Niederwil

«Betrügerisches» Architekturbüro fühlt sich selbst betrogen

Luigi Prete besuchte oft Formel-1-Rennen. An der Wand in seinem Keller sind unzählige Fotos mit Rennfahrern und Prominenten angebracht.

Luigi Prete besuchte oft Formel-1-Rennen. An der Wand in seinem Keller sind unzählige Fotos mit Rennfahrern und Prominenten angebracht.

Der Niederwiler Luigi Prete und seine Frau führen seit Jahren einen erbitterten Streit mit einer Grenchner Firma und den Gerichten. Es geht um viel Geld für Architekturleistungen, die Prete nicht in Auftrag gegeben haben will.

Bis vor wenigen Jahren führten Luigi Prete und seine Frau ein sorgenfreies Leben. In seiner Garage im 2008 erstellten Neubau in Niederwil hängen grossformatige Fotos an der Wand. Abgebildet ist Ferrari-Fan Luigi Prete mit Flavio Briatore, mit Jean Alesi, mit René Arnoux oder mit Brigitte Nielsen und Dutzende weitere Aufnahmen mit Formel-1-Grössen oder Prominenten.

Er selber besass mehrere Ferraris. Den letzten verkaufte er 2012. «Weit unter dem Preis», sagt er. «Ich musste.» Sein Geld machte er mit Fugen kitten. «Zeitweise hatte ich sieben Angestellte.» Heute hat seine Frau mit einer schweren Erkrankung zu kämpfen. Er selber bekam Probleme mit seinen Knochen und ist IV-Bezüger. Was ihn aber wirklich fertig mache, ist der Streit mit einer Grenchner Firma und die aus seiner Sicht ungenügende Behandlung seines Falles durch die Gerichte.

«Betrügerische Absicht»

Es war im 2007: Luigi Prete und seine Frau träumen von einem eigenen Haus und werden fündig. Ein Haus, wie sie es in Balm gesehen haben, soll es sein. Ein Musterhaus, gebaut von einer bernischen Firma. Zur Sicherheit holt er für sein Wunschhaus eine Zweitofferte ein. Dabei gerät er an eine – aus seiner Sicht betrügerische – Grenchner Firma, das ihn in einen jahrelangen Rechtsstreit zieht.

Luigi Prete und seine Frau sind Mieter im Lochzelgli in Luterbach. Vermieterin ist besagte Grenchner Firma, für welche er auch immer wieder Arbeiten ausführen darf, aber mit der er ebenso oft Zahlungsprobleme hat. Der Geschäftsführer der Grenchner Firma ist sein Nachbar.

Dieser erfährt vom geplanten Bau und bittet, ebenfalls offerieren zu dürfen. Prete willigt ein, ohne aber die Absicht zu haben, mit diesem Architekturbüro zu bauen, so Prete. Er habe darauf vertraut, dass die Erstellung der Offerte kostenlos ist, wie das die Firma noch bis vor kurzem auf ihrer Internetseite verspricht.

Leichtsinnig unterschrieben

«Er könne das ebenso günstig wie die bernische Firma bauen, hat mir später der Geschäftsführer gesagt», berichtet Luigi Prete. Die Zweitofferte lässt aber auf sich warten. Die Zeit wurde langsam knapp. Eines Tages besuchte der Geschäftsführer in Abwesenheit von Luigi Prete, wie dieser erklärt, dessen Frau mit einer fertigen Baugesuchsmappe.

Er schaffte es, dass Luigi Pretes Frau das Baugesuch unterschreibt, unter dem Vorwand, es koste nichts, wie ihrer Internetseite zu entnehmen sei, und falls sie mit seiner Firma bauen, können sie um so eher anfangen. Als Luigi Prete das vernahm, ging er noch am folgenden Tag auf die Bauverwaltung des seinerzeit noch selbstständigen Niederwil und liess das Baugesuch annullieren.

«Er hat aufgrund meiner Angaben und Plänen der anderen Firma, die ich aushändigte, selber Pläne zeichnen lassen und ist auf betrügerische Art zur Unterschrift meiner Frau auf dem Baugesuchsformular gekommen», berichtet Luigi Prete. Damals, 2007, wollte er deshalb reinen Tisch machen. Er forderte das ihm geschuldete Geld in der Höhe von 16 800 Franken für geleistete Fugenarbeiten von der Grenchner Firma zurück.

Honorar zweimal eingefordert

Im Januar 2008 kommt es zu einer Verhandlung vor dem Richteramt. Luigi Prete ist baff, wie er angibt, als er im Gericht mit einer Forderung des Architekturbüros über beinahe 35 000 Franken für Architekturkosten konfrontiert wird. Auf Anraten des Richters, welcher ihn vor der Verhandlung beiseitezieht, willigt er auf einen Vergleich ein. «Der Richter sagte, da sei nichts zu machen.»

Luigi Pretes Bauabdichtungen GmbH und das Architekturbüro verzichten auf ihre Forderungen. «Ich wollte einfach mit diesem Büro, deren Eigentümern und diesem Streit nichts mehr zu tun haben», begründet Luigi Prete sein Einlenken. «Damals ging es mir finanziell noch gut, der Verlust erschien mir verkraftbar.»

Aber es kommt noch dicker. Nur wenige Tage nach dem Vergleich fordert die Firma von Luigi Pretes Frau erneut ein Architekturhonorar über diese 35 000 Franken ein. «Sie wollten nochmals Geld für die gleiche von uns in Abrede gestellte Leistung. Diesmal von meiner Frau. Sie hatte ja seinerzeit das Baugesuch unterschrieben.»

Luigi Prete und sein jetzt zugezogener Rechtsvertreter gingen guten Mutes zwei Jahre später in die Gerichtsverhandlung vor dem Richteramt Bucheggberg-Wasseramt. Vorgelegt werden von der Gegenpartei das Baugesuch, das von seiner Frau unterzeichnet wurde. Luigi Prete kann seine schwer erkrankte Frau nicht vertreten, er darf nur als Zuhörer anwesend sein. 

Sein Einwand, er habe bereits – aus seiner Sicht ungerechtfertigterweise – mit dem Vergleich 2008 bezahlt, wird gekontert, dass seinerzeit seine Firma, jetzt aber seine Frau Beklagte seien.

Der Vergleich wird zwar zu den Akten genommen, aber nicht berücksichtigt. Der Richter verurteilte die Frau von Luigi Prete zur Zahlung des von der Grenchner Firma verlangten Honorars. Deren Unterschrift auf dem Baugesuch sei einer Auftragsvergabe gleichzusetzen.

Juristisch korrekt

Auf Nachfrage beim seinerzeitigen Richter bestätigt dieser, dass beim Vergleich mit der Bauabdichtungen GmbH die Identität fehlt. Zudem sei der Rückzug eines Zahlungsbefehls oder einer Betreibung kein Forderungsverzicht, sondern nur der Verzicht auf die Weiterverfolgung einer Forderung im bestimmten Betreibungsverfahren. Konkret hat Luigi Prete im Vergleich auf seine Forderungen verzichtet und den Zahlungsbefehl zurückgezogen.

Die Gegenpartei hat den Zahlungsbefehl ebenfalls zurückgezogen, aber nicht ausdrücklich auf die Forderung verzichtet. Diesen Fehler bemerkte Luigi Prete, damals überrascht und ohne Rechtsvertretung agierend, laut seiner Aussage nicht. Der damalige Richter, heute im Ruhestand, der ihn zum Vergleich gedrängt habe, habe ihn nicht auf diesen Fehler hingewiesen.

Luigi Prete wechselte seinen Rechtsvertreter. Der neue Anwalt beschied Prete, dass ein Weiterzug ans Obergericht chancenlos sei. Seither zahlt die Familie Prete ein zweites Mal ein Honorar für Architekturleistungen, die sie laut eigener Aussage nicht in Auftrag gab. Die Zweitofferte hat die Familie bisher inklusive Anwaltskosten über 100 000 Franken gekostet.

Im letzten Jahr nahm Luigi Prete erneut einen Anlauf und wollte Strafanzeige gegen die Grenchner Firma einreichen. Er erhielt den Bescheid, dass diese Anzeige «nicht an die Hand genommen» wird. Es gebe keine Hinweise auf einen Prozessbetrug. Es sei aber möglich, dass der Anzeiger, als Luigi Prete, den Vergleich aus dem Jahr 2008 falsch interpretiere.

Schwer enttäuscht

Luigi Prete und seine Frau zeigen sich schwer enttäuscht von der Solothurner Justiz. «Wegen dieser Firma und wegen Richtern, die ihre Arbeit nicht machen, werden meiner Frau, die MS hat, seit 8 Jahren alle Einkünfte und sogar ihre Pensionsrente gepfändet.»

Der grösste Wunsch der beiden ist es, den Prozess nochmals aufzurollen, damit ihre Beweise zum Vorgehen der Firma endlich gewürdigt werden.

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