Biezwil
Der Dorfbrunnen soll endlich wieder zurück auf den Dorfplatz

Viele Jahre lang war der Dorfbrunnen eingelagert. Jetzt soll er saniert werden.

Urs Byland
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So soll der Brunnen nach der Restaurierung wieder aussehen.

So soll der Brunnen nach der Restaurierung wieder aussehen.

Denkmalpflege

Wenn das Männerchörli von Biezwil proben würde, hätte Martin Schoch schon längst davon gehört, dass der Dorfbrunnen wieder instand gestellt werden soll. Der frühere Baupräsident von Biezwil, der jetzt glücklich in Küttigkofen lebt aber noch im Männerchörli Biezwil singt, hätte einen Freudensprung gemacht.

Schliesslich war der ehemalige Dorfbrunnen von Biezwil schon zu seiner Zeit, als er noch in Biezwil wohnte, sein Lieblingsthema, das im Gemeinderat gerne wiedergekäut wurde. «Die Biezwiler hätte es nichts kosten dürfen, dann würde der Brunnen schon lange wieder dort stehen, wo er einst stand», sagt er mit einer grossen Portion Ironie.

Jetzt aber ist der Himmel über Biezwil finanziell rosarot gefärbt, weshalb die Biezwilerinnen und Biezwiler an der letzten Gemeindeversammlung einstimmig den Kredit über 58'000 Franken für die Sanierung des Dorfbrunnens genehmigten. Gemeinderat Bruno Ryser erläuterte dort, dass der Brunnen aus der öffentlichen Wasserversorgung gespeist werde und rund 3'000 Kubikmeter Wasser im Jahr verbrauche. Noch nicht geklärt sei einzig der Unterhalt.

Steinmetz hat schon 2003 offeriert

Gegenwärtig lagern die verschiedenen Teile des historischen Brunnens im Lager von Steinbildhauer Heinz Lehmann in Leuzigen. Ob er es nun ist, der den Brunnen aus dem Jahr 1780, der von der kantonalen Denkmalpflege als schützenswertes Objekt registriert ist, restaurieren und ihn auf dem künftigen Standort Dorfplatz wieder in Gang setzen darf oder jemand anderes dies tun wird, hat er noch nicht erfahren. Er weiss aber von den langjährigen Bemühungen, den Biezwiler Prunkbrunnen wieder nach Biezwil zu bringen. Er habe die Arbeiten schon 2003 offeriert. Aber bislang habe es nicht sein sollen, so der 65-Jährige.

Hierher wird der Dorfbrunnen kommen.

Hierher wird der Dorfbrunnen kommen.

Hanspeter Bärtschi

Die Biezwiler müssen nicht alle Kosten selber übernehmen. Mit Beiträgen vom Kanton und der eigenen Bürgergemeinde zahlt die Einwohnergemeinde lediglich noch 18'000 Franken. Der Regierungsrat hat seinen 22'350 Franken schon im Jahr 2019 gesprochen. Damals ging er davon aus, dass der Brunnen 2020 restauriert wird. Etwas Eile ist deshalb schon geboten, denn laut Regierungsratsbeschluss verfällt der Beitrag, wenn die Abrechnung nicht bis 30. November 2022 erfolgt ist.

Posthalter hat die Kühe am Brunnen getränkt

Doch was macht den ehemaligen Dorfbrunnen von Biezwil so einzigartig? Er ist ein Doppelbrunnen mit einem Sudelbecken und hat einen schönen Brunnenstock. Einzig der Brunnenhut fehlt. Martin Schoch erwähnt eine Postkarte, auf der der Brunnen abgebildet ist. Er kann sich noch erinnern:

«Der ehemalige Posthalter hat dort noch seine Kühe getränkt.»

Dass Kühe in diesem Brunnen getränkt wurden, vermutet auch Steinbildhauer Lehmann. «Im Sudelbecken wurden jeweils verschmutzte Stiefel oder Werkzeug gewaschen. So war gewährleistet, dass das Wasser, das für die Kühe bestimmt ist, nicht verschmutzt wurde.»

Bei der Gestaltung des Schulplatzes musste der Brunnen weichen

In Biezwil erzählt man sich manche (Räuber)-Geschichten, weshalb der Brunnen auseinandergenommen wurde. «Nichts ist wahr», erklärt Martin Schoch, der in der Stiftung Buchegg für das Bezirksarchiv zuständig ist. Bei der Gestaltung des Schulplatzes musste damals der Brunnen zwischenzeitlich weichen. Die verschiedenen Teile des Brunnens wurden an verschiedenen Orten von Biezwilern «akkurat» eingelagert, bis er dereinst wieder zusammengebaut in Biezwil aufgestellt werden sollte.

Nun ist es also soweit. «Wir haben 20 Jahre lang dafür gekämpft, dass der Brunnen wieder in Biezwil steht. Es ist ein Bijou», freut sich Schoch.

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