Der US-Konzern Biogen investiert rund eine Milliarde Franken in den Bau der Produktionsstätte für biopharmazeutische Basisstoffe in Luterbach. Logisch ist, dass sich auch regionale und lokale Firmen Aufträge erhoffen. Dazu haben sich die beiden Solothurner Wirtschaftsverbände, die Handelskammer und der Gewerbeverband, aktiv eingeschaltet.

In Zusammenarbeit mit Biogen und dem beauftragten Generalbauunternehmen Jacobs werde versucht, dass sich möglichst viele regionale Anbieter am Bau beteiligen können. Allerdings müsse angesichts der Grösse des Bauprojektes das Wort regional ziemlich breit gefasst werden, schränkt Andreas Gasche, Geschäftsführer des Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbandes, ein.

Aufträge via «Bewerbungsliste»

Nichtsdestotrotz lassen die Verbände nichts unversucht und beschreiten einen ungewöhnlichen Weg. Auf einer zusammen mit Jacobs entwickelten Plattform – www.baustelle.kgv-so.ch – können sich an Aufträgen interessierte Firmen eintragen. Auf die Liste hat Jacobs mit einem Passwort Zugriff, um sich mit den Firmen in Verbindung setzen zu können. Die Möglichkeit werde rege benutzt, zieht Gasche eine erste Bilanz. «Es haben sich über 220 interessierte Firmen eingetragen.» Diese stammten zu drei Vierteln aus dem Kanton Solothurn, der Rest aus den Kantonen Bern, Baselland, Aargau, Baselstadt und Zürich.

Auch Mischa de Bart, zuständiger Manager bei der Jacobs Switzerland GmbH, versichert, dass es Ziel sei, wenn immer möglich, lokale Firmen zu berücksichtigen. Details über einzelne Vergaben könne und dürfe er aber keine machen. Wie bereits Gasche weist auch de Bart daraufhin, dass aufgrund der Grösse der Baulose und des sehr hohen Bautempos nur wenige lokale Firmen entsprechende Kapazitäten hätten.

Aber grundsätzlich gelte es, lokale Firmen einzubeziehen, solange der anspruchsvolle Zeitplan nicht gefährdet sei. Deshalb würden wohl primär kleinere Arbeiten vor Ort vergeben. De Bart empfiehlt den Firmen, sich auf der erwähnten Datenbank registrieren zu lassen. «Wir weisen auch unsere Subunternehmen an, möglichst lokale Firmen zu berücksichtigen.»

Hotelzimmer stark nachgefragt

Ganz sicher profitieren werden die Hoteliers in der Region. Man habe bereits jetzt teilweise Mühe, genügend Hotelzimmer für Ingenieure und Techniker zu finden, erklärt Markus Ziegler, Geschäftsleitungsmitglied von Biogen Switzerland AG. Auch nach der Bauphase ab 2019 werde man regelmässig Hotelzimmer benötigen, wenn etwa Delegationen der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA anwesend seien.

Die Nachfrage sei sehr hoch, bestätigt Thorsten Brandt, Direktor des Hotels Ramada in Solothurn. Ab 2017 könnten alle 100 Zimmer für Biogen-Ingenieure vermietet werden, erklärte er kürzlich gegenüber dem SRF-Regionaljournal Aargau-Solothurn. «Wir sind aber unseren Stammkunden verpflichtet. Deshalb werden wir maximal die Hälfte der Zimmer für Biogen rausgeben.»

Kein Wunder taucht die Idee eines zusätzlichen Hotels in der Region auf. «Mit dem Biogen-Projekt wird das Segment des Geschäftstourismus weiter gestärkt», sagt Solothurns Verkehrsdirektor, Jürgen Hofer. Ein Zusatzangebot im Rahmen des Ramada wäre schön. Offenbar gebe es Privatinvestoren, die ein Hotelprojekt im Raum Solothurn prüften. Es gelte, die mit der Ansiedlung von DePuy Synthes in Zuchwil und dem Velodrome in Grenchen angefachte wirtschaftliche Dynamik zu nutzen.