Es war ein Fest: eine volle Kirche mit erwartungsfreudigen Menschen, wunderbare musikalische Beiträge des Kirchenchors Langendorf mit den Solistinnen und Solisten, Vertreter der Schweizergarde, motivierte Ministrantinnen und Ministranten. Die Freude von Bischof Felix Gmür und «Gastgeber» Pfarrer Agnell Rickenmann über das Weihefest war spürbar. «Bethlehem bedeutet übersetzt das Haus des Brotes», sagte Agnell Rickenmann in seiner Einführung. So sei die Kirche das Haus des Lebensbrotes, des Brotes, das zwischen Gott und Mensch mystisch neues Leben erschafft. Im Kirchenjahr ist dieser Sonntag das Fest der Heiligen Familie. «Wir sind die Familie um Christus», hielt er fest. Und dies seit vielen Generationen – in Oberdorf seit 400 Jahren.

In seiner Predigt gab Bischof Felix Gmür den Gläubigen drei Haltungen, drei Tätigkeitswörter mit auf den Weg: staunen, suchen, bitten. Er setzte sie in Bezug zu den vorangegangenen Lesungstexten, die allesamt das «Haus Gottes», den Tempel, die Kirche thematisierten.

Ein Ort der Begegnung

Staunen: So staunen die Menschen im Alten Testament, im ersten Buch der Könige, über den prachtvollen Tempel in Jerusalem. Und sie staunen über Gott: «Selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe.» Gott sei immer noch grösser, als der Mensch erkennen kann. Alles was der Mensch über Gott zu wissen glaube, ist mehrheitlich unrichtig, führte Bischof Gmür aus. Er könne sich ihm nur annähern – etwa einen Blick in die Krippe werfen – und staunen.

Suchen: Wir bräuchten einen Ort, in dem der «Name Gottes wohnt»: «Halte deine Augen offen (…) über der Stätte, von der du gesagt hast, dass dein Name hier wohnen soll.» (1. Kön. 8, 29) Einen Ort der Begegnung mit Gott, Christus, dem Heiligen Geist – und den Menschen, denn in jedem Menschen wohnt Gott: «Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?» (1. Kor. 3, 16) Bischof Felix Gmür: «Wir suchen nach Gott und möchten ihn erfahren – hier in der Kirche Oberdorf können wir ihn finden.» Denn hier wohnt sein Name.

Sich der Grenzen bewusst sein

Bitten: An einem Ort der Gotteserfahrung, der Dankbarkeit würde man sich auch seiner Mängel und Grenzen bewusst. Dann bitten wir Gott, uns zu hören und zu verzeihen («Höre und verzeih!» 1. Kön. 8, 30) «Das sollte die Haltung der Kirche sein», sagte Bischof Felix Gmür, «mit Gott in Dialog zu treten und um Verzeihung zu bitten.» So sei die Kirche gewahrt vor Überheblichkeit und Grossspurigkeit, würde Demut bewahren. Das Staunen, das Suchen, das Bitten haben in der 400 Jahre alten Geschichte der Kirche Maria in Oberdorf ihren Platz gehabt; 400 Jahre Glaubensleben und Nächstenliebe – dafür seien wir dankbar. «So bitten wir auch heute: ‹Höre und verzeih!›, schloss Bischof Gmür seine Predigt.