Biberist

Beratungsstunden stiegen in der Schulsozialarbeit um 40 Prozent

Schulsozialarbeiter Michele Foglia erklärt, wie die Friedensbrücke beim Schulhaus Bleichenmatt in Biberist funktioniert.

Schulsozialarbeiter Michele Foglia erklärt, wie die Friedensbrücke beim Schulhaus Bleichenmatt in Biberist funktioniert.

Biberists Schulsozialarbeiter Michele Foglia stellt den Rechenschaftsbericht vor.

Die Arbeit geht Schulsozialarbeiter Michele Foglia an den Schulen Biberist nicht aus. Im Gegenteil, die Statistik zeigt stark ansteigende Zahlen für seine Interventionen. So mehrten sich die Stunden für Einzelberatungen in den letzten drei Jahren von 226 auf 600 Stunden. Foglia führte im Schuljahr 18/19 insgesamt 83 Dossiers in der Einzelberatung von Schülerinnen und Schülern. «In einzelnen Fälle brauchte es nur wenige Beratungen, andere erforderten einen grösseren Zeitaufwand», erklärt Foglia, der bei der Perspektive Solothurn angestellt ist.

Foglia, dessen Pensum mit dem Schuljahr 2018/19 von bisher 60 auf 85 Stellenprozenten aufgestockt wurde, ist seither während den Schulzeiten von Montag bis Freitag zu 100 Prozent anwesend. Aber nicht diese Ausweitung seines Pensums und auch nicht mehr Probleme in den Schulen hätten zum grösseren Beratungsaufwand geführt. «Im früheren 60-Prozent-Pensum kam ich an den Anschlag und konnte nicht mehr übernehmen oder musste Dossiers früher abschliessen.»

2018/19 habe er dann mehr Zeit in die Beratungen gesteckt. «Normalerweise wendet ein Schulsozialarbeiter zwei Drittel seiner Zeit für Beratungen auf und einen Drittel für Administration, Weiterbildung, Sitzungen etc. auf. Im vergangenen Schuljahr machten die Beratungen fast 75 Prozent meiner Arbeitszeit aus.» Dieser Wert werde sich aber wieder einpendeln. Er erwarte demnach nicht einen weiteren Anstieg.

«Man kann schon noch mehr machen»

In der Statistik hat Michele Foglia die Stunden aufgeteilt in die Zielgruppen erfasst. Die wichtigste umfasst die Schülerinnen und Schüler, welche Einzel- oder Gruppenberatungen erhielten. Mitgezählt werden auch die Präventionsanlässe und die Klasseninterventionen. Hier wandte Foglia 854 Stunden auf. Im Vorjahr waren es noch 607 Stunden. Für die Schule (Sitzungen mit Schulleitungen, Anlässe für die Gesamtschule etc.) sind 130 Stunden (Vorjahr 57 Stunden) ausgewiesen. Für die Arbeit mit den Lehrkräften blieben 81 Stunden (79) und für die Eltern 12 Stunden (18). Ein zusätzlicher Teil der Eltern- und Lehrerarbeit ist in der Beratungszeit der Schülerinnen und Schüler integriert.

Man könnte schon noch mehr machen, so Foglia, etwa in der Präventionsarbeit oder beim Kinderschutz, um in der Unterstufe Gefährdungssituationen besser erkennen zu können, oder im Suchtbereich in der Oberstufe. Aber an seinem Stellenpensum will er nichts ändern.

Die Rückmeldungen aus der Lehrerschaft geben ihm das so wichtige Feedback für seine Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern. «Feedbacks sind konkret.» Wie weit aber etwa Prävention wirke, sei schwieriger wahrzunehmen.

Hilfe in komplexen Situationen

In einem Beispiel beschreibt Michele Foglia die oft komplexe Situation, die er antreffen kann. Eine Lehrerin meldete ihm ein Unterstufenschulkind an, das vermehrt zu spät zur Schule kam, Sachen stahl, in der Pause oder auf dem Schulweg stritt und sich respektlos verhielt. Nach einiger Zeit meldete eine Schulleiterin der Mittelstufe, ein anderes Kind an, das Geld gestohlen hatte. Foglia bemerkte, dass die beiden Kinder Geschwister sind. Er erfuhr, dass auch andere Kinder der Familie in der Schule auffielen, dass die Mutter alleinerziehend und mit der Erziehung scheinbar überfordert war. Sie war mit den Kindern zudem zeitweise im Frauenhaus, weil ihr Mann ihr gegenüber Gewalt anwendete. Mit der Schulleitung und der Sozialdienstleitung konnte Foglia Massnahmen in die Wege leiten, um die Situation genauer abzuklären und der Familie die nötige Unterstützung zukommen zu lassen.

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