Messen

«Bestand ist extrem gesunken» – Warum sich Ex-Regierungsrat Christian Wanner für die Simmentaler Kuh einsetzt

V. l. n. r.: Johann von Grünigen, Landwirt; Christian Wanner, Präsident des Vereins; Lorenz Wyss, CEO Bell; Roland Frefel, Frischprodukte Coop; Skistar Mike von Grünigen; Nathalie von Siebenthal, Profi-Langläuferin.

Der ehemalige Solothurner Regierungsrat Christian Wanner ist Präsident des neuen Vereins «Original Simmentaler». Warum er sich für die Schweizer Kuhrasse einsetzt.

Dem ehemaligen Nationalrat, Solothurner Regierungsrat und Landwirt Christian Wanner liegen die Simmentaler Kühe am Herzen. Auch bei ihm im Stall im solothurnischen Messen sind vorwiegend die hellbraun-weiss gefleckten Wiederkäuer zu finden.

Nun gründeten Bauern, Coop und die Fleischverarbeiterin Bell den Verein «Original Simmentaler». Dies wurde am Samstag in Gstaad pompös und dennoch urchig gefeiert: Die Gäste konnten die mit Blumen geschmückten Simmentaler Kühe beim Alpabzug bestaunen, während die Vereinsgründer Sinn und Zweck der Gründung kundtaten.

Christian Wanner setzt sich aber nicht nur aus Eigeninteresse für die Kuhrasse ein. «Der Bestand der Simmentaler Kühe in der Schweiz ist extrem gesunken», sagt er. Und dies, obwohl die Rasse die Basis für eine nachhaltige Fleisch- und Milchproduktion in der Schweiz sei. Nicht alle Kuhrassen sind Wanner zufolge für die Futter- und Klimabedingungen der Schweiz gemacht. «Die Simmentaler Kuh ist robust und kann Raufutter gut verwerten», sagt er.

Sie brauche also viel weniger aus dem Ausland importiertes Kraftfutter als Rassen, welche darauf gezüchtet wurden, möglichst viel Milch oder Fleisch zu produzieren. Die Simmentaler Kuh sei ein sogenanntes Zweinutzungstier: Sie ist sowohl für die Milch- als auch für die Fleischproduktion geeignet. Die Förderung von entweder auf Milch oder Fleisch spezialisierte Rassen habe die Simmentaler Kuh verdrängt. War 1946 noch jede zweite Kuh auf den Schweizer Wiesen eine hellbraun-weiss gefleckte, ist es heute nur noch knapp jede zwanzigste.

Bis 2030 Bestand verdoppeln

Diese Umstände will der Verein «Original Simmentaler» nun ändern und steckt gleich zu Beginn hohe Ziele. «Wir wollen den Bestand der Kühe bis 2030 verdoppeln», so Christian Wanner. Dieses Ziel will der Verein damit erreichen, indem er Bauern sensibilisiert und dazu animiert, die einheimische Rasse zu fördern. Der Verein hat sich zudem zum Ziel gemacht, das Fleisch und die Milch der Simmentaler Kühe besser zu vermarkten.

Aus diesem Interesse seien auch der Fleischverarbeiter Bell und Coop Mitgründer des Vereins. «Fleisch und Milch von Simmentaler Kühen sind Schweizer Urprodukte aus nachhaltiger Produktion», so Wanner. Doch wird das blosse Animieren ausreichen, um den Bestand in der Schweiz derart zu erhöhen? «Die Konzepte für die Vermarktung von Simmentaler Produkten werden in den kommenden Monaten durch den neuen Verein in Zusammenarbeit mit Coop und Bell erarbeitet», so Wanner. Das Wichtigste sei, die Öffentlichkeit auf die Problematik aufmerksam zu machen, neue Absatzwege zu definieren und den Bauern Wertschätzung entgegenzubringen.

Der neu gegründete Verein «Original Simmentaler» habe nichts mit dem 1890 gegründeten «Schweizerischen Simmentaler Fleckviehzuchtverband» zu tun. Während sich der 128-jährige Verein auf die Zucht konzentriert, liegt der Schwerpunkt des neu gegründeten Vereins auf der Vermarktung der Simmentaler Milch- und Fleischprodukte. «Wir sind aber keine Konkurrenten. Im Gegenteil: Die beiden Vereine spannen zusammen und ergänzen sich.»

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