Derendingen
«Bewohner halten immer zusammen»: Im «Elsässli» wird das Beste mit den Altlasten gemacht

Im Derendinger Quartier «Elsässli» werden in diesem Jahr mehrere der 28 mit Teerplatten kontaminierten Gärten saniert. 40'000 bis 80'000 Franken müssen dafür pro Garten gerechnet werden.

Rahel Meier
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Auch nach der Sanierung sollen sich die Gärten in einem ähnlichen Rahmen wie heute zeigen.

Auch nach der Sanierung sollen sich die Gärten in einem ähnlichen Rahmen wie heute zeigen.

Hanspeter Bärtschi

Zwei der mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belasteten Gärten im «Elsässli» sind bereits saniert. Die Sanierung eines dritten Gartens ist in der Endphase. Weitere fünf Gartenbesitzer haben eine gültige Baubewilligung und starten mit den Arbeiten voraussichtlich noch in diesem Jahr. Einer, der eine solche Baubewilligung hat, ist Hansruedi Meyer. Jahrelang hat er als Präsident der IG Elsässli und auch als grüner Politiker für eine Entschädigung für die Bewohnerinnen und Bewohner des «Elsässli» gekämpft. Und er zeigt sich nun versöhnlich.

An der Gemeindeversammlung im letzten Dezember wurde ein Kredit von einer halben Mio. Franken genehmigt, der den Gartenbesitzern im «Elsässli» zugutekommen soll. «Dass der Kredit ohne Gegenstimme durchging, hat mich gefreut», so Meyer. Dass der Betrag so akzeptiert wurde, haben die «Elsässli»-Bewohner auch Gemeindepräsident Kuno Tschumi zu verdanken, der sich für eine faire Lösung eingesetzt hat.

23 der 28 Grundstücksbesitzer, drei Grundstücke sind immer noch im Besitz der Gemeinde, haben einen Vergleich mit der Gemeinde unterschrieben. Dieser bildet die Grundlage für die Auszahlung des Gemeindebeitrages.

Gemeinde übernimmt Transport

Wer seinen Garten von den problematischen PAK befreien will, muss mit Kosten von 40'000 bis 80'000 Franken rechnen. Zu Buche schlägt, dass je nach Belastung bis zu 40 Zentimeter des Bodens abgetragen und speziell entsorgt werden müssen. Genau diese Kosten werden mit dem Betrag der Gemeinde gedeckt. Sie übernimmt die Kosten des Transports des belasteten Erdreichs in die entsprechende Deponie, sowie die Deponie- beziehungsweise Verbrennungskosten. «Das ist rund ein Drittel der Ausgaben, die für uns entstehen», so Meyer.

Hansruedi Meyer würdigt die finanzielle Unterstützung der Gemeinde für die Sanierung der Gärten im Elsässli. Archiv

Hansruedi Meyer würdigt die finanzielle Unterstützung der Gemeinde für die Sanierung der Gärten im Elsässli. Archiv

Hansjörg Sahli

Er hatte dafür gekämpft, dass auch der Kanton ein Drittel an die Sanierung bezahlt, die er verfügt hat. Aber der Kanton habe sich, wie es Meyer sagt, «aus der Verantwortung gezogen». Das enttäusche ihn auch heute noch. Nur gerade die Abteilung Denkmalschutz zahle einen Betrag an die Sanierung. Die Gärten stehen unter Denkmalschutz und alle diejenigen, die sich an die Richtlinien halten, können mit einem Beitrag 5000 Franken rechnen.

Die Gemeinde hat zudem bereits vorgängig die Kosten für weitere Messungen der Belastung in den Gärten bezahlt. Von Anfang an haben sowohl die Bewohner als auch die Gemeindebehörden erklärt, dass es nicht rechtens sei, dass alle Gärten vom Amt für Umwelt gleich behandelt werden, obwohl die Belastung lange nicht in allen Gärten gleich hoch ist. «Mit den Nachmessungen wurde nun der Beweis für diese These erbracht. Zudem wurde damit die Grundlage für das Baugesuch gelegt, das für die Sanierung eingereicht werden muss. «Es ging wirklich erstaunlich schnell», so Meyer. Er habe jegliche Hilfe erhalten, die nötig war, um das doch eher komplexe Sanierungsgesuch abzugeben.

