«Alle können dir durch die Plexiglasscheibe zusehen, und es war so furchtbar heiss dahinter.» Wenn Rahel Pomaro von ihren Erlebnissen an den Berufsschweizermeisterschaften spricht, ist es, als würde sie alles noch ein zweites Mal erleben. «Die Zeit war so knapp, ich fragte mich immer wieder: Schaffe ich es überhaupt, das alles fertig zu machen?»

Auf die Meisterschaften wurde Rahel Pomaro durch Werbung im ÜK (Überbetrieblicher Kurs) aufmerksam. «Wieso nicht?», dachte sie sich und schickte ihre Bewerbung für die Regionalauswahlen ein.

Da Rahel als einzige Solothurnerin an die Regionalauswahlen zugelassen wurde, bestritt sie diese mit dem Kanton Aargau. Sie klassierte sich genügend weit vorn und löste damit das Ticket an die nationalen Berufsmeisterschaften.

Ungewohnte Situation

Das Team der Spitex Aare Nord reiste mit dem Car nach St. Gallen, um Rahel Pomaro tatkräftig zu unterstützen. «Wir sind furchtbar stolz auf sie. Unter den stressigen Bedingungen waren die Aufgaben extrem schwierig und Rahel hat sehr viel geleistet», sagt Mili Marti, Geschäftsleiterin der Spitex Aare Nord.

Die Kandidatinnen mussten während zweier Stunden in einer fiktiven Pflegesituation ihre Kompetenzen beweisen. Jede Teilnehmerin betreute zwei Patienten in einem Stationszimmer, die je ein Krankheitsbild mimten. Dabei beobachteten zwei Experten die Kandidatinnen dauernd, bewerteten, wie sie mit der Situation umgingen, ob sie kommunikativ und einfühlsam waren.

Rahel Pomaro klassierte sich zusammen mit 16 anderen Teilnehmerinnen auf dem vierten Platz, nur die ersten drei wurden rangiert. «Ich habe noch viel Potenzial, es wäre mehr machbar gewesen» sagt Rahel Pomaro. «Die Pflegerinnen der Spitex haben einen kleinen Nachteil», findet Mili Marti.

«In der Spitex betreuen wir nur einen Patienten auf einmal. Mehrere gleichzeitig zu pflegen, sind wir nicht gewohnt.» Die Wettkampfsituation sei deshalb
eher auf Spitalangestellte zugeschnitten gewesen.

Für Rahel Pomaro war es ein rundum gutes und lehrreiches Erlebnis. Zur Vorbereitung ging sie drei Tage in die «fremde» Spitex Bucheggberg und besuchte mehrere von der OdA Santé organisierte Vorbereitungstage in Brugg. «Ich habe extrem viel gelernt und repetiert.

Manche Dinge hört man nur einmal in der Schule und vergisst sie dann wieder: All dies habe ich wieder aufgefrischt», erzählt Rahel Pomaro. Natürlich seien auch die Schweizermeisterschaften selbst unvergesslich. «Es war ein riesiger Anlass, mit integrierter Berufsmesse und sehr vielen Besuchern.»

Ob sie noch einmal an den Schweizermeisterschaften teilnimmt, weiss sie nicht. Zuerst konzentriert sie sich nun auf ihr Studium zur diplomierten Pflegefachfrau HF an der Höheren Fachschule in Olten.

Die Spitex Aare Nord verlegt im Frühling 2017 ihren Stützpunkt von Rüttenen nach Selzach. «Die Hälfte der Pflegestundeneinsätze machen wir schon jetzt von Selzach aus. Ausserdem haben unsere Angestellten von dort aus weniger Wegstrecke zu den meisten Patienten», erklärt Mili Marti.

Das Gebiet ist gross und verzettelt. Pflegerinnen ohne Führerschein fahren mit dem E-Bike zu den Patienten. «Ich flitze gerne mit dem E-Bike durch die Gegend, das hält mich fit. Nur bei Regen ist es etwas weniger toll», sagt Rahel Pomaro und schmunzelt.