Für einmal gingen die Leberberger Gemeindepräsidenten und der Stadtpräsident fremd. Sie versammelten sich bei der Firma Biogen in Luterbach. Die Fragestellung der Sitzung war: Was erwarten Firmen, die sich in der Region ansiedeln von den Gemeinden und wie können die Gemeinden mit den Firmen zusammenarbeiten? Die Verantwortlichen von Biogen in Luterbach nützten die Gelegenheit, die Firma kurz vorzustellen. Biogen konnte diese Woche den 40. Geburtstag feiern. Gegründet wurde das Unternehmen in Genf und es war das erste, das sich in der Biotechnologie engagierte.

Ein Viertel lebt im Kanton

Im Werk in Luterbach arbeiten zurzeit rund 230 Leute. Allein im Jahr 2018 wurden 90 Personen neu eingestellt, wie Chantal Ammann-Gasche (Human Ressources) erklärte. Sie ist übrigens im Wasseramt aufgewachsen und heute noch dort wohnhaft und war eine der ersten Angestellten aus der Region, die zu Biogen stiessen. Auch in den kommenden Monaten werden weiterhin zwischen 10 bis 20 Personen pro Monat neu rekrutiert. Am Schluss werden total 600 Personen bei Biogen beschäftigt sein. 400 davon beim Biotech-Unternehmen selbst und 200 bei CBRE, der Firma, die für Unterhalt und Betrieb der Immobilie zuständig ist. «Zurzeit arbeiten Menschen aus 39 verschiedenen Ländern bei uns. Der Altersdurchschnitt der Belegschaft liegt bei 37,8 Jahren und der Frauenanteil bei 30 Prozent», so Ammann. 13 Personen, die heute bei Biogen arbeiten, leben im Wasseramt, acht in Luterbach selbst und 67 im Kanton Solothurn. «Wir haben aber auch über 20 Grenzgänger.»

Das Werk in Luterbach ist nach wie vor im Aufbau. Erst im nächsten Jahr wird mit der Produktion gestartet. Für den Aufbau und die Inbetriebnahme der hochkomplexen Anlagen brauche es spezialisiertes Personal. Dieses komme teilweise auch von anderen Biogen-Standorten und sei nur befristet angestellt. «Wenn die Produktion läuft, brauchen wir immer noch Spezialisten. Dann werden wir aber auch wieder vermehrt Leute aus der Region anstellen. Für uns ist es wichtig, dass unsere Angestellten präzise arbeiten und sich in einem sterilen Raum bewegen können. Was sie speziell für die Arbeit bei Biogen können müssen, das lernen sie in einer umfassenden Einführung mit spezifischen Schulungen an den Anlagen.» Wenn sich der Betrieb gefestigt hat, will Biogen auch Lernende ausbilden. «Wir sind diesbezüglich mit dem zuständigen kantonalen Berufsinspektorat im Gespräch.» Denkbar wäre es beispielsweise, Logistiker und Chemie-/Pharmatechnologen auszubilden. Noch sei aber nichts definitiv entschieden.

Regional vernetzt

Biogen ist in ständigem Kontakt mit der Fachhochschule Nordwestschweiz, mit den kantonalen Behörden, mit dem AWA, aber auch mit den regionalen Arbeitsvermittlungszentren. «Wir versuchen zudem, uns auch sonst regional zu vernetzen und zu engagieren», erklärte Markus Ziegler (Director Corporate Affairs). So war Biogen als Sponsor bei «tunSolothurn» aktiv. Ein anderes Sponsoring war das Heso-Schweinchen, das heuer für Biogen an den «Söilirennen» mitlief. Am 14. September engagierten sich rund 80 Biogen-Mitarbeiter am «Care Deeply Day» und halfen bei unterschiedlichsten gemeinnützigen Projekten mit.

«Wenn sie mich fragen, was die Gemeinden für uns tun können, dann ist das vor allem, dass unsere Leute Hilfe bekommen, wenn sie sich in ihren neuen Wohngemeinden anmelden», meint Chantal Ammann-Gasche. Da seien auch Fremdsprachen gefragt, weil bei Biogen häufig englisch gesprochen werde. «Wir sind zudem froh, wenn unsere Angestellten Hilfe im Zusammenhang mit den ganzen Formalitäten bekommen.»

Solothurn hat Lebensqualität

In der anschliessenden Diskussion wollte Kurt Fluri (Stadtpräsident Solothurn) konkret wissen, ob Biogen Probleme hatte mit Bewilligungen bei der Anstellung von Ausländern. Nein, war die klare Antwort. Da das Kontingent erhöht wurde, gab es keine Diskussionen. Gilbert Studer (Rüttenen) fragte, wo das neu angestellte Personal denn wohne. «Da wir viele jüngere Angestellte haben, sind zurzeit kleinere Mietwohnungen am meisten gefragt», meinte Ammann-Gasche.

Es gebe Gemeinden, die Biogen aktiv informieren über Neubauten und diese Informationen werden an eine Partnerfirma weitergegeben, die sich um diese Sachen kümmern. «Wir stellen fest, dass die Region Solothurn zu wenig präsent ist in den Köpfen», so Markus Ziegler. Bei Biogen bemühe man sich, schon in einem Anstellungsgespräch, darauf aufmerksam zu machen, dass die Region viel biete und sich eine Wohnsitznahme hier lohne. Dazu habe man in Zusammenarbeit mit ansässigen Institutionen auch Infoblätter kreiert. «Die kantonale Wirtschaftsförderung ist ebenfalls daran interessiert, dass unsere Mitarbeiter hier wohnen.»

Angesprochen wurde weiter das Thema Schule. Die Familien, die in die Region gezogen sein, hätten ihre Kinder in der Volksschule eingeschult. «Das hat sehr gut funktioniert», meint Ammann-Gasche. Einzig einige der Kaderleute, die nur befristet in Luterbach arbeiten, würden ihre Kinder in die internationale Schule in Bern schicken. «Ausländische Mitarbeiter stellen zudem fest, dass die Betreuung in einer Kita in der Schweiz sehr teuer ist», gab Ammann den Gemeindepräsidenten mit auf den Weg.

Abschliessend kam die Diskussion auch noch auf den öffentlichen Verkehr. «Biogen dürfte noch besser an das Busnetz angebunden werden», machte Ziegler klar. Wenn sich ein Arbeitnehmer einmal dazu entschieden habe, mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, steige er selten später auf den öffentlichen Verkehr um. «Die Verbesserung des Busangebotes ist für uns deshalb wichtig und sie muss bald kommen.»