Biberist
Wer will die Villa Schürch? «Die wohl berühmteste Liegenschaft im ganzen Kanton» steht zum Verkauf

Die Villa Schürch, die Liegenschaft an der Westtangente in Biberist, kommt in den Verkauf. 15 Zimmer und 360m2 Wohnfläche warten auf neue Besitzer. Das hat seinen Preis.

Urs Byland
Merken
Drucken
Teilen
Villa Schürch liegt direkt an der Westtangente.

Villa Schürch liegt direkt an der Westtangente.

Urs Byland

Er habe sein Werk vollendet, sagt Markus Brönnimann, Beisitzer der Villa Schürch. Das hat man der traditionsreichen Villa auf Biberister Boden, südlich der Aare neben der Westumfahrung, von aussen auch angesehen.

Nun bestätigt Brönnimann, dass auch im Innern alles in bester Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege renoviert wurde. «Mission erfüllt», sagt er deshalb. Die ursprünglichen Absichten, die Brönnimann beim Kauf des Hauses 2010 vom Kanton hatte, haben sich in der Zwischenzeit gewandelt.

Die Villa Schürch

Der Kanton verkaufte die Liegenschaft in diesem Zustand. Urs Lindt

Das «Türmlihaus» an der Bürenstrasse wurde 1973 vom Kanton gekauft, stand lange leer, und wurde zuletzt während des Baus der Autobahn A5 als Büro genutzt. Kurz vor dem Kauf durch Brönnimann wurde es noch als Jugendzentrum für die Solothurner Jugend gehandelt.

Brandschutzbestimmungen vereitelten Pläne

Der Kanton stellte das Gebäude 2010 unter Schutz. Die Kombination aus barockem «Türmlihaus» und englischem Landhaus gibt es so nirgends im Kanton, so die Begründung. Ausschlaggebend war die einzigartige Architektur aus verschiedenen Zeitepochen, die Treppenhalle im englischen Arts & Crafts Stil, die antiken Parkettböden sowie der Kachelofen und das Kachelcheminée.

Nach dem Kauf wollte Brönnimann, Inhaber von Music Melody in der Solothurner Vorstadt und damals mit seiner Frau Betreiber der Fundgruebe in Arch, in der Villa Schürch alte und rare Einrichtungsgegenstände aus den letzten 200 Jahren anbieten. Brandschutzbestimmungen verunmöglichten damals das Vorhaben, die Villa öffentlich zu machen. Er hat das Gebäude dennoch behalten.

«Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, das Haus zu renovieren.»
Die Villa Schürch im Jahr 2010.

Die Villa Schürch im Jahr 2010.

Urs Lindt

Mit der Zeit veränderten sich auch die Lebensumstände von Brönnimann. Er bewohnt zwar heute noch mit seiner neuen Partnerin drei der fünfzehn Zimmer in der Villa. Aber «Das Haus ist viel zu gross für uns.» Deshalb bietet er die Villa Schürch zum Verkauf an. «Die wohl berühmteste Liegenschaft im ganzen Kanton», so Brönnimann im Verkaufskatalog, wird für etwas mehr als 2 Mio. Franken angeboten.

screenshot immoscout.

Weitergehende Nutzungen für das 1242 Quadratmeter grosse nichtlandwirtschaftliche Grundstück ausserhalb der Bauzone könnten mit der Denkmalpflege besprochen werden. «Viele Nutzungen sind möglich und die Denkmalpflege ist heute aufgeschlossener als damals, als ich es kaufte.»

Villa Schürch

Die Villa Schürch (an der Bürenstrasse 83) gehört zu den Landsitzen, wie sie in der Umgebung der Stadt Solothurn verschiedentlich entstanden sind. Ursprung der Villa ist ein kleiner Landsitz aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der um 1710 zum charakteristischen solothurnischen «Türmlihaus» mit einer Gartenanlage zum Aare­ufer hin erweitert wurde.

Die Villa war einst der Landsitz des Fabrikanten Fritz Schürch (1841–1891), der eine Tabakfabrik betrieb. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgten Um- und Anbauten, die jeweils zeittypisch vom Heimatstil, von der Arts- und Crafts-Bewegung, sowie von der Zwischenkriegsarchitektur geprägt wurden. Einzigartig ist das romantisch anmutende Nebeneinander von barockem «Türmlihaus» und «englischem Landhaus».

Urs Byland