An der zweiten ausserordentlichen Sitzung, nur eine Woche nach der ersten, war erneut die Ansiedlung des amerikanischen Biotechunternehmens Biogen Haupttraktandum. Gemeindepräsident Michael Ochsenbein wies die Öffentlichkeit darauf hin, dass trotz der Fülle von Plänen die Gemeinderäte diese nicht einfach abnicken, sondern die Planung eng begleiten und auch bestens informiert seien. «Deshalb spricht sich der Gemeinderat auch meistens einstimmig für die Pläne aus», erklärte Ochsenbein.

Das grosse Ganze steht. Kommunaler und kantonaler Teilzonen- und Erschliessungsplan, kantonaler Gestaltungsplan Biogen mit den neuen Anschlüssen via Nordstrasse und Jurastrasse sowie das erforderliche Wasser- und Abwasserleitungsnetz sind in der Pipeline, wurden vom Gemeinderat gutgeheissen und werden bereits am Donnerstag am Mitwirkungsanlass der Bevölkerung vorgestellt. Parallel gehen die Pläne für die 1-Milliarde-Ansiedlung auf dem ehemaligen Borregaard-Gelände in die Vorprüfung beim Kanton. Anschliessend folgt eine zehntägige Frist für die öffentliche Mitwirkung.

Sichtschutz zur Vigier AG

An der Sitzung wurden die Änderungen, die sich in der letzten Woche ergaben, vorgestellt. So wünscht Biogen beispielsweise einen Grünstreifen an der Haupt-Zufahrtsstrecke ab Kreisel Jurastrasse. Dieser soll als Sichtschutz zum nördlich gelegenen Gelände und der industriellen Produktion der Firma Vigier AG dienen. Definiert wurde auch die mögliche Erschliessung der nördlichen Parzellen auf dieser Zufahrtsstrecke. Biogen wünschte, dass dieser Verkehr so schnell wie möglich von ihrer Erschliessungsstrasse abzweigt. Nun wurde orientierend, also noch nicht verbindlich, eine Abzweigung gleich nach dem Kreisel eingezeichnet. Und weiter wird der Bereich der neuen Attisholzstrasse nördlich der Arealzufahrt Biogen zu einem Rad- und Gehweg redimensioniert, weil dort keine Parzelle mehr erschlossen werden muss.

Im kantonalen Gestaltungsplan wird eine zusätzliche Fussnote erwähnt, mit der auf die Einschliessungsverordnung hingewiesen wird. Dies zur Information auf die von Biogen im Produktionsprozess verwendeten Stoffe. Die Verordnung teilt die pathogene Stoffe (Krankheitserreger) oder gentechnisch veränderte Organismen in vier Gruppen ein. Die Stoffe der ersten Gruppe, welche von Biogen genutzt werden dürfen, seien demnach völlig unproblematisch und bei Freisetzung nicht überlebensfähig. Die Nutzung anderer Stoffe ist untersagt. Eine Änderung erfuhr die Ausdehnung des Baubereichs Verwaltung. Das Verwaltungsgebäude kann Richtung Westen und Osten vergrössert werden. Einstimmig wurden die Änderungen, die von Ortsplaner Reto Affolter vorgestellt wurden, genehmigt.

«Agieren, nicht nur reagieren»

Luterbach ist im Umbruch. Angesichts der Veränderungen im Norden droht das restliche Gemeindegebiet vergessen zu gehen – vermutet die CVP Luterbach, die Partei des Gemeindepräsidenten. Sie beantragt eine aktivere Unterstützung des Dorfgewerbes. «Die Zukunft der Molkerei Gerber ist ungewiss, die Raiffeisenfiliale könnte ebenso schliessen wie die Postfiliale. Die Landreserven werden knapp», malte Gemeinderat Erich Herrmann (CVP) ein düsteres Bild. Der Gemeinderat soll sich aktiv in die Steuerung und Gestaltung des Dorfes einbringen. Er definiert gewünschte Entwicklungen und hilft, diese zu erreichen, so der Antragstext.

FDP-Gemeinderat Jürg Nussbaumer stellte sich hinter den Antrag. «Dieses Anliegen ist aber auch ein Bestandteil der Ortsplanung. Da braucht es Koordination.» Zurückhaltender ist Urs Kaiser (parteilos). «Die Chäsi ist sicher ein wichtiger Bestandteil des Dorfes, aber der Gemeinderat kann nicht eine Nachfolge managen. Das führt nur zu Begehrlichkeiten im Gewerbe. Das ist nicht unsere Aufgabe.» Nicht einverstanden damit war Martin Joss (BDP): «Es geht nicht um die Chäsi-Nachfolge. Es geht um das Dorf.»

Unterstützung fand der CVP-Antrag auch in der SP. «Wir begrüssen den Antrag. Jeder Wegzug soll verhindert werden, schliesslich wollen wir ein lebendiges Dorf», erklärte Patrick Probst. Gemeindeschreiber Ruedi Bianchi begrüsste den Antrag: «Die Gemeindeentwicklung bereitet mir Sorge.» Hans Rothenbühler und Kurt Hediger (beide CVP) fanden, das Thema solle Chefsache sein. Der Gemeindepräsident nahm den Ball auf, wobei der Chef in der Gemeinde der Gemeinderat sei. Er werde aber einen Massnahmenplan ausarbeiten und dem Gemeinderat vorlegen.

Drohnenaufnahmen der Sprengung in Luterbach

Drohnenaufnahmen der Sprengung in Luterbach