Um Haaresbreite hätte der verklemmt-schüchterne, aber dennoch überlegt formulierende Beamte Paul Normann (Roger Bucher) Luise, die unscheinbarste aller weiblichen Wesen, geheiratet. Ja, wenn nicht die selbstbewusste, reizvoll aussehende Annette (Stefanie Frei), Tochter aus reichem Hause und gesegnet mit einem frechen Mundwerk, nach einer Autopanne in die Idylle des Normann’schen Landhauses hereingeplatzt wäre. Ihr als dem «bezaubernden Fräulein» gelang es, ein amüsantes Durcheinander zu veranstalten, an dem der Maler Felix (Fabio de Giacomi) als Pauls Freund seine diebische Freude entfaltete. Da er nämlich davon überzeugt war, dass Paul die Verbindung mit der langweiligen Luise überhaupt nicht guttäte, betrachtete er Annette als Geschenk des Schicksals und manipulierte das weitere Geschehen mit köstlicher List und Tücke.

Dumm nur, dass es sich bei Pauls Chef im Ministerium, der samt Tochter einen vorzeitigen Besuch im Landhaus machte, um Pauls künftigen Schwiegervater (Andreas Hubert) handelt. Der verstand natürlich die pittoreske Nachtgesellschaft, zu der auch Felix’ Freundin Rosette (Melanie Braun) zählt, völlig falsch. Einen dauerhaften Blick auf die schönen weiblichen Beine inmitten der fröhlichen Morgengymnastik konnte er sich aber dennoch nicht verkneifen.

Wegen fehlender Moral kündigte er später dem so pflichtgetreuen Paul die Anstellung, obwohl sein Untergebener die Nacht nicht in Zweisamkeit, sondern einsam in einem Sessel vor dem Haus zugebracht hatte und hier mit dem Song «Ach, Luise, kein Mädchen ist wie diese ...» sich der Wunschvorstellung seiner tanzenden Verlobten (Letizia Jakob) hingab.

Unterhaltsame, pfiffige Dialoge

Entlehnt aus dem Genre komische Oper sind Pauls Köchin Julie (Melanie Gehrig) und der Chauffeur des «Fräuleins» (Peter Bader). Ihre naiv-spitzbübische Art und seine an Wiener Adelskreise erinnernde dienstfertige Haltung vermitteln dem Stück viel munteres Beiwerk und sogar erotisches Knistern. Beide Auftritte erfreuen das Publikum besonders. Denn die vom Komponisten und studierten Germanisten Ralph Benatzky geschriebenen Dialoge sind allesamt spritzig-unterhaltsam und sparen nicht mit kleinen Weisheiten.

Beim angepassten Paul und der unkonventionellen Annette fliegen verbal die Fetzen. «Sie sind die schrecklichste Person, die ich kenne, Sie eigensinniger Gartenzwerg», zürnt er ihr, weil sie sein geordnetes Leben so durcheinanderbringt. Roger Bucher spielt die Figur Paul als kleinlich auftretender Beamter bravourös. Stefanie Frei lebt auf der Bühne eine strahlende Annette, die stimmlich und sprachlich überzeugt. Stets wortreich ist Felix unterwegs, um die Dinge nach seinem Gusto mit «Hokus-Pokus-Fidibus» zurechtzubiegen. Er setzt gesanglich gemeinsam mit der so hübsch anzusehenden Rosette und anderen Solisten klangvolle Akzente. Die gesamte Landhausgesellschaft – verstärkt mit Annettes Vater, einem wohlhabenden Schokoladenfabrikanten (Hermann Gehrig) – tanzt und singt einen rassigen Rumba.

Als verstaubter Ministerialbeamter singt Andreas Hubert zwar nicht, aber er karikiert diese Personalie in Sprache und Gestik auf groteske Weise. Der verführerische Tango, der schliesslich das überraschend erwachte Liebesfeuer zwischen Paul und Annette ausdrücken soll, spiegelt zwar die entflammende Leidenschaft. Doch noch zögert Paul. Erst, als Annette droht, auf die Westsalamanen zur Rettung seltener Blauschwanzamazonen auszuwandern, begreift er endlich sein Lebensglück und hält sie fest.

Feurig aufspielendes Orchester

Das vor Wetterunbill geschützte und feurig aufspielende Orchester unter dem Dirigat von Reimar Walthert ist exzellent in der Lage, Operettenmelodien und die zum Kompositionszeitpunkt Anfang der Dreissigerjahre begeisternd neuen, jazzartigen Rhythmen zu kombinieren. Hier zuzuhören, ist wahrhaft genussvoll.

Die Formung der Rollen und die gesamte Anlage des pulsierenden Stücks, dessen Regie Melanie Gehrig verantwortet, gelingt stimmig und dynamisch mit vielen zum Lachen reizenden Gestaltungseinfällen. Beleuchtung und akustische Verstärkung liegen in den Händen von Daniel Trutt. Als Kraftort überträgt sich auf alle Anwesenden die Lage der Bühne unter einem mächtigen Baum am Waldrand in Oekingen. Am Ende des Stücks sah sich das reich applaudierende Publikum glücklich darin bestätigt, dass es neben dem grassierenden Fussball doch noch erfreulich andere Dinge gibt wie etwa diese heitere musikalische Komödie.

Aufführungen jeweils um 20.30 Uhr, am heutigen Sonntag, 19. 6., am 21./23./24./25. Juni und als mögliche Zusatzvorstellung am 27. Juni. Kartenbestellung online unter burgaeschi.ch