Biberist
Im «Läbesgarte» wurde eine Birke als Symbol des Neubeginns nach der Corona-Pandemie gepflanzt

Die Birke gilt in Nord- und Osteuropa als Baum der Liebe, des Lebens und des Glücks. Deshalb wurde in Biberist eine Hängebirke gepflanzt, die nun als Erinnerung an die Coronapandemie starke Wurzeln bilden soll.

Rahel Meier
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Im Altersheim Biberist «Läbensgarte» wird eine «Corona-Birke» gepflanzt. Von links: Rolf Thiel, Peter Marti, Jelena Antunovic, Richard Kern, Stefan Hug (Gemeindepräsident), Silvia Suter, Martin Blaser (Vize-Gemeindepräsident Genossenschaft Läbensgarten), Beat Hänggi.

Im Altersheim Biberist «Läbensgarte» wird eine «Corona-Birke» gepflanzt. Von links: Rolf Thiel, Peter Marti, Jelena Antunovic, Richard Kern, Stefan Hug (Gemeindepräsident), Silvia Suter, Martin Blaser (Vize-Gemeindepräsident Genossenschaft Läbensgarten), Beat Hänggi.

Hansjörg Sahli

«Wir wurzeln, um nicht zu vergessen», so steht es in der Einladung der Genossenschaft «Läbesgarte». In jedem schweren Moment wie ein Baum gut verwurzelt zu sein, sei wichtig, um dem Sturm zu trotzen, ohne überwältigt und zerstört zu werden.

Weiter steht: «Corona hat uns geprägt. Symbolisch zur Erinnerung an Corona und als Zeichen unserer Kraft und Stärke wollen wir einen Baum pflanzen, ihn wurzeln lassen, ihn wachsen lassen und uns an seiner Stärke freuen.» Bei der Birke wird zudem ein Gedenkstein platziert, auf dem steht: «Gepflanzt in Erinnerung an die Corona-Pandemie 2020/21».

Acht Heimbewohner verstarben

Im November 2020 wurde der «Läbesgarte» stark von der Coronapandemie getroffen, 46 Bewohner und 47 Mitarbeitende erkrankten. Acht Bewohnerinnen und Bewohner verstarben. Dazu kamen weitere vier Personen, die aus dem Spital in den «Läbesgarte» in die sogenannten Übergangsbetten überführt wurden und in Biberist verstarben. Als Folge davon standen zehn Betten über längere Zeit leer.

In der Zwischenzeit ist der grösste Teil der Bewohnenden und der Mitarbeitenden geimpft. Die Situation im «Läbesgarte» sei stabil. Das Haus ist für Besucherinnen und Besucher normal geöffnet und alle Besuchende ohne Krankheitssymptome sind herzlich willkommen. Die Registration sei nach wie vor nötig, ebenso das Einhalten der Schutzmassnahmen.

Die Ereignisse gemeinsam aufarbeiten

«Wir haben gemerkt, dass Corona auch in den Köpfen unserer Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch beim Personal Spuren hinterlassen hat», erklärt Geschäftsführer Sascha Gelbhaus. Deshalb wurde ein Coach engagiert, der mithilft, die Ereignisse zu verarbeiten.

Das Pflanzen des Baumes ist vor allem für die Bewohnerinnen und Bewohner und deren Angehörige gedacht. Nach der Pflanzaktion soll es möglich sein draussen gemütlich zusammenzusitzen. Mit den Mitarbeitenden gab es bereits einen anderen Anlass. Mit einem speziellen Ritual wurde alles Negative rund um die Coronapandemie niedergeschrieben und die Zettel in einer Feuerschale verbrannt.

Wäscheleine als Klagemauer

Viele Bewohnerinnen und Bewohner und Mitarbeitende haben ihre Gedanken zur Coronapandemie niedergeschrieben. Diese Blätter hängen an einer langen Wäscheleine in der Nähe des Haupteinganges zum «Läbesgarte».

Gedanken zur Coronaepidemie von Bewohnenden und Mitarbeitenden.

Gedanken zur Coronaepidemie von Bewohnenden und Mitarbeitenden.

Rahel Meier

Auf den Blättern wird die Einsamkeit thematisiert, dass man seine Freunde und die Familie - teilweise auch die Ehepartnerin oder den Ehepartner nicht mehr sehen konnte. Dass die Situation müde mache, das dauernde Tragen der Schutzkleidung schwierig sei und die Lebensfreude insgesamt abhanden kam. Es gibt aber auch Stimmen von Leuten, denen die Situation wenig ausgemacht hat.

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