Dieser Garten wurde 2010 als erster untersucht und die Belastung festgestellt
24 Bilder
Teerplatten und Teerbrocken von blossen Auge sichtbar
Der Garten von Familie Blanchat kurz vor der Sanierung
Der Garten von Familie Blanchat kurz vor der Sanierung
Start der Sanierungsarbeiten, der Bagger setzt zur Arbeit an
Kritischer Blick, sind es 25 Zentimeter, die abgetragen werden
Kontrolle der Erdschicht durch den Geologen
Das geübte Auge entdeckt die Teerstückchen sofort
Ein Teerstückchen
Der Bagger kommt schnell vorwärts
Schon bald ist genug Erde abgetragen, damit sie per Lastwagen entsorgt werden kann
40 Zentimeter sind abgetragen
40 Zentimeter sind abgetragen
Die Sträucher wurden ausgegraben und sollen wieder eingepflanzt werden
Die Rhabarberpflanzen wurden auch ausgegraben
Die Gartenplatten sind nummeriert, nach der Sanierung werden sie wieder ausgelegt
Auch die Tulpenknollen werden wieder eingepflanzt
Der alte Kirschbaum bleibt im Garten stehen
Ein Lastwagen voll neuer Erde, direkt vom Aushub für einen Gewerbebau in Subingen
Ein Lastwagen voll neuer Erde, direkt vom Aushub für einen Gewerbebau in Subingen
Ein Lastwagen voll neuer Erde, direkt vom Aushub für einen Gewerbebau in Subingen
Die neue frische Erde wird im Garten verteilt
Der Platz für den Sandkasten wird gleich ausgespart
Gartensanierung im Derendinger Elsässli

Dieser Garten wurde 2010 als erster untersucht und die Belastung festgestellt

Rahel Meier

Gartenleitbild

Nicht alle hätten die gleichen Bedürfnisse bei der Gartensanierung. Wer kleine Kinder hat, der saniere in der Regel grossflächiger. «Wir hingegen versuchen, so viele der Bäume zu behalten, wie möglich», meint Hansruedi Meyer. Da der Garten einen grossen Teil der Wohnqualität des Quartiers ausmacht, haben viele klare Ideen, wie ihr Garten gestaltet werden soll und sie legen auch gerne selbst Hand an.

Auch nach der Sanierung sollen sich die Gärten in einem ähnlichen Rahmen wie heute zeigen. Dabei helfe das Gartenleitbild, das mit Unterstützung des schweizerischen Heimatschutzes erstellt wurde. Die Verantwortlichen der Denkmalpflege würden sich die Sanierung jeweils auch vor Ort ansehen. Das Amt für Umwelt beurteile das Baugesuch aber nur auf schriftlichem Weg. «Die Arbeiten müssen allerdings von einem Bodenschutzfachmann begleitet werden. So ist gewährleistet, dass alle bedenklichen Stoffe entfernt werden.»

«Für mich ist es sehr schön, dass wir Quartierbewohner während dieser langen Zeit immer zusammengehalten haben. Wir reden noch miteinander und wir haben immer noch die gleich guten freundschaftlich-nachbarlichen Beziehungen», so Meyer. Die Vergangenheit werde abgehakt und die meisten würden nun in die Zukunft sehen.

Das Elsässli

Teerplatten vom Dach der Kammgarnspinnerei in den Gärten

Die Arbeitersiedlung Elsässli wurde zwischen 1880 und 1921 durch die Kammgarnspinnerei Derendingen erstellt. 1988 wurden die Häuser von der Gemeinde erworben und im Jahr 1992 wurde die Siedlung mit einem Gestaltungsplan unter Denkmalschutz gestellt. Unter Schutz stehen im Speziellen auch die grossen Gärten der Häuser, die in der heutigen Art erhalten werden müssen.

Um 1950 wurden Wege und Plätze im «Elsässli» mit Teerplatten befestigt. Diese kamen vom Dach der Kammgarnspinnerei und wurden gratis an die Arbeiter der Firma verteilt. Ende Mai 2011 wurde bekannt, dass die Böden der Gärten stark belastet sind. Vor allem die Belastung durch organische Schadstoffe PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) ist problematisch. Schuld daran sind die Teerplatten in den Gärten.

Weil die Konzentration so hoch ist, dass sie als gesundheitsgefährdend betrachtet wird, haben die kantonalen Fachstellen Nutzungseinschränkungen verhängt. Zusätzlich wurde ein Eintrag im Grundbuch verfügt. Die Böden sind aber nicht als Altlast eingestuft. Ihre Nutzung und Sanierung wird nach den Vorgaben der VBBo (Verordnung über Belastungen des Bodens) gehandhabt. Der Abtrag der obersten Schicht des Bodens ist die einzige Massnahme, mit der die Gärten saniert werden können. Die Kosten dafür belaufen sich auf 40'000 bis 80'000 Franken pro einzelne Parzelle.

Der Heimatschutz hat mitgeholfen, ein Leitbild für die Bewohner des «Elsässli» zu erarbeiten. Dieses listet die vorhandenen Qualitäten der denkmalgeschützten Siedlung und der 28 Gärten auf und zeigt, wie die zukünftige Bepflanzung nach der Sanierung der Böden aussehen könnte. Das Ziel ist, dass die Gärten auch künftig ihren Charakter behalten und nicht uniformiert daherkommen. Aufgelistet wird zudem, welche Bauwerke in den Gärten erlaubt und welche Pflanzen erwünscht sind. Dieses Leitbild nimmt die Denkmalpflege als Grundlage, wenn es darum geht, den Beitrag von 5000 Franken nach der Sanierung auszuzahlen. (rm)