Ein kutschenähnlicher Renault NN2 aus dem Jahr 1926 steht neben einem schnellen Lotus Super Seven, der an einen Kart erinnert. Daneben ein gelber Triumph Spitfire und ein frisch gespritzter MG A. Auf dem Lift prunkt ein alter Rolls Royce, der repariert werden muss. Der moderne Kleinwagen, der mit offener Motorhaube in der Garage steht, wird sich neben all den historischen Fahrzeugen wohl ein bisschen verloren vorkommen, aber auch moderne Autos repariert Heinz Bleuer in seiner Garage.

Während man heutige Autos oft schon nach wenigen Jahren ausrangiert, werden historische Fahrzeuge von ihren Besitzern gehegt und gepflegt, man will sie in guten Händen wissen.

Heinz Bleuer teilt die Leidenschaft für alte Objekte mit seinen Kunden. Was genau diese Leidenschaft für historische Autos ausmache, kann er nicht in Worte fassen. «Entweder hast du diesen Tick oder nicht», lacht er und erklärt: «Mir haben alte Autos schon immer gefallen.» Sein erstes Auto, ein Honda S800, sei damals schon ein altes Modell gewesen.

Fahrspass muss sein

Der Reiz an seinem Beruf bestehe darin, dass eben auch seine Kundschaft dementsprechend Freude an alten Fahrzeugen habe und sie zu schätzen wisse. Zu Heinz Bleuers eigenen Favoriten gehören etwa der Renault 8 Gordini oder der MG A. «Ich mag Autos, die erschwinglich sind, aber trotzdem puren Fahrspass bedeuten», so Bleuer.

Ein schöner Oldtimer müsse überhaupt nicht 100'000 Franken kosten. Es gebe so viele günstigere Sachen, die wahnsinnig toll zu fahren seien. Und diese Vielfalt mache es eben auch aus. «Einer hat Freude an einem Döschwo, ein anderer am Bugatti – aber alle zelebrieren diese Autokultur.»

Der gelernte Automechaniker hat in seiner Freizeit schon früher gerne an alten Autos geschraubt und schliesslich vor zwanzig Jahren seine eigene Garage eröffnet, eingemietet bei der Firma Schneider Reisen in Langendorf. Später hat er seinen Einmannbetrieb nach Bellach verlegt, in eine Halle der Kisag AG, direkt beim ehemaligen Bahnhof. Seine Arbeit sei ihm auch nach zwanzig Jahren nicht verleidet, er schwärmt, wie spannend es beispielsweise sei, alte und kaputte Motoren oder Getriebe wieder zum Laufen zu bringen.

Insbesondere, weil bei der Arbeit mit Oldtimern vieles nicht so funktioniere wie in modernen Werkstätten. «Es gibt keine Testgeräte. Wenn ein Auto ein Problem hat, muss man eben anders herausfinden, was fehlt», erklärt er. Dazu sind Ausdauer und Geduld nötig, nicht nur von Montag bis Samstag in der Garage, sondern auch am Wochenende, wenn häufig Teilemärkte auf dem Programm stehen. Dann macht sich Heinz Bleuer an Automobilteilemärkten im In- und Ausland auf die Suche nach passenden Elementen für Mechanik und Carrosserie.

Trotz guter Kontakte kann dies viel Zeit in Anspruch nehmen. Vieles hat er bereits auf Vorrat gesammelt, was beim Betreten seiner Garage unschwer zu erkennen ist: Schubladenstapel mit säuberlich geordneten Serviceteilen türmen sich neben diversen, schön aneinandergereihten Autotüren, alte Lenkräder hängen griffbereit an den Regalen. Trouvaillen eben, bei denen man zugreifen muss, weil man nie weiss, ob man ein gleiches Objekt überhaupt je wieder finden wird. «Je nach dem bleibt nur noch Selbermachen übrig», so Bleuer.

Tatkräftig unterstützt wird er dabei von seinem Sohn Michael – sei es bei der Mitarbeit in der Garage, beim Suchen von Teilen oder eben auch, wenn gewisse Elemente selbst hergestellt werden müssen. Als Polymechaniker und Maschinenbautechniker verfüge er über innovative Ideen und Know-how.

Gelegentlich gehört auch die Suche nach kompletten Fahrzeugen zu Bleuers Aufgaben. Mit Rat und Tat steht er beim Oldtimerkauf zur Seite und begutachtet mögliche Kaufobjekte, um bösen Überraschungen vorzubeugen. Man dürfe sich vom ersten Eindruck nicht blenden lassen, es könne sein, dass die optische Erscheinung über den mechanischen Zustand hinwegtäusche. Dass das Interesse an Oldtimern nicht schwinden wird, ist Heinz Bleuer überzeugt: «Anders als bei der heutigen Elektronik kann man diese alte Mechanik immer reparieren – auch nach über hundert Jahren.»