Biberist
Teure Drohne aus dem Auto geklaut – damit hätte er Rehkitze vor dem Mähtod retten können

Pascal Köstinger aus Biberist bietet Drohenkurse an. Dabei setzt er sich auch ehrenamtlich ein, um mit Hilfe von Wärmebildkameras Rehkitze vor dem Tod durch den Mäher zu retten. Doch vergangene Woche wurde seine Ausrüstung aus dem Auto gestohlen.

Joel Dähler
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Pascal Köstinger fliegt Drohen, nicht nur hobbymässig, sondern auch ehrenamtlich für einen guten Zweck.

Pascal Köstinger fliegt Drohen, nicht nur hobbymässig, sondern auch ehrenamtlich für einen guten Zweck.

zvg

Pascal Köstinger aus Biberist arbeitet hauptberuflich als Berufsbildner im Bereich Informatik. Sein grosses Hobby ist das Drohnenfliegen. Früher war er viel auf Reisen mit seinem Töff «Tiger Triumph». Durch die Leidenschaft zur Fotografie und später zum Drohnenfliegen entstand seine Webseite mit dem Namen «Tiger on Air».

Immer öfter wurde er von Freunden gefragt, ob er auch Drohnenkurse anbieten könne. Gesagt, getan. «Wenn es hoch kommt, führe ich 1-2 mal pro Woche einen Drohnenkurs für Privatpersonen durch», beschreibt Köstinger die grosse Nachfrage.

«Das kann jedem passieren»

Vergangene Woche kam es aber zu einem Diebstahl. Eine komplette Drohnenausrüstung wurde aus dem Auto von Köstinger geklaut. Inklusive Zubehör belaufe sich das gestohlene Material auf rund 5500 Franken. Dabei sei das noch die eher günstige Variante, versichert Köstinger. Genervt machte er seinem Ärger auf Facebook Luft. Auch in der Hoffnung, dass vielleicht jemand gesehen haben könnte, was da passiert ist.

Facebook: Tiger on Air

Über den Hergang des Diebstahls kann Köstinger nur mutmassen.

«Heute kann man jedes Auto, dass sich ohne Schlüssel, also <keyless> öffnen lässt, ohne grossen Aufwand hacken. Das kann jedem passieren.»

Der Hacker könne sich dabei in der Nähe verstecken und beim Öffnen und Schliessen des Autos das Signal abfangen. So könne ein Diebstahl begangen werden, ohne dass das Auto beschädigt oder Scheiben eingeschlagen werden müssen. Natürlich habe er den Diebstahl bei der Polizei angezeigt.

Rehkitze retten durch Wärmebild-Drohnen

Besonders geärgert hat es Köstinger, dass die gestohlene Ausrüstung einem guten Zweck dienen sollte, nämlich der Rehkitzrettung. In der Frühlingszeit bis Juni mähen die meisten Bauern ihre Felder mit grossen Maschinen und Traktoren. Zu genau dieser Jahreszeit werfen die Rehe aber auch ihre Neugeborenen, meist in hohe Matten. Das Problem dabei:

«Die Rehkitze haben in den ersten paar Wochen noch keinen Fluchtinstinkt. Sie bleiben stehen und werden überfahren.»

Früher seien Jäger und Landwirte noch die ganzen Felder vor dem Mähen selber abgelaufen. Das war jedoch sehr aufwendig, gerade weil die kleinen Tiere teilweise nur 20 cm gross und somit nur schwer zu sehen sind. Mittlerweile verwende man Drohnen mit integrierten Wärmebildkameras. So kann Köstinger die Felder überfliegen und nach Wärmesignaturen Ausschau halten.

Und so sehen die Rehe im Feld dann aus:

Eine an einer Drohne befestigte Wärmebildkamera nimmt ein Reh im Feld auf.
8 Bilder
Hier sind gleich mehrere zu sehen
Bei diesem Foto ist der Kopf deutlich zu sehen.
Kleine Flecken im Feld
Ein stehendes Reh

Eine an einer Drohne befestigte Wärmebildkamera nimmt ein Reh im Feld auf.

zvg

Wird ein Tier gefunden, könne man sich gezielt dorthin begeben und das Tier bergen. Der Schweizer Verein «Rehkitzrettung Schweiz» vergibt solche ehrenamtlichen Jobs an Drohnenpiloten wie Köstinger, die sich eintragen lassen.

Sandra Ardizzone

Wie geht es weiter?

Köstinger war erstaunt über die vielen Rückmeldungen auf seinen Facebook-Beitrag. Auch wenn Mitleid nie die Intention hinter dem Post war, erfreue er sich über das Mitgefühl. «Vielen Dank für alle Reaktionen und Nachrichten. Das schätze ich sehr», richtet er aus.

Es haben sich auch ein paar Hinweise ergeben, von Leuten, die verdächtig ähnliche Ausrüstung online zum Verkauf gefunden haben. Köstinger ist allerdings vorsichtig, sonst beschuldige man am Schluss noch jemand falschen. Auch andere Drohnenpiloten seien aktiv geworden, und hätten laut Köstinger angeboten, deren eigene Drohne für die Rehkitz-Saison auszuleihen. Das sei ihm aber schon ein wenig unangenehm. Er könne nicht einfach so Geschenke annehmen, meint Köstinger.

Er habe eine spezielle Versicherung für die Drohne gehabt, die auch schnell reagiert und gezahlt habe. Dabei war allerdings nicht die komplette Ausrüstung versichert, sondern nur ein Teil. Rund 40% der Kosten für eine Neuanschaffung werde er deshalb selber tragen. Wenn dann die neue Ausrüstung da ist, stehe der Rehkitzrettung dieses Jahr nichts mehr im Wege.