Vor zehn Jahren ergriff die Stiftung Schloss Buchegg die Initiative, den für den Bucheggberg wichtigen Nachlass von Bezirkshistoriker Peter Lätt mit professioneller Hilfe zu sichten und in ein Archiv zu übernehmen, das in der ehemaligen Poststelle Lüterswil eingerichtet wurde. Dazu half laut Stiftungspräsident Robert Flückiger ein finanzieller Anschub durch den Solothurner Lotteriefonds. Betreut wird das Archiv seither ehrenamtlich von Martin Schoch und Hans-Ruedi Wüthrich. Schoch ist zuständig für Bewahrung und Ausbau der historischen Sammlung, die sich durch private Nachlässe erweitert. «Es geht leider zu viel verloren, und dieses historische Erbe wird für die nächsten Generationen wichtig», betonte er am Besuchstag im Archiv vor Delegierten aus Bürger- und Einwohnergemeinden des Bezirks.

Schoch griff für sein Publikum mancherlei Perle aus dem in einem modernen Rollarchiv untergebrachten Sammlungsmaterial. Ein in Lüterswil aufgefundenes Gebetbuch aus dem Jahr 1797 etwa, ein weiteres 1804 liebevoll gestaltetes Büchlein mit geistlichen Liedern, unterschiedlichste und wertvolle Trouvaillen wie handschriftliche Leitfäden und die Publikationen von Pfarrer Kocher sowie ergiebige Quellen zur Geschichte der Reformation im Bucheggberg. Ergänzt ist sie durch ein schon von Peter Lätt erworbenes Prachtwerk zum Wyniger Vertrag von 1667, der nach längeren Auseinandersetzungen auf Geheiss der Eidgenössischen Tagsatzung die rechtliche Lage des Bezirks zwischen Solothurn und Bern festschrieb. Aufmerksamkeit erhielten weitere, zum Teil gesiegelte Dokumente wie Handschriften, Karten, Bilder und Bücher, die auch die Geschichte der Bucheggberger Kooperationen enthalten. Alle Materialien sind ebenso wie die 12'000 digitalisierten Fotos katalogisiert.

Geschichte hört nicht auf

«Wir wollen mit unserem Archiv ermöglichen, dass das gesellschaftliche, soziale und wirtschaftliche Leben hier bei uns im Bezirk weiterhin dokumentiert wird, damit Interessierte es auch in hundert Jahren nachzeichnen können. Denn: Geschichte hört nie auf», unterstrich Hans-Ruedi Wüthrich, der über ein wachsames Auge für politische und weitere prägende Vorgänge in der Weiterentwicklung der bucheggbergischen Dörfer und Institutionen verfügt. Mit aktuellen Texten beteiligt er sich am Aufbau des Archivs, das sich durchgängig einer einheitlichen Systematik bedient. Ulrich Stebler dankte als Archiv-Beauftragter der Stiftung Schloss Buchegg abschliessend den Bürgergemeinden. Mit ihren jährlichen, nach ihrer jeweiligen Finanzkraft bemessenen Mietkosten-Beiträgen legen sie den Grundstein zum Archiv und dessen, wie er festhielt, «von Enthusiasmus begleiteten Betrieb».