Tag des Waldes
Bellacher Schülerinnen und Schüler erhalten Unterricht im Wald

Am Internationalen Tag des Waldes gab der Kanton Einblick in sein Projekt Försterwelt. Schulklassen sind in diesem Projekt über mehrere Jahre zu allen Jahreszeiten mit dem Förster im Wald. Eine Bellacher Sekundarschulklasse durfte zum zweiten Mal Unterricht im Wald geniessen.

Urs Byland
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Waldbesuch einer Bellacher Schulklasse anlässlich des internationalen Tag des Waldes zum Thema "vom Samen zum Baum" Kreisförsterin Daniela Gurtner und Förster Hans Haas begrüssen die Schüler
18 Bilder
Kreisförsterin Daniela Gurtner zeigt die ganz kleinen Bäume
Freiluftunterricht zum Thema Wald, im Wald
Förster Hans Haas zeigt, wie man die Höhe eines Baumes misst
Kreisförsterin Daniela Gurtner erklärt
Förster Hans Haas vermittelt überraschende Fakten zum Thema Wald
Die Grösse der Baumkrone abschätzen
Förster Hans Haas erklärt, wie es vom Samen zum Baum kommt
Förster Hans Haas zeigt verschiedene Samenarten
Internationaler Tag des Waldes
Die Schüler sind fasziniert
Bellacher Schulklasse im Wald
Anschauungsunterricht vor Ort mit Förster Hans Haas

Waldbesuch einer Bellacher Schulklasse anlässlich des internationalen Tag des Waldes zum Thema "vom Samen zum Baum" Kreisförsterin Daniela Gurtner und Förster Hans Haas begrüssen die Schüler

Hanspeter Bärtschi

Sie haben schon vor einem Jahr nach dem Sturm Burglind in einem geschädigten Waldstück Kastanienbäume gepflanzt. Jetzt treffen die Schülerinnen und Schüler der Klasse Sek B 2b mit Lehrerin Gudula Kaisser beim Waldhaus Bellach auf Kreisförsterin Daniela Gurtner und Förster Hans Haas. An diesem Nachmittag wird nicht mit Händen angepackt. Gurtner und Haas zeichnen die Geschichte vom Samen bis zum ausgewachsenen Baum nach.

Das mag im Schulzimmer langweilig sein. Im Wald, wo vom Keimling bis zur ausgewachsenen Eiche alles anschaulich erlebbar ist, ist über kurz oder lang fast jede Schülerin und jeder Schüler voll bei der Sache. Etwa wenn Daniela Gurtner einen Kreis bilden lässt und darum bittet, die Bäume innerhalb des Kreises zu zählen. Da sind grosse zu sehen und kleinere. Aber zählt dieser kleine Zweig auch schon als Baum, und der Keimling, der die Laubblättern wegdrückt, auch? «Das ist ein Baum, vielleicht zwei Wochen alt», sagt Gurtner und befreit den Keimling vom darüber liegenden Laub. Schön sind die zwei leuchtend grünen Keimblätter auf der dunklen Walderde anzusehen.

Grösse der Baumkrone messen

Dann wechselt der Schauplatz. Die Jugendlichen folgen Haas zu einem riesigen Baum. Trotz Sonnenstrahlen ist die Bise auch im Wald zu spüren. Nicht alle sind richtig gegen die Kälte gewappnet und schlottern etwas. Bewegung hilft. Wieder wird ein Kreis gebildet. Die Grösse der Baumkrone soll gemessen werden. Dort, wo oben die Äste der Krone enden, steht unten ein Schüler. So wird die Grösse der Baumkrone am Boden mit dem Kreis der Schüler abgebildet. «Der Baum hatte beim Wachsen von Anfang an viel Platz und hat deshalb eine mächtige Krone ausgebildet», erklärt Haas. 300 bis 400 Liter Wasser verdunsten täglich von diesem Baum. «Natürlich nur, wenn er Blätter trägt.» Aber sehr wenige Keimlinge schaffen es hoch zu wachsen. «Die meisten verdorren, weil sie zu wenig Licht erhalten.» Dann lässt Haas die Höhe des Baums schätzen und zeigt der Klasse, wie der Förster mit dem Massstab, dem eigenen Körper und der Entfernung vom Baum die Höhe schätzt. Mathematik im Wald.

«Ich liebe die grüne Farbe»

«Vor einem Jahr haben die Schülerinnen und Schüler Bäume gepflanzt. Da haben sie nachher gesehen, was sie selber erschaffen haben. Es gibt aber auch Kinder, die gehen gar nicht gerne in den Wald», erzählt die Lehrerin. So fallen auch die Antworten sehr unterschiedlich aus, fragt man die Jugendlichen nach ihrer Beziehung zum Wald. Gabriel geht fast nie in den Wald. «Ich trainiere lieber Basketball. Wenn Kollegen in den Wald gehen, bin ich nie dabei.» Anisa findet es «megaschön» im Wald. «Ich liebe die grüne Farbe.» Sie spaziert manchmal an den Wochenenden mit den Eltern im Wald. «Das erfrischt.» Auch Ruit ist oft im Wald anzutreffen. «Der Wald ist für mich ein Spielplatz.» Welche Spiele er denn spiele? «Was uns gerade einfällt.» In Sri Lanka liebt Veethini den Garten mit den Palmen. «Das ist wie ein Wald.» Sie liebe die Natur und laufe mit den Nachbarhunden manchmal in den Wald.

Die Zeit vergeht im Fluge

Wieder zurück beim Waldhaus nimmt Hans Haas die Samen genauer unter die Lupe. In Gläsern hat er von Nüssen bis zum Samen der Birke unzählige Beispiele zur Hand. Anhand eines Tannzapfens erklärt er die Verbreitung der Samen. Beim Tannzapfen ist es der Wind. Grössere Samen wie Nüsse oder Kirschkerne werden von Tieren verbreitet. Die Kinder lernen Pionierbaumarten kennen, deren leichter Samen weit fliegt. So vergehen die Schulstunden im Wald wie im Fluge.

Der Wald als Schulzimmer

Der internationale Tag des Waldes stand dieses Jahr unter dem Thema «Wald und Bildung». Zu diesem Thema fand der Bildungsanlass der Bellacher Schüler statt. Der Anlass war aber auch der zweite der Klasse im Rahmen des Projekts «Försterwelt», das der Kanton in Zusammenarbeit mit der Stiftung Silviva durchführt. Schulklassen sind in diesem Projekt über mehrere Jahre zu allen Jahreszeiten mit dem Förster im Wald. Für die Bellacher Schülerinnen und Schüler folgen noch zwei Waldanlässe. Weitere «Försterwelt»-Projekte sind in Grenchen, Bucheggberg, Solothurn und Olten geplant. Hierfür sucht der Kanton noch weitere Klassen. «Förster sind es gewohnt, für die nächste Generation zu sorgen», begründet Daniela Gurtner das Engagement. Laut Gurtner kann im Kanton aber auch sonst jede Schulklasse kostenlos mit dem Förster in den Wald. «Wenn die Kapazität beim Forst vorhanden ist.» Möglich ist dieses Engagementunter anderem dank dem «Waldfünfliber».

Der Wald sei ein optimaler Ort zum Lernen ist, wie Studien belegen würden. Gute Luft und eine angenehme Temperatur führten zu einer besseren Konzentration, positiven Gefühle und weniger Stress. Viele schulische Themen liessen sich mit dem Wald verknüpfen wie Botanik, Zoologie, Ökologie, Mathematik, Gestalten, Geschichte, Berufswahl und vieles mehr. Der Wald sei zudem ein ausgezeichnetes Beispiel für Nachhaltigkeit und die Nutzung von erneuerbaren Ressourcen.