Räumung Attisholz-Süd

Biogen ist «eines der grössten Projekte, die man in Karriere erleben darf»

Guido Keune und Bernhard Mäusli (rechts) auf dem leergeräumten Areal.

Guido Keune und Bernhard Mäusli (rechts) auf dem leergeräumten Areal.

Der Kanton bereitet das Terrain Attisholz Süd für die Biotechfirma Biogen vor. Bis Ende November will er die Vorbereitungsarbeiten mit Ausnahme des Parks abschliessen. Die momentane Einstellung der Baumeister: «Yes, we can. Das machen wir, ja».

Mitte Juli war es, als im Attisholz Süd die Motoren der Bagger gestartet wurden. Mit der «Biogen» hatte der Kanton vereinbart, das Baufeld, auf dem der amerikanische Biotechkonzern für 1 Milliarde Franken eine Produktionsstätte hochziehen will, geräumt zu übergeben.

«Greenfield» nennt sich das im Fachjargon, baureifes Land. Aber grün, wie es der englische Ausdruck vermuten lässt, sollte nichts bleiben.

Beim Ortstermin auf dem weitläufigen Gelände mit Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli und seinem Stellvertreter Guido Keune sind, so weit man schaut, nur Teer-, Kies- oder Lehmböden auszumachen.

Alle Hochbauten wurden abgerissen, 73 000 Kubikmeter Humus wurden abgetragen und lagern nun auf dem Gelände, bis er wieder gebraucht wird. Diverse Vorschriften bezüglich Zeitpunkt und klimatische Bedingungen mussten beim Abbau eingehalten werden.

Abtransport von Material. Rechts ein kleiner Teil des Grabens, in dem die unterirdischen Anlagen der Cellulose Attisholz AG steckten.

Abtransport von Material. Rechts ein kleiner Teil des Grabens, in dem die unterirdischen Anlagen der Cellulose Attisholz AG steckten.

«Wir hatten extrem Glück mit dem Wetter«, sagt Keune. Vorbeifahrende Laster ziehen lange Staubfahnen nach sich.

In der Ferne, kaum auszumachen, bei den Hallen nahe Kreisel und Jurasüdfuss-Bahnlinie wird noch gewerkt. «Dort haben wir gerade die letzte Halle, die noch im Biogen-Perimeter liegt, abgerissen», erklärt Guido Keune.

Auch gegenüber, bei der Nordstrasse, sind Arbeiten im Gange für die westliche Erschliessungsstrasse, über die der kommende Baustellenverkehr abgewickelt wird. Dazwischen gähnende Leere. Einzelne hohe Profilmaste zeichnen das maximal mögliche Bauvolumen der Biogen-Bauten sowie bereits die Bauten der ersten Etappe.

Abbruch auch unter der Erde

Die Fahrzeuge stoppen am Rand einer langen Grube. «Hier waren die unterirdischen Anlagen der früheren Attisholz-Bauten untergebracht. Über Förderanlagen wurde Holz zum Silo transportiert und von dort – anfänglich auch unterirdisch, dann in einem Rohr – Schnitzel auf die nördliche Seite der Aare in die Fabrikationsanlagen geführt», berichtet Guido Keune.

Unter einer noch bestehenden riesigen Asphaltfläche liegt eine Unmenge Kies, der aufs restliche Gelände verteilt werden soll. «Alles wird eingekiest, es folgen die Erschliessungen und danach die Pfählung.»

Insgesamt 1000 Pfähle, 20 Meter lang und einen halben Meter im Durchmesser, werden in der ersten Bau-Etappe ins Grundwasser hineingebohrt und betoniert. «Mit Pfählen wird im Gegensatz zu Untergeschossbauten der Grundwasserstrom nicht unterbrochen», erklärt dazu Guido Keune. Auf die Pfähle werden die Gebäude gestellt.

Zutage kam bei den Aufräumarbeiten auch ungewöhnliches Material. So haben die früheren Besitzer Kies abgebaut und die Gruben anschliessend wieder gefüllt – mit Holzschnitzeln und Humus.

Nach einer Triage liegen nun die mit Öl verschmutzten Schnitzel in einer noch bestehenden Halle östlich vom Biogen-Areal, wo sie trocknen können. «So wird der Abtransport in die Entsorgung günstiger», erklärt Bernhard Mäusli.

Alles im Kaufpreis inbegriffen

Insgesamt 12 000 Arbeitsstunden wurden bisher geleistet – ein auch finanziell grosser Einsatz. «Dem Kanton entstehen unter dem Strich keine Kosten», sagt Bernhard Mäusli. Der Kanton kaufte das Land der Attisholz Infra ab und verkauft mehr als die Hälfte weiter an die Firma Biogen. Kaufpreis, Erschliessungskosten sowie Vorbereitungsarbeiten («Greenfield») entsprechen mindestens dem Verkaufspreis.

«Der seinerzeitige Kaufpreis ist der kleinere Teil. Teurer sind die Vorbereitungsarbeiten, also die Aufwendungen des Kantons, die im Verkaufspreis verrechnet sind.» Mehr lassen sich Mäusli und Keune nicht entlocken, ausser: «Und der an der Aare entstehende 50 000 Quadratmeter grosse, öffentliche Park ist mit eingerechnet.»

Fünf Büros erarbeiten gerade Lösungen für das Gelände an der Aare, in dem noch wenige Bauten sowie die ehemalige Kläranlage stehen. Was mit dieser geschehen soll, «dazu erhoffen wir uns eben Lösungen von den Büros», so Mäusli. Wenn möglich sollte die Lösung eine für den Kanton günstige sein.

Sie seien froh, dass keine unangenehmen Überraschungen aufgetaucht sind. Mit ein Grund für die guten Einschätzungen waren die 60 vorgängig gemachten Baggerschlitze und Sondierbohrungen. «Wir haben in etwa gewusst, was auf uns zukommt.»

In einem Aufwisch aufgeräumt

Bernhard Mäusli hätte sich nicht gedacht, jemals mit einer solchen Aufgabe konfrontiert zu werden. «Es ist eines der grössten Projekte, die man in einer Karriere überhaupt erleben kann.

Die Verhandlungen mit einem internationalen Konzern waren spannend und anspruchsvoll.» Die Immobilienentwicklung sei eigentlich eine neue Aufgabe des Kantons. «Das gab es vorher in dieser Form nicht», sagt Guido Keune.

«Diverse Projekte wie Synthes, Seminarmeile oder Sphinxmatte konnten wir in den letzten Jahren bereits realisieren, und jetzt auch Schöngrün.» Mit «Biogen» habe die Entwicklung aber eine neue Dimension erreicht. «Sensationell, wir hätten für Attisholz Süd nichts Besseres finden können», so Keune.

«Insbesondere der Zeitdruck war enorm», erklärt Bernhard Mäusli. «Wir haben immer an den Erfolg geglaubt. Hätten wir gewusst, was auf uns zukommt, wäre es vielleicht anders gekommen. Aber so sagten wir immer: Yes, we can, machen wir, ja.»

«Aber ganz gut geschlafen haben wir nicht immer», fügt Guido Keune an. «Es kann viel passieren und es gab Dinge, die wir nicht beeinflussen konnten, als der Bund helfen musste.» Mäusli nennt als Beispiel die Lex Koller.

Guido Keune erwähnt die 80 Dienstbarkeiten auf dem Gelände, welche «Biogen» allesamt vom Tisch haben wollte. «Hier haben wirklich alle zielorientiert mitgeholfen. Wir hatten einen sehr fairen Umgang miteinander.»

Etwa mit dem Bauer, dem der volle Ertragsausfall entschädigt werden musste, oder der Firma Dosenbach, deren noch nicht amortisierte Gleisanlage abgebaut wurde. «Und CT-X musste ihre Firma verschieben.

Wir konnten im Gegenzug unsere restlichen Grundstücke arrondieren. Heute ist die ganze Eisenbahnerschliessung gebündelt. Zuvor verliefen die Trassees durch das gesamte Gelände.

So haben wir viel Land für weitere Neuansiedlungen gewonnen. Wir haben optimiert und konnten das ganze Areal in einem Aufwisch aufräumen», nennt Keune die Vorteile für den Kanton.

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