Biberist
Ein Begegnungsplatz soll als Leuchtturmprojekt in die Region ausstrahlen

Im letzten Budget wurde der Betrag für einen Spiel- und Begegnungsplatz im Zentrum von Biberist gekippt. Nun wird ein Betrag von 380'000 Franken ins Budget 2022 aufgenommen, um den Gustav Eisenmann-Platz aus seinem Dornröschenschlaf zu holen.

Rahel Meier
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Der Gustav Eisenmann-Platz: Aktuell eher Einöde als Begegnungsplatz.

Der Gustav Eisenmann-Platz: Aktuell eher Einöde als Begegnungsplatz.

Rahel Meier

Ein Bewegungsbereich für Kinder mit Spielgeräten, Holzstämme zum Herumklettern, Balancieren oder Hügel zum Herunterrutschen, eine Vogelnestschaukel, ein Sand-Wasser-Bereich und als Herzstück: ein interaktives Wasserspiel. Daneben eine kleine Buvette mit Sitzmöglichkeiten, eine Grillstelle und ein Calisthenics-Gerät (Fitness). So stellen sich Fachleute den Gustav Eisenmann-Platz in der Zukunft vor.

Platz für alle Generationen

Vom heutigen Platz würden nur die grossen schattenspendenden Bäume übrig bleiben. Wegen der Kantonsstrasse und der Emme müsste der Platz allerdings eingezäunt werden. Trotzdem erachtet die Kinder- und Jugendkommission (Kijuko) den Platz als ideal, um in Biberist einen Begegnungsplatz für alle Generationen zu realisieren.

Immerhin wären auch die Schulen und das grösste Alterszentrum des Dorfes nahe. Wichtig sei der Platz zudem, weil Biberist zurzeit stark wachse und sich baulich vermehrt gegen innen verdichte. Spiel- und Begegnungsräume seien deshalb erst recht nötig.

Investition in Lebensqualität

Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann hatte die Arbeiten der Kijuko für den Begegnungsplatz persönlich angestossen. Schon im letzten Dezember hätte er den Kredit für den neuen Begegnungsplatz gerne ins Budget aufgenommen, er scheiterte dort aber an einer Mehrheit im Gemeinderat.

«Ich denke, wir haben mit diesem Projekt eine einmalige Chance in die Lebensqualität von Biberist zu investieren»,

meinte er in der Gemeinderatssitzung am Montagabend.

Tatsächlich wurde das Projekt von allen Fraktionen ausser der SVP unterstützt. Die SVP lehnt sowohl das Projekt, als auch den Kredit dafür klar ab. Markus Dick stellte den Gegenantrag, einen Wettbewerb mit drei Architekturbüros auszuschreiben und einen Begegnungsplatz in einem bescheidenen Umfang ausarbeiten zu lassen.

Die CVP stellte sich im Grundsatz hinter den Begegnungsplatz im Zentrum, fand aber, das vorliegende Projekt sei doch sehr teuer und auch etwas überladen mit den vielen verschiedenen Elementen, die nebeneinander Platz finden sollten.

Nur zum Aufstellen des Maitannli

Beat Affolter machte es für die SP kurz: «Der Gustav Eisenmann-Platz ist ideal gelegen und wird aktuell nur dazu genutzt, das Maitannli aufzustellen. Wir befürworten das vorliegende Projekt.»

«Ich finde es schade, dass wir im Gemeinderat schon wieder vor allem Probleme suchen, anstatt ein gutes Projekt zu unterstützen», meinte Sabrina Weisskopf (FDP). Der Gustav Eisenmann-Platz sei der richtige Ort, Biberist brauche dringendst einen solchen Begegnungsplatz. «Die Kosten sind auch für uns ein Thema», so Weisskopf weiter.

«Aber es geht vor allem um die Grundsatzfrage: Wollen wir den Begegnungsplatz oder wollen wir ihn nicht.»

380'000 Franken werden in einer Grobkostenschätzung für das Projekt berechnet. Nicht darum eingeschlossen ist die Sanierung der WC-Anlage die beim Platz zwar vorhanden, aber nicht mehr nutzbar ist. Diese kann unabhängig vom Spielplatz ausgelöst werden, würde aber zusätzlich 75'000 Franken kosten.

Sponsoren- und andere Beiträge hereinholen

Eric Send, als Präsident der Kijuko, machte darauf aufmerksam, dass Eltern und Kinder miteinbezogen werden sollen, wenn es um einfach auszuführende Arbeiten rund um den Platz geht. Zusätzlich sei vorgesehen Stiftungen, Sponsoren, Gönner und auch die Bürgergemeinde um Beiträge anzugehen. Bis zu einem Fünftel der Kosten könnten damit gedeckt werden.

Der Gemeinderat musste über diverse Anträge und Gegenanträge abstimmen. Letztlich setzte sich eine knappe Mehrheit von SP und FDP gegen die CVP (die das Projekt auf 350'000 Franken reduzieren wollte) und SVP durch. Gleichzeitig gab man den Fachleuten der Fachstelle SpielRaum, die das Vorprojekt erarbeitet haben, der Kijuko und der Bau- und Werkkommission (BWK), die das Bauprojekt begleiten wird, mit, dass eine Entschlackung des Projektes und gewisse Einsparungen durchaus erwünscht wären.

Immer wieder Thema: Die Schulwegsicherheit

Biberist hat vor Jahren entschieden, dass alle Kinder aus der Gemeinde im Zentrum zur Schule gehen sollen. Das zieht nach sich, dass einige Kinder aus den weiter entfernten Quartieren einen Schulweg von rund 2,5 Kilometer Länge haben, den sie teilweise vier Mal pro Tag zurücklegen. Unterstufen-Kinder müssen zudem oft stark befahrene Hauptstrassen oder enge Quartierstrassen queren.

Nun sollen die neuralgischen Schwachstellen und Gefahrenzonen auf dem Schulweg mit einer Studie identifiziert und auf einer Karte dargestellt werden. Damit hätte man ein Basis-Instrument, um das Thema Schulwegsicherheit anzugehen und Massnahmen umzusetzen.

Bringt eine Studie etwas?

«Eigentlich wissen wir doch genau, wo die Hotspots auf dem Schulweg sind», meinte Sabrina Weisskopf. «Würden wir das Geld nicht besser dafür nützen, konkrete Massnahmen umzusetzen, als eine Studie in Auftrag zu geben», fragte sie. «Auch wir zweifeln daran, das eine Studie etwas Neues bringt», meinte Priska Gnägi (CVP).

«Manchmal ist es gut, eine Aussenansicht zu haben», meinte Uriel Kramer (Präsident BWK) dazu. Die Studie koste zudem mit den beantragten 16'000 Franken nicht viel. «Wenn sie uns neue Erkenntnisse bringt, lohnt es sich sowieso». Zusätzlich habe man mit der Studie Grundlagen, die man auch in der Verhandlung mit dem Kanton nützen könne. Denn ein Grossteil der Massnahmen tangiere Kantonsstrassen.

Ab 2022: Neuer Posten im Budget

Kramer erklärte zudem, dass die BWK einen neuen Posten im Budget aufnehmen werde. «Wir eröffnen ein neues Konto mit dem Titel Schulwegsicherheit. Bisher hatten wir nie Geld um Massnahmen umzusetzen. Das wollen wir ändern.»

Auch hier musste der Gemeinderat über diverse Anträge und Varianten abstimmen. Letztlich setzte sich wiederum der ursprüngliche Antrag durch, allerdings mit Stichentscheid durch Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann.