Mit den 2009 vom Bund beschlossenen Änderungen des Gewässerschutzgesetzes sollen die Gewässer revitalisiert und die negativen Auswirkungen der Wasserkraftnutzung eingedämmt werden. Der Emmekanal, der beim Wehr abgeleitet wird, bedient vier private Wasserkraftanlagen. Die freie Fischwanderung ist bei diesem 4 Meter hohen Wehr beeinträchtigt oder gar gänzlich unterbrochen (Fischaufstieg).

Die meisten Fische können die oberhalb liegenden 82 Gewässerkilometer der Emme und die vielen Seitenbäche des 982 Quadratkilometer grossen Einzugsgebietes nicht erreichen. Das sei vor allem für den als Zielfischart definierten Lachs von Bedeutung, der in den Oberlauf der Emme gelangen muss, um dort laichen zu können. Zusätzlich müssen die Fische vor Maschinen und Turbinen der Wasserkraftnutzung geschützt werden.

Fischschutz beim Wehr

Letzteres wiederum würde bedeuten, dass auch bei den vier Wasserkraftwerken am Kanal Massnahmen erfolgen müssten. Die Projektverantwortlichen wollen die Massnahmen aber auf die Emme konzentrieren und dementsprechend dafür besorgt sein, dass nicht zu viele Fische in den Kanal gelangen. Der Fischschutz soll mit einem Rechen 30 Meter nach der Fassung des Kanals erreicht werden. Die Abstände der horizontalen Stäbe beträgt gerade mal 15 Millimeter.

Die Fischaufstiegsanlage soll in Form eines 100 Meter langen Schlitzpasses ausgestaltet werden. Die Trennwände der 30 Wasserbecken haben vertikale Schlitze, die über die gesamte Höhe reichen. Somit ist auch die Sohle für bodennahe Kleinstlebewesen durchgängig. Durch die vertikalen Schlitze entsteht ein Wanderkorridor, in dem die Fliessgeschwindigkeit nicht zu hoch sein darf und die Wassertiefe ausreichend sein muss. Bei der Fischabstiegsanlage werden die Fische zu zwei Fischabstiegsbecken geleitet.

Die Anlage soll im nächsten Jahre gebaut werden und im ersten Betriebsjahr 2020 nach der Fertigstellung einer Kontrolle unterzogen. Geprüft wird, ob die Massnahmen ausreichen.

Viele Fischarten nachgewiesen

Dass die Massnahmen nicht ohne Grund erfolgen, zeigen diverse Testbefischungen in der Emme und im Kanal. Nachgewiesen wurden insgesamt 13 Fischarten (Groppe, Bachforelle, Elritze, Regenbogenforelle, Schmerle, Äsche, Alet, Schneider, Barbe, Gründling, Flussbarsch, Rotauge, Stichling). Erwartet wird, dass sich das Fischarten-Vorkommen mit der Beseitigung der Auf- und Abstiegshindernisse erweitern wird. Als mögliche Neuzuzüger werden Bachneunauge, Lachs, Strömer, Nase, Hasel, Trüsche und Aal genannt. Hasel und Aal soll bereits sporadisch in der Emme erscheinen.

Das Bachneunauge wurde 1998 im Emmekanal bei der damals noch üblichen elektrischen Abfischung in drei Exemplaren erfasst, war früher aber im Biberenbach noch weit verbreitet. Ebenso sei die Nase vor dem Bau des Aare-Kraftwerkes Flumenthal jedes Jahr in einem beeindruckenden Laichzug von der Aare in die Emme zu beobachten gewesen. Auf der Höhe Zuchwil/Derendingen laichten sie ab.

Die Kosten für die Massnahmen liegen bei 4,82 Mio. Franken. Mit eingerechnet ist ein Produktionsausfall für die vier Kraftwerke während der Bauzeit in der Höhe von 600'000 Franken.