Biberist
Der Lockdown macht erfinderisch: Menüs im Wohnwagen servieren

In Biberist im Gasthof Enge werden Menüs in Wohnmobilen serviert. Das bringt neue Gäste und sorgt für das Einhalten der Corona-Abstandsregelungen. Den Tisch decken, muss man jedoch noch selber.

Hans Peter Schläfli
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Vincent und Catherine aus Bulle lassen se sich in der Enge gut gehen.

Vincent und Catherine aus Bulle lassen se sich in der Enge gut gehen.

Hans Peter Schläfli

Not macht erfinderisch, heisst es. Oder anders gesagt: Lockdown macht erfinderisch. Auf dem Parkplatz des Gasthofs Enge in Biberist lassen sich neuerdings Gourmets in ihren Wohnmobilen verwöhnen. «Wir Camperfahrer sind per Du», sagen Vincent und Catherine aus Bulle zur Begrüssung. In einer Facebook-Gruppe seien sie gestern auf den Gasthof Enge gestossen. «Wir haben uns entschlossen, hier das Menu zu bestellen, einen guten Wein zu trinken und die Nacht zu verbringen», verrät Vincent.

Bestellt haben sie das Kalbsgeschnetzelte, empfangen werden sie vom «Enge»-Team mit einem Weisswein zum Apéro. Mit den weissen Stoffservietten und Blumen müssen sie dann aber ihren Tisch selber decken. So sind die Vorschriften. «In der Coronakrise ist unser Wohnmobil ein wahrer Glücksfall. Wir sind viel unterwegs und können etwas unternehmen, ohne in Konflikt mit den Regeln zu kommen.» Vincent ergänzt: «Es ist zwar nicht ganz dasselbe, im eigenen Wohnmobil bedient zu werden, weil in einem schönen Restaurant natürlich auch die ‹Ambiance› und die anderen Gäste dazugehören. Dafür sind wir ganz für uns alleine.» Vor zwei Jahren hat Markus Krell den beliebten Gasthof Enge vom legendären Wirtepaar Annelies und Fritz Jörg übernommen.

«Wir hatten hier immer um die 80 Mittagessen und plötzlich nichts mehr»,

erklärt er. «Wir haben schon während des ersten Lockdowns mit dem Take-away am Mittag begonnen. An Muttertag und Ostern boten wir erstmals Festtagsmenus an. Seit vor Weihnachten wieder alles geschlossen wurde, bieten wir nun von Montag bis Freitag ein Mittagsmenu an und am Freitag und Samstag à la carte zum Mitnehmen an.»

Zwei Hotelzimmer sind am Freitagabend vermietet und vier Wohnmobile stehen auf dem grossen Parkplatz. Ab und zu fährt ein Auto beim Take-away vor, aber es ist ein ruhiger Abend mit überschaubarem Umsatz. Würde es da nicht besser rentieren, das Restaurant ganz zu schliessen? «Wir werden es sehen, ich habe es nicht ausgerechnet», sagt Markus Krell:

«Wir wollen den Leuten zeigen, dass wir für sie da sind. Das Wohnmobil-Dinner kann ich nur an den Abenden anbieten, an denen wir auch Take-away machen. In
der Küche brauchen wir deshalb nicht mehr Angestellte. Ich halte es nicht aus, zu Untätigkeit verdonnert zu werden, auch wenn am Ende nur ein Bruchteil des Umsatzes herausschaut.»

Das Verhalten der Gäste wird sich verändern

«Jede Krise bietet auch eine Chance», sagt Krell: «Das Wohnmobil-Dinner bringt uns neue Kunden. Wenn diese Kunden zufrieden sind, ist das in der ganzen Schweiz die beste Werbung für unser Restaurant. Nach Corona wir sich das Verhalten der Kundschaft ändern, aber die Selektion wird hart. Das Take-away wird bleiben, aber ich rede hier von Menus, die von den besten Köchen zum Beispiel sous vide zubereitet werden, die man sich dann zu Hause im Steamer wärmt.»

Das Ostermenu ist Schweinefilet-Medaillons an Morchelsauce. Am Karfreitag gibt es in der «Enge» Eglifilets im Bierteig frittiert. In der Region bieten unter anderen auch das Restaurant Grabachern in Selzach und der «Grenchner Hof» in Grenchen Wohnmobil-Dinner an.