Biberist
Mit Pragmatismus zu mehr Blumenwiesen im Dorf

In Biberist soll die Biodiversität auf gemeindeeigenen Flächen gesteigert werden. Dafür wurde ein Grünflächenkonzept erarbeitet, das aufzeigt, wo welche Massnahmen nötig wären.

Rahel Meier
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Schon vor zwei Jahren wurden gewisse Standorte ausgeschieden, an denen die Biodiversität gefördert werden soll.

Schon vor zwei Jahren wurden gewisse Standorte ausgeschieden, an denen die Biodiversität gefördert werden soll.

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Im vorletzten Jahr hat man in Biberist damit begonnen, kleinere Flächen auszuscheiden und sie nur noch extensiv zu bewirtschaften. Gleichzeitig wurden Plakate aufgestellt, die der Bevölkerung erklären, dass «hier eine Blumenwiese entsteht».

Nun wurde ein Konzept erarbeitet, das aufzeigt, wie die Grünflächen bewirtschaftet und die Biodiversität gefördert werden sollen. Dabei wurde ein pragmatischer Ansatz gewählt, wie Uriel Kramer (Präsident Bau- und Werkkommission) im Gemeinderat erklärte. «Wir möchten lieber klein starten und bald erste Erfolge sehen, anstatt jedes Jahr über Geld zu diskutieren.»

Rund zwei Hektaren beurteilt

Im Grünflächenkonzept gehe es nur um die öffentlichen Anlagen und Flächen, die die Gemeinde unterhalten muss, präzisierte Martin Huber (BSB, Biberist), der das Konzept erarbeitet hat. Schon heute würden die Grünflächen weitgehend nach ökologischen Kriterien unterhalten, machte Huber klar. Neun Areale und 17 Einzelobjekte, insgesamt rund zwei Hektaren, wurden beurteilt und sollen teilweise aufgewertet werden.

Verbesserungen seien insbesondere bei den Gehölzpflanzungen möglich. Dort könnten Exoten durch einheimische Arten ersetzt werden. Möglich sei auch das Anlegen von Kleinstrukturen an den Rändern von Grünflächen. An einigen Standorten soll der Untergrund ausgemagert werden, bis sich artenreiche Wiesen entwickeln. Die Hecken müssten teilweise ausgelichtet werden.

Nur wenig invasive Neophyten

Laut Martin Huber gibt es aber auch einige wenige Flächen, die einen grösseren Eingriff benötigen, wenn man einen Erfolg erzielen wolle. Explizit genannt werden der Kindergarten Fällimoos, die Wiese nördlich der katholischen Kirche, der ehemalige Platz mit Brunnen bei der Emmenstrasse-Gerlafingenstrasse, die Grünfläche beim Lindenweg sowie die Verkehrsinsel im Bereich Bleichenbergstrasse-Asylweg.

Als positiv beurteilt Huber, dass auf den gemeindeeigenen Flächen kaum Vorkommen von invasiven Neophyten festgestellt wurden.

Naturinventar aktualisiert

Vor allem «Hosteten» verschwinden

Das Grünflächenkonzept basiert auf dem Naturinventar von 1991. Seither ist die Gemeinde um 2000 Personen gewachsen. Laut Martin Huber (BSB, Biberist) hat sich der Naturraum gerade wegen der Bautätigkeit und der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung stark verändert.

Abgenommen hat vor allem die Anzahl der «Hosteten» von 39 auf neu nur noch zwölf. Dafür sei die Zahl der Hecken und Ufergehölze stabil geblieben und an der Emme, am Dorfbach und am Seebächlein wurde die Natur sogar aufgewertet.

Bei der Aufnahme des Inventars konnten zudem mehr artenreiche Wiesen festgestellt werden. «Das ist auch dank der Ökologisierung in der Landwirtschaft so.» Brachen gebe es ebenfalls mehr.

Artenreiche Wiesen und Weiden erstrecken sich in Biberist vor allem entlang der Bahn- und Strassenböschungen. Insbesondere die Böschungen entlang der RBS-Linie werden teilweise als «sehr wertvoll» taxiert.

Im Siedlungsraum seien die Naturobjekte aber eher unter Druck. Insgesamt wird der Zustand der Naturwerte in Biberist über weite Teile als ungenügend beurteilt. Dies gelte insbesondere auch für die weitgehend ackerbaulich genutzten Talflächen.

Demgegenüber gebe es einige wertvolle Landschaftsräume mit relativ vielen naturnahen Flächen wie die Gebiete Giriz-Ägerten, ­Weiermatt-Buechrain oder Dubenmoos-Engi. (rm)

Vorbildfunktion der Gemeinde

Laut Konzept würden in den kommenden zehn Jahren insgesamt rund 120'000 Franken für Aufwertungsmassnahmen ausgegeben. 30'000 Franken wären für Objekte der ersten Priorität gedacht. Nach der Realisierung vermindere sich der Aufwand für den Unterhalt. «Es dauert einige Jahre, bis sich der gewünschte Zustand einstellt», so Huber. Aber es wäre eine deutliche Erhöhung der Biodiversität zu erwarten, wodurch die Vorbildfunktion der Gemeinde gestärkt und die Lebensqualität verbessert werde.

Der Gemeinderat hat das Konzept zur Kenntnis genommen und wird über die vorgeschlagenen Massnahmen im Rahmen des Budgets diskutieren. «Die 30000 Franken zur Initialzündung machen weniger als 0,5 Promille unseres Gesamthaushaltes aus», so Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann, der die Umsetzung befürwortet und auch die Erarbeitung des Konzeptes in Auftrag gegeben hatte.