Biberist
Beim «St. Urs» soll es vorwärts gehen, Gestaltungsplan muss aber noch nachgebessert werden

2008 brannte der Gasthof St. Urs in Biberist nieder