Bestnoten
Bis das Programm sitzt, wird beim STV Langendorf viel Schweiss vergossen

Der STV Langendorf darf sich nach 2015 auch in diesem Jahr Schweizer Meister Gymnastik Kleinfeld nennen. Aischa Sonderegger und Reto Kaiser verraten das Erfolgsrezept ihres Turnvereins.

Urs Byland
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Aischa Sonderegger und Reto Kaiser zeigen aus dem Stegreif eine Figur.

Aischa Sonderegger und Reto Kaiser zeigen aus dem Stegreif eine Figur.

Urs Byland

In der Turnhalle hängt noch der Schweissgeruch einer Turnerin, die zuvor mit dem Trainer ein Einzeltraining absolvierte. «So muss es sein», sagt Aischa Sonderegger, als sie eintritt. «Ja, so muss es sein», antwortet Reto Kaiser, der sie begleitet. Dann hebt der Kantonspolizist seine Kollegin auf den Oberschenkel – für das Foto.

Das Einatmen des typischen Körpergeruchs von Trainierenden gehört seit Jahren zum Leben der beiden Mitglieder des STV Langendorf. Der Geruch vermittelt nicht nur physische Reize, er ist auch ein Zeichen dafür, dass gearbeitet wird, hart gefeilt wird, beispielsweise an einer gymnastischen Übung.

Der Lohn winkt in Form von Noten. Erneut, wie letztes Jahr ist man Schweizer Meister Gymnastik Kleinfeld geworden, erneut mit der Bestnote 10,0. Irgendwie unglaublich, abgefahren, denkt man.

Kein Dreifachsalto

«Ausführung, Synchronität, Harmonie, Ausdruck, Engagement sind gefragt», erklärt Kaiser. «Das ist die Turnnote. Die Programmnote wird nach Kriterien wie Originalität, Schwierigkeit oder Konzeption verteilt», ergänzt Sonderegger. «Aber einen Dreifachsalto aller 16 Turnerinnen und Turner wird man nie sehen», relativiert Kaiser. Sie zeigten andere Schwierigkeiten wie Figuren, Standelemente oder Pirouetten, die synchron ausgeführt werden.

Wie im Kunstturnen brauche es hundertfache Wiederholungen von Elementen. «Bis das Programm sitzt, geht es nicht ohne das Einbrennen und Einschleifen.» Und vor den Wettkämpfen kann es schon vorkommen, dass individuelle Trainings und Mentaltraining angesagt sind. Es sei alles eine Frage der Konzentration, sagt Kaiser. Sie empfinde es als eine unheimliche nervliche Belastung, «dass wir genau in dem Moment, an den Meisterschaften, die ganze Leistung abrufen können, und zwar alle.»

Frisches Blut

Kleinfeld-Gymnastik hat Tradition im Langendörfer Verein. Schon bei den Jungen werden dieselben Sportdisziplinen eingeübt, wie bei den Grossen: Gymnastik Kleinfeld, Gymnastik Bühne und Schaukelringe. Die meisten turnen zwei Disziplinen. Das Team Kleinfeld Gymnastik wird im Januar gebildet. Idealerweise hat die Gruppe gleich viele Männer wie Frauen, um die 14 bis 16 Personen. «Im Moment sind wir zwei Frauen mehr», sagt Sonderegger.

Die Gruppe hat dank dem eigenen Nachwuchs im Verein immer wieder frisches Blut. «Es ist ein Kommen und Gehen, optimalerweise ein Kommen», erklärt Reto Kaiser. Mit einem Alter von 16 Jahren ist man in der Aktivsektion willkommen. Der 32-jährige Kaiser ist mit einem Kollegen zusammen der Älteste der Gruppe und doppelt so alt wie die Jüngsten.

Teamgeist motiviert

Wer im Januar weiss, dass er oder sie die kommenden Trainingsstrapazen bis zum Höhepunkt, den Schweizer Meisterschaften auf sich nehmen will, macht mit. Zweimal in der Woche wird geübt. «Das zu organisieren, ist sicher die Hauptschwierigkeit», so Kaiser. Damit es funktioniert, brauche es nicht nur einen abgestimmten Trainingsplan. «Es ist der Teamgeist, der bei uns entscheidend hilft. Wir sind motiviert, zu kommen, und haben immer sehr viel Spass im Training», sagt die 24-jährige Aischa Sonderegger. Es komme schon vor, dass man sich wieder zusammenreissen, ernsthaft arbeiten müsse, aber: «Am Ende stimmt die Balance. Der Gruppenzusammenhalt ist da und das motiviert», so die Physiotherapeutin.

Nach dem Saisonhöhepunkt, den Schweizer Meisterschaften folgt nicht nur Plauschturnen. Der nächste turnerische Höhepunkt mit der Abendunterhaltung muss auch einstudiert werden.
Bei so viel gemeinsamen Training ist klar: «Es muss harmonieren, sonst ist es gar nicht möglich, eine solche Leistung zu erbringen», so Kaiser. Man trifft sich auch neben dem Turnen, geht miteinander aus, unternimmt Freizeitaktivitäten und manchmal auch mehr. 80 Prozent der Gruppe stammt aus Langendorf, man kennt sich von der gemeinsamen Schulzeit und von der Jugi. Es entstehen Freundschaften und auch Ehen. «Ehen? Ja, hat es auch schon gegeben. Ich weiss von zwei», sagt Kaiser.