Biberist
Junge und ältere Ärzte können voneinander profitieren

Im «Dorfhof» in Biberist praktizieren vier Ärzte gemeinsam. Man hofft, dass weitere junge Ärzte zum Team dazustossen.

Rahel Meier
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Seit Anfang Monat hat Biberist ein Ärztezentrum. Es befindet sich im «Dorfhof», in der neuen Überbauung im Zentrum der Gemeinde. Zurzeit arbeiten vier Ärzte dort. Alle kennt man in der Region: Benedikt Krebs und Dmitri Volkov haben vorher gemeinsam die Praxis an der Leutholdstrasse geführt und sind mit ihrem Team nun umgezogen. Roland Keller hatte seine Praxis bisher in Lohn-Ammannsegg und Jacqueline Albrecht ist von Solothurn her nach Biberist gekommen.

«Die Ärzte, ausser Dmitri Volkov, die zurzeit hier im neuen Ärztezentrum praktizieren, sind im vorerst letzten Abschnitt ihrer beruflichen Karriere angekommen», erklärt Andreas Scheurer. Scheurer gehört der Geschäftsleitung der PraxaMed Center AG (PraxaMed) an. Die Firma ist – vereinfacht erklärt – darauf spezialisiert, Nachfolgelösungen für Hausärzte zu erarbeiten und Ärztezentren zu realisieren.

Hausärztemangel ist überall ein Thema

Im Jahr 2017 trafen die Verantwortlichen von Praxamed zum ersten Mal mit René Wettstein zusammen. Er und seine Firma, die Unique Real (Baar), haben das Projekt «Dorfhof» initiiert. «René Wettstein äusserte schon sehr bald den Wunsch, dass er in den Neubauten gerne eine Arztpraxis ansiedeln möchte.»

Eine Bedürfnisabklärung zeigte, dass Biberist in wenigen Jahren hausärztlich unterversorgt sein dürfte. «Damit steht die Gemeinde nicht alleine», meint Scheurer. Im Wasseramt und im Bucheggberg gebe es generell zu wenig Hausärzte. Und von denen, die heute noch praktizieren, stünden mehrere kurz vor der Pensionierung.

Nachdem Scheurer Benedikt Krebs und René Keller, den damaligen Mitbegründer der Gemeinschaftspraxis Käsirain, für das Projekt Ärztezentrum gewinnen konnte, kam Fahrt in die Sache. «René Keller und Benedikt Krebs, sind massgeblich daran beteiligt, dass das Ärztezentrum heute Wirklichkeit ist.»

700 Quadratmeter und neun Sprechzimmer

Funktionell und modern eingerichtet

Im «Dorfhof» stehen den Ärzten und den 13 medizinischen Praxisassistentinnen 700 Quadratmeter zur Verfügung. Man betritt die Praxis ebenerdig durch eine gläserne Schiebetüre und steht dann direkt vor dem Empfang. Von dort aus geht es zur Garderobe und zum ersten Wartezimmer. Auch im Eingangsbereich befindet sich der Medikamentenroboter. Im hinteren Bereich sind die individuell ausgestatteten Sprechzimmer zu finden. Zum Ärztezentrum gehört weiter ein Raum mit Röntgen- und Ultraschallgerät. Dann ein sogenannter Multifunktionsraum «Hier können Patienten behandelt werden, die beispielsweise eine Infusion brauchen. Es ist aber auch möglich kleine chirurgische Eingriffe vorzunehmen.» Dazu kommen Büroräume, Garderoben, ein Aufenthaltsraum für das Personal und ein weiteres Wartezimmer.

Das Personal betritt das Ärztezentrum durch einen eigenen Eingang. Ein weiterer Eingang ist für Patienten mit speziellen Symptomen oder ansteckenden Krankheiten, wie etwa Corona, vorbehalten. «Wer durch diesen Eingang kommt, der betritt einen abtrennbaren Bereich. So besteht kein Risiko, dass sich Patienten innerhalb der Praxis anstecken können», erklärt Andreas Scheurer. (rm)

Das Ärztezentrum Biberist ist eine Aktiengesellschaft. Zurzeit ist die PraxaMed Alleinaktionärin, Benedikt Krebs ist einer der drei Verwaltungsräte. «Unser Ziel ist es, den Ärzten die Aktien nach und nach zu übertragen und sie dann sozusagen in die Selbstständigkeit zu entlassen», erklärt Scheurer.

Kommt den jungen Ärzten entgegen

Für ihn hat die Aktiengesellschaft zudem einen weiteren Vorteil. Es sei für eine junge Ärztin oder einen jungen Arzt einfacher einzusteigen. «Kurz nach dem Studium haben die jungen Berufsleute selten das Geld, um eine Praxis übernehmen und erneuern zu können.»

Denn das sei bei vielen Hausarztpraxen heute ein Problem. Die Praxen und deren Einrichtung seien oft gemeinsam mit dem dazugehörigen Arzt gealtert. «Entweder muss sich der junge Arzt deshalb als Erstes verschulden, oder der Arzt, der kurz vor der Pensionierung steht investiert nochmals, um überhaupt eine Nachfolge zu finden.»

Immer mehr arbeiten in Teilzeitpensen

Zwei Drittel aller Abgänger im Bereich Hausarztmedizin sind laut Scheurer heute Frauen. «Sie arbeiten oft in einem Teilzeitpensum und entscheiden sich darum auch gerne dafür, in einer Gemeinschaftspraxis zu arbeiten.»

Jüngere und ältere Ärzte könnten einander zudem unterstützen und voneinander profitieren. Hausärzte hätten oft eine relativ enge Beziehung zu ihren langjährigen Patienten. «Wenn sie sehen, dass junge Ärzte nachrücken, fällt es ihnen meist leichter, in Pension zu gehen und die Patienten in jüngere Hände zu übergeben.»

Auch Assistenzärzte werden ausgebildet

In Biberist könnten dereinst 12 Ärztinnen und Ärzte arbeiten. «Wir hoffen sehr, dass wir in einigen Jahren auch die Bereiche Gynäkologie und Pädiatrie abdecken können.» Auch ein Psychologe soll Teil des Teams werden. Dazu werden auch Fachleute für fachspezifische Bereiche wie etwa Ernährungsberatung, gesucht. «Nicht vergessen darf man zudem, dass im Ärztezentrum auch Assistenzärzte ausgebildet werden können», erklärt Scheurer.

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