Still feiern dieses Jahr die Späti Holzbau AG sowie die Späti Innenausbau AG in Bellach ihr 90-Jahre-Jubiläum. Dabei ist es in Zeiten der Globalisierung und des Firmensterbens nicht selbstverständlich, dass sich ein Handwerkerunternehmen so lange halten kann – und vor allem: Seit der ersten Stunde in den Händen derselben Familie. Inzwischen ist bereits die dritte Generation am Drücker.

1929 gründete Johann Späti die Mech. Zimmerei + Schreinerei H. Späti, Bellach. Hinzu kam in den 50er-Jahren eine Sägerei, welche bis Anfang 90er-Jahre noch in Betrieb war. Ende der 60er-Jahre übernahm die zweite Generation – Hans, Adolf und Franz Späti – das Steuer. Aber Gründer Johann Späti war noch bis zu seinem 92. Lebensjahr fast täglich im Betrieb anzutreffen. «Die Übergabe an die nächste Generation war immer mit einer langen Übergangsphase verbunden. Das heisst: Die alte Garde war noch mit im Betrieb, überliess das Steuer aber immer mehr den Jungen», weiss Beat Späti zu berichten. So übergab dann die 2. Generation auch ca. im Alter von 55 Jahren die Geschicke an die dritte und aktuelle Generation.

Aufsplittung des Unternehmens

Mit der Übergabe an die dritte Generation beschloss man auch, die verschiedenen Kerngebiete in zwei getrennte, aber eng verbundene Firmen aufzugliedern. Philipp Späti ist seither für den Bereich Innenausbau zuständig, die Brüder Christoph und Beat Späti leiten die Geschicke der Holzbau-Firma. Der dritte Bruder, Thomas Späti, ist seit 2014 ebenfalls im Betrieb tätig. Er rundet das Angebot des Holzbau-Unternehmens ab, in dem er zusammen mit seinem Team nun auch die Planung eines Neu- oder Umbaus anbietet und somit koordiniert und umsetzt.

Die «Hochzeit» des Unternehmens, wie Franz Späti es nennt, hatte wohl die zweite Generation: «Damals konnten wir die Aufträge sozusagen aus dem Briefkasten ziehen.» Heute sei das schon schwieriger, ohne Akquise laufe nichts. Trotzdem, die Firma Späti konnte sich über Jahre einen guten Namen erarbeiten und gehört zu den grössten Holzbau-Innenausbau-Firmen in der Region Solothurn. Aktuell sind bei der Holzbau AG 24 Mitarbeiter (davon 5 Lernende) und beim Innenausbau 31 Mitarbeiter (davon 5 Lernende) beschäftigt. In den Anfangszeiten wurde noch alles von Hand gemacht: «Damals gab es noch keine Kräne, Stapler und CNC-Maschinen. Somit war es gang und gäbe, dass man 100 Kilogramm von Hand stemmte», weiss Franz Späti zu berichten.

Gondelbahnstationen sind in Bellach gebaut worden

Die Handschrift der Späti Holzbau AG ist in der Region weit verbreitet. Referenzobjekte sind da unter anderem das Bootshaus des Solothurner Ruderclubs, die Gondelbahn-Stationen der Weissenstein-Bahn sowie die Kapelle auf dem Weissenstein. Erst vor kurzem durfte die Bellacher Firma zudem den neuen Junioren-Garderoben-Pavillon dem FC Solothurn übergeben. Weniger offensichtlich ist die Arbeit der Späti Innenausbau AG – und das obwohl in vielen Häusern Späti-Küchen zu finden sind. Mit einer der Küchen hat das Team rund um Philipp Späti sogar einen renommierten Küchen-Design-Preis gewonnen. «Man muss heute schon kreativ sein, um sich gut im Markt positionieren zu können», so Philipp Späti, so organisiert er regelmässig einen «Küchensamstag», wo die Ausstellung in Ruhe besichtigt werden kann – und immer wieder finden dort auch Events statt: «Eine schöne Art, um unsere Küchen ins richtige Licht zu setzen.»

Auch im Bereich Holzbau ist es wichtig, mit dem Trend zu gehen. So legt die Späti Holzbau AG grossen Wert auf Energieeffizienz und ökologische Baustoffe. Es war darum selbstverständlich, das Bürogebäude, welches 2012/2013 erstellt wurde, unter Berücksichtigung dieser Aspekte zu bauen. Dieses Bestreben wurde von der Regio Energie mit dem renommierten Energiepreis belohnt.

Die Konkurrenz kommt heute aus dem Ausland

90 Jahre sind eine lange Zeit. Das ganze Umfeld, die Technologie und der Markt haben sich vor allem mit der Digitalisierung massiv verändert. War der Konkurrent früher im selben Dorf oder zumindest in der Region angesiedelt, so ist dieser nun eher im Ausland zu finden. Besonders gross ist der Unterschied zu früher in der Wertschöpfungskette: «Früher lief alles über uns. Das heisst: Wir holten das Holz im Wald, verarbeiteten es und lieferten dem Kunden das fertige Produkt», so Franz Späti rückblickend. Philipp Späti betont aber, dass man auch heute noch möglichst viel selber produziert: «Und zwar von A bis Z. Somit können wir immer noch eine sehr grosse Wertschöpfung in der Eigenproduktion garantieren.»

Will die aktuelle Generation auch den zukünftigen Geschäftsführern wieder genügend Zeit für eine Übergabe ermöglichen, dann stellt sich schon bald die Frage nach der Nachfolge. Ob das Unternehmen auch zukünftig noch mit Spätis an der Spitze existieren wird, steht in den Sternen. Aber sowohl Philipp als auch Beat Späti betonen: «Unser Nachwuchs, der zurzeit noch die Schule besucht oder in Ausbildung ist, will und kann sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht festlegen. Wir werden darum zuerst intern eine Lösung suchen und so unseren Kindern die Option offenlassen, später noch einsteigen zu können.»