Biberist
100 Jahre Pianohaus Billeter: Alte Klaviere sind wieder gefragt

Das Pianohaus Billeter feiert 100 Jahre Bestehen. Die Werkstatt wurde 1921 in Nidau bei Biel gegründet und befindet sich mittlerweile in einer Halle der Papieri Biberist.

Christian Sutter
Merken
Drucken
Teilen
100 Jahre Musik Billeter: Stefan Amstutz (Mitarbeiter), Rolf Billeter und Stefan Billeter (von links).

100 Jahre Musik Billeter: Stefan Amstutz (Mitarbeiter), Rolf Billeter und Stefan Billeter (von links).

Hanspeter Bärtschi

In der Werkstatt steht eine Saitenspinnmaschine aus dem Jahr 1847. Neben mehreren Klavieren sind auch zwei Flügel aufgestellt. Auf Werkbänken liegen Schraubenschlüssel und andere Werkzeuge. Stefan Billeter teilt sich mit dem unabhängig arbeitenden Stefan Amstutz diese Werkstatt. Die beiden Klavierbauer sind zu Beginn dieses Jahres in eine Halle im Areal der ehemaligen «Papieri Biberist» umgezogen und ergänzen sich fachlich vielfältig. Für das Pianohaus Billeter ist es der fünfte Umzug seit der Firmengründung, welche sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt.

Das «Billeter Piano» wurde in Biel geboren

Gegründet wurde das Unternehmen 1921 in Nidau bei Biel von Grossvater Carl Billeter. Bereits zwei Jahre später stellte er an der kantonalen bernischen Ausstellung für Gewerbe und Industrie sein eigenes Fabrikat vor und wurde mit einer silbernen Medaille ausgezeichnet. Das «Billeter Piano» war geboren.

Während der Rezession der dreissiger Jahre zog Carl Billeter 1932 von Nidau nach Zuchwil. 1943 entschloss sich auch sein Sohn Hans Billeter, Klavierbauer zu lernen. Hans Billeter schloss später zudem 1952 als erster Schweizer erfolgreich die Meisterprüfung als Klavierbauer in Ludwigsburg in Deutschland ab. In der Schweiz war dies noch nicht möglich.
Anschliessend übernahm er das Geschäft und führte den Eigenbau von Klavieren der Marke «Billeter» weiter. Dieser wurde 1965 aufgegeben. Heute steht in dritter Generation Stefan Billeter im Geschäft. Sein Bruder Rolf ist ebenso Klavierbauer, führt aber das Musikhaus Billeter geschäftlich getrennt vom Pianohaus.

Gutes Handwerk und Erfahrung ist gefragt

Stefan Billeter und Stefan Amstutz haben sich in der Gegenwart auf Reparaturen, Restaurierungen und Stimmungen spezialisiert. Sie kaufen auch neue Klaviere ein, verfügen aber über keinen Ausstellraum mehr. Trotz der Digitalisierung und dem allgegenwärtigen Elektropiano kommt ihnen eine aktuelle Entwicklung entgegen. Alte akustische Klaviere erleben eine Renaissance. Es sei wieder attraktiv, in alte Instrumente zu investieren, hält Amstutz fest.

In der Werkstatt geht es zu wie in alten Zeiten. Gutes Handwerk und Erfahrung ist gefragt. Die Saitenspinnmaschine von 1847 ist immer noch in Betrieb. Für Klavierstimmungen gelte am Ende das «geübte Ohr», so Stefan Billeter. Man müsse letztlich einfach hören, wann es stimme, bestätigt Rolf Billeter. Er könne heute nicht mehr einfach so Klaviere stimmen, da ihm die Praxis fehle.

Gutes Handwerk war für die Qualität neben dem Material schon immer entscheidend. So geht beispielsweise aus einem Schreiben der Klavierbaufirma Burger und Jacobi vom 20. Juni 1919 an Carl Billeter hervor, dass es ihnen gegenwärtig besonders an guten Kastenmachern und Fournierern fehle. Ob er jemanden empfehlen könne. Der Stundenlohn wird im Schreiben für einen Kastenmacher bei 1.35 bis 1.55 Franken festgelegt, bei Akkordarbeit mehr.

Lange Familientradition wird enden

Obschon das Pianohaus mit Stefan Billeter in die dritte Generation überging, geht die Tradition des Berufes in der Familie noch weiter zurück. Klavierbauer gibt es in der Familie nämlich seit fünf Generationen. Die Vorfahren vor Firmengründer Carl Billeter waren allerdings noch Angestellte bei Musik Hug in Zürich. Mit Stefan und Rolf Billeter nimmt diese Tradition des Klavierbauens in der Familie allerdings ein Ende. Eine sechste Generation ist nicht in Sicht.