Lüsslingen

Besuchsdienst für die Gemeinschaft: Das Echo ist positiv

Kirche Lüsslingen

Die Lüsslinger Kirche symbolisiert Gemeinschaft, neu mit einem Besuchsdienst.

Kirche Lüsslingen

Die reformierte Kirche von Lüsslingen organisiert Besuche bei einsamen Menschen. Das Ziel: Senioren, verwitwete, kranke und behinderte Menschen regelmässig zu besuchen und neue Kontakte zu knüpfen.

Unter dem Dach der reformierten Kirchgemeinde Lüsslingen wurde im letzten Jahr in den Gemeinden Lüterkofen-Ichertswil und Lüsslingen-Nennigkofen ein Besuchsdienst aufgebaut, der zurzeit umgesetzt wird. Ziel ist es, Senioren, verwitwete oder alleinstehende Personen, Menschen, die körperlich eingeschränkt, wenig mobil, krank oder pflegebedürftig sind, regelmässig zu besuchen.

Pfarrerin Tabea Glauser, die seit November 2014 im Amt ist, kennt dieses Angebot von ihrem Vikariat her. «Der Besuchsdienst gehört zum diakonischen Auftrag der Kirche», meinte zudem Kirchgemeindepräsidentin Irene Isch-Hofer.

Besuche machen heisst, mit Menschen Gespräche führen, diskutieren, plaudern, einen gemeinsamen Spaziergang oder Ausflug machen, einen Film gemeinsam anschauen, spielen, singen oder sich etwas vorlesen lassen. «Die Menschen, die sich einen Besuch wünschen, haben verschiedene Bedürfnisse», so Tabea Glauser.

Auf freiwilliger Basis

Der Besuchsdienst ist ein Freiwilligenprojekt. Die Besuchenden erhalten keinen Lohn, ihre Spesen werden jedoch entschädigt. Deshalb sollen sie auch nicht über Gebühr belastet werden. «Wer sich meldet, darf uns sagen, wie häufig sie oder er Besuche machen möchte oder kann.» Mehr als vier Mal pro Monat sollte es nicht sein.

Die Besuchenden müssen zudem nicht zur reformierten Kirchgemeinde Lüsslingen gehören. Dasselbe gilt für diejenigen, die sich Besuche wünschen. Über das neue Angebot wurde trotzdem zuerst im Kirchenblatt und in den Gottesdiensten informiert. Schon bald war absehbar, dass sich genügend Freiwillige aus den beiden Gemeinden Lüsslingen-Nennigkofen und Lüterkofen-Ichertswil, die zur Kirchgemeinde gehören, finden lassen, um den Besuchsdienst zu starten.

Auch wenn die Arbeit freiwillig ist: Die Besuchenden haben gewisse Pflichten. Schweigepflicht beispielsweise. Sie haben aber auch Rechte. So dürfen sie Weiterbildungskurse auf Kosten der Kirchgemeinde besuchen und sind während ihrer Tätigkeit haftpflichtversichert.

Es ist vorgesehen, dass sich die Besuchenden zwei Mal pro Jahr treffen und sich über ihre Tätigkeit austauschen.

Start im Januar

Fremde Menschen zu besuchen, braucht auch etwas Mut. Deshalb haben Irene Isch, Marianne Wattinger und Lilli Flury schon vorgängig eine Einführung in den Besuchsdienst der reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn besucht und sich informieren lassen. «Dabei haben wir unter anderem gelernt, wie man an die Leute herangeht. Gute Ratschläge sind am Anfang der Besuche sehr wertvoll», so Irene Isch.

Gleichzeitig hat Tabea Glauser Abklärungen getroffen, welche Personen besucht werden sollen. So kam man als Erstes dazu, dass Geburtstagsbesuche bei den Mitgliedern der Kirchgemeinde bei hohen Geburtstagen zum Standard werden sollen. Dazu besuche man auch Menschen in den Alters- und Pflegeheimen und natürlich diejenigen, die sich gemeldet haben, um zu Hause besucht zu werden.

Im Januar hat man den Besuchsdienst gestartet. «Das Echo ist positiv», erklärt Irene Isch. Bereits habe man neue Leute rekrutieren können, die sich zur Verfügung stellen, um Besuche zu machen. Marianne Wattinger hat beim Aufbau des Projektes mitgeholfen und macht jetzt selbst Besuche.

«Ich finde es bereichernd, anderen Menschen Zeit zu schenken», erklärt sie ihre Motivation. Es gebe heute immer mehr einsame Menschen. Da hakt Irene Isch ein: In Lüsslingen-Nennigkofen spüre man, dass ein Treffpunkt fehle. «Wir haben keinen Dorfladen mehr und nur noch ein Restaurant, sowie ein Café.» Der Besuchsdienst sei deshalb ein gutes Mittel, um Kontakt mit anderen Menschen zu knüpfen.

Kirche ist Gemeinschaft

Für Tabea Glauser ist die Kirche mehr als nur der Besuch der Gottesdienste. Kirche sei Gemeinschaft. Und gerade mit dem Besuchsdienst fördere man diese Gemeinschaft. Dabei spiele es keine Rolle, ob man schon im Dorf aufgewachsen sei und viele Einwohnerinnen und Einwohner kennt, oder ob man später zugezogen und etwas weniger integriert ist.

Die katholische Kirche zeige in der Zwischenzeit ebenfalls Interesse am Projekt, freut sich Irene Isch. Zudem sei man daran, sich mit der Spitex und weiteren Institutionen zu vernetzen und das Angebot auch dort bekannt zu machen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1