. Ab 1457 sind regelmässige jährliche Wallfahrten nach Oberdorf bekannt. In einem Erlass aus dem Jahr 1595 erhielt Oberdorf das Privileg, dass «alle jene die wegen Alter, Mangel an Zeit, Armut, körperlicher Schwäche, Kränklichkeit oder anderen Ursachen an einer Wallfahrt nach Einsiedeln gehindert sind, in Oberdorf die nämlichen Gnaden und Ablässe erhalten».

Mit dem anwachsenden Pilgerstrom wurde 1604 ein vergrösserter Neubau in Angriff genommen. Die heute sichtbare Kirchenanlage wurde von Antonio Gallo aus der Lombardei geschaffen. Aus dieser Zeit stammen zudem die Werke der Wessobrunner Künstler, der Gebrüder Schmutzer, die mit ihren Stuckaturen ab 1676 die ganze Kirche ausschmückten. Tatsächlich ist in Oberdorf das einzige erhaltene Wessobrunner Ensemble der Schweiz zu sehen.

Die Blüte der Wallfahrtszeit lag im 17. und 18. Jahrhundert. Während des Kulturkampfes im 19. Jahrhundert wurden die Bittgänge abgeschafft und die Kirche verlor an Bedeutung. Heute ist Oberdorf eine kleine überschaubare Pfarrei mit rund 700 Katholiken. (rm)

In seiner Predigt gab Bischof Felix Gmür den Gläubigen drei Haltungen, drei Tätigkeitswörter mit auf den Weg: staunen, suchen, bitten. Er setzte sie in Bezug zu den vorangegangenen Lesungstexten, die allesamt das «Haus Gottes», den Tempel, die Kirche thematisierten.

Ein Ort der Begegnung

Staunen: So staunen die Menschen im Alten Testament, im ersten Buch der Könige, über den prachtvollen Tempel in Jerusalem. Und sie staunen über Gott: «Selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe.» Gott sei immer noch grösser, als der Mensch erkennen kann. Alles was der Mensch über Gott zu wissen glaube, ist mehrheitlich unrichtig, führte Bischof Gmür aus. Er könne sich ihm nur annähern – etwa einen Blick in die Krippe werfen – und staunen.

Suchen: Wir bräuchten einen Ort, in dem der «Name Gottes wohnt»: «Halte deine Augen offen (...) über der Stätte, von der du gesagt hast, dass dein Name hier wohnen soll.» (1. Kön. 8, 29) Einen Ort der Begegnung mit Gott, Christus, dem Heiligen Geist – und den Menschen, denn in jedem Menschen wohnt Gott: «Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?» (1. Kor. 3, 16) Bischof Felix Gmür: «Wir suchen nach Gott und möchten ihn erfahren – hier in der Kirche Oberdorf können wir ihn finden.» Denn hier wohnt sein Name.

Sich der Grenzen bewusst sein

Bitten: An einem Ort der Gotteserfahrung, der Dankbarkeit würde man sich auch seiner Mängel und Grenzen bewusst. Dann bitten wir Gott, uns zu hören und zu verzeihen («Höre und verzeih!» 1. Kön. 8, 30) «Das sollte die Haltung der Kirche sein», sagte Bischof Felix Gmür, «mit Gott in Dialog zu treten und um Verzeihung zu bitten.» So sei die Kirche gewahrt vor Überheblichkeit und Grossspurigkeit, würde Demut bewahren. Das Staunen, das Suchen, das Bitten haben in der 400 Jahre alten Geschichte der Kirche Maria in Oberdorf ihren Platz gehabt; 400 Jahre Glaubensleben und Nächstenliebe – dafür seien wir dankbar. «So bitten wir auch heute: ‹Höre und verzeih!›, schloss Bischof Gmür seine Predigt.