Mittlerer Leberberg

Biodiversität ist eine von Menschen gemachte Sache

Hans Peter Althaus und Urs-Peter Stäuble vom Vogel- und Naturschutz Grenchen fachsimpeln im üppigen Garten, den Althaus «für sich selbst» gestaltet hat.

Hans Peter Althaus und Urs-Peter Stäuble vom Vogel- und Naturschutz Grenchen fachsimpeln im üppigen Garten, den Althaus «für sich selbst» gestaltet hat.

Gartenfreunde holten sich bei einem Abenspaziergang im Garten von Hans Peter Althaus beim Rosegghof Tipps zur Förderung der Artenvielfalt.

Silbergraue, mannshohe Eselsdisteln, rote Stockrosen, Nachtkerzen, deren gelbe Blüten sich zum Öffnen bereit machen. Eine dunkelrote Mangoldpflanze, daneben leuchtend orangefarbige Ringelblumen. Im Schatten von Weiden die filigranen weissen Blütenrispen des Waldgeissbarts. Eine orange gepunktete Schwalbenschwanzraupe klettert an einem Dillstängel hoch.

Diese Farben- und Formenvielfalt überwältigte die über 50 Teilnehmenden am Abendspaziergang im Garten von Hans Peter Althaus beim Rosegghof regelrecht. Rosmarin, Minze und betörend riechende Rosen liefern den Duftteppich dazu. Stangenbohnen, Apfelbäume, dazwischen Himbeerstauden und ein Beet mit Getreide vervollständigen das Bild eines Gartens, bei dem der Artenreichtum bis ins Unermessliche gesteigert ist.

Einfach beginnen

Die Besucher waren auf Einladung der Umweltkommissionen Langendorf, Oberdorf, Lommiswil und Rüttenen gekommen, um sich Tipps zu holen für die aktive Unterstützung der Pflanzen- und Tiervielfalt im Garten. Althaus weiss, dass sein üppiger Garten Besucher bereits beim Anschauen überfordert. Deshalb mahnte er: «Beginnt bescheiden! Legt mal nur eine simple Steinplatte in die Wiese.

Diese bietet ein Versteck für Blindschleichen, wo sie warm haben und vor Räubern geschützt sind. Lasst die Abdeckung eines Komposthaufens in einer Ecke liegen und schaut am nächsten Morgen, was sich darunter alles eingenistet hat!». Er rief dazu auf, mehr Ritzen, Nischen und Spalten zu lassen, um Insekten, Käfern und Spinnen eine Behausung zu bieten. Meist sei die Unordnung im Garten das «pièce de résistance», wie der Naturexperte sich ausdrückte, das der Gestaltung eines artenreichen Gartens im Wege stehe.

Artenvielfalt nicht seit jeher

Althaus ist sich klar darüber, dass er mit seinem Garten die Welt nicht retten kann. Er mache dies für sich selber, betonte er. Er zweifelt aber auch am Nutzen der teuren Massnahmen, die der Bund zur Förderung der Biodiversität unternimmt. «Wir wissen nicht, was die Natur vorhat», sinnierte Althaus, «sie denkt in grösseren zeitlichen Dimensionen». Er schaute 14 000 Jahre in die Vergangenheit zurück, als das Mittelland von Eis überzogen war und es mit der Artenvielfalt nicht weit her war.

Auch die Wälder, die nach dem Rückzug der Gletscher entstanden, hätten nur einen eingeschränkten Lebensraum geboten. Erst der Mensch habe mit der Ackerbaukultur die Voraussetzung für die Entwicklung einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen geschaffen, gab der Fachmann zu bedenken. So konnten sich zum Beispiel Feldlerchen oder Schwalben ansiedeln, die im Wald nicht heimisch sind.

Eine andere Art, wie man Leben in den Garten bringen kann, zeigte Willi Ingold, Leiter der Garten- und Kleintiergruppe Solodaris den Besuchern.

Blumenwiese und Mauersegler

Im Rahmen eines Projekts zur Förderung der Artenvielfalt wurde im Park des Wohnheims Wyssestei eine Blumenwiese angesät. Als Schmetterlingsliebhaber freute er sich, dass Wegwarte, Wiesensalbei und verschiedene Kleearten zahlreiche Falter anlocken. «Die Wiese ist zwar immer noch zu fett», bedauerte er. Er hätte sich noch mehr Blumen gewünscht. «Doch man muss sich am Positiven erfreuen», meinte er.

Unter lautem Sirren brausten immer wieder Schwärme von Mauerseglern über die Köpfe der Naturfreunde hinweg. «Auch dies ist ein Projekt der Solodaris», erklärte Ingold. Fast 30 Nistkästen stehen den Vögeln auf dem Areal als Brutplätze zur Verfügung. Die Besucher konnten sich selber davon überzeugen, dass das Experiment, die Segler hier anzusiedeln, gelungen war.

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