Biberist
Sattes Plus statt ausgeglichener Rechnung – Planungskredit für Werkhofschulhaus und Feuerwehrmagazin gesprochen

Mit einem Ertragsüberschuss von gut 2,7 Mio. Franken hat die Jahresrechnung 2020 weit über den Erwartungen abgeschlossen. Und der Gemeinderat hat einen Planungskredit für das Werkhofschulhaus genehmigt.

Urs Byland
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Das Werkhofschulhaus mit dem Feuerwehrmagazin.

Das Werkhofschulhaus mit dem Feuerwehrmagazin.

Rahel Meier

Die Rechnung 2021 stärkt das Eigenkapitalpolster, von Biberist, wenn die Gemeindeversammlung dieser zustimmen wird. Der Ertragsüberschuss von gut 2,7 Mio. Franken (budgetiert war ein Plus von 21'000 Franken) soll gänzlich dem Eigenkapital zugewiesen werden, das damit auf gut 18,1 Mio. Franken anwachsen wird.

«Erfreulich ist», so Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann (SP), «dass beinahe überall weniger ausgegeben wurde, als budgetiert.» Die Leiterin Finanzen und Steuern, Ines Stahel, zeigte im Detail auf, dass vor allem die Personalausgaben in der Verwaltung um 1 Mio. Franken tiefer als erwartet ausgefallen sind.

Noch erfreulicher sei aber, so Hug-Portmann, dass die Steuergelder über Gebühr fliessen. So wurde bei den natürlichen Personen 1,5 Mio. Franken und bei den juristischen Personen 1 Mio. Franken mehr eingenommen im Vergleich zu 2019. Auch bei den Sondersteuern wurde ein sattes Plus von 1 Mio. Franken verzeichnet.

Die schlechte Nachricht liess aber nicht auf sich warten: «Wir haben 2020 nur 2,6 Mio. Franken investiert. Wir investieren zu wenig. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben» so der Gemeindepräsident. Der Effekt mit den auf später verschobenen Investitionen sei aber, dass die Rechnungen der Folgejahre belastet werden. Und: «Auch in Zukunft können wir Investitionen nicht selber zahlen, deshalb wird die Verschuldung ansteigen.» Ihm pflichtete Sabrina Weisskopf bei. «Wir haben ein erfreuliches Ergebnis. Trotzdem ist nicht Zeit zum Jubeln gekommen, wenn wir den Investitionsstau in Betracht ziehen.» Hug-Portmann sprach dennoch von einer akzeptablen Ausgangslage, zweifelte aber daran, dass das Ergebnis auch in Zukunft so gut ausfallen wird.

Zuerst das Ja der Bevölkerung einholen, dann planen

Zuvor hat der Gemeinderat bereits ein weiteres Objekt zum angestauten Investitionsberg hinzugefügt. Er behandelte einen Kredit für die Erweiterung und den Umbau Werkhofschulhaus und Feuerwehrmagazin. Das Vorhaben ist nicht bestritten. Die Feuerwehr braucht mehr Platz und die Schule könnte gleichzeitig günstig mehr Schulraum erhalten. Bleibt noch die Frage, wie vorgehen?

Soll das Projekt mit einem Kredit über 5,7 Mio. Franken und einer Kostengenauigkeit von plus/minus 20 Prozent an die Gemeindeversammlung und an die Urne oder soll zuerst ein Detailprojekt mit einer Kostengenauigkeit von plus/minus 10 Prozent ausgearbeitet werden, bevor Gemeindeversammlung und Urne folgen? Letzteres würde eine Verzögerung nach sich ziehen.

Bei ersterer Vorgehensweise befürchtete Sven Sataric (SVP), dass man möglicherweise einen zu grosszügigen Kredit bewillige und ein «aufgeblähtes Projekt» die Folge wäre. «Es ist nicht so, dass wir das Geld, das gesprochen wird, auch vollständig brauchen müssen», erwiderte der Gemeindepräsident. «Wir unterschreiten oft Kredite. Mit der ersten Vorgehensweise gewinnen wir Zeit für Feuerwehr, und wir haben noch keine Planungskosten ausgegeben.» Der Gemeinderat stimmte ihm mit 9 Ja, 1 Nein und 1 Enthaltung zu.

Gemeinderat will Coworking Spaces unterstützen

Mit dem Aufbau von Coworking-Spaces sollen Wohn- und Arbeitsorte näher zusammengeführt werden, wie Andreas Choffat von der Genossenschaft VillageOffice im Gemeinderat erklärte. Genauer sollen Arbeitsorte in ländlicher Umgebung geschaffen werden. «Das Pendeln könnte reduziert werden, und die Menschen könnten dort arbeiten, wo sie leben», so Choffat.

Die Vision sei es, bis 2030 tausend solcher Arbeitsorte einzurichten. 85 hat die Genossenschaft bereits in Betrieb genommen. Es handle sich dabei um ein niederschwelliges Angebot für Arbeitende, ausgestattet mit verschiedenen Zonen zum gemeinschaftlichem Arbeiten, für informelles Zusammensein, mit Sitzungszimmern etc. Biberist habe 3268 Wegpendler. «50 bis 55 Prozent müssten nicht pendeln», ist Choffat überzeugt, dass ein Bedürfnis vorhanden sein könnte.

Das von der Kommission Standortförderung empfohlene Projekt fand auch im Gemeinderat viel positive Resonanz. Ein Kredit von 28000 wurde gutgeheissen, aber auf Antrag von Markus Dick (SVP) nicht als Nachtragskredit. Damit muss mit dem Start des Projekts noch ein Jahr zugewartet werden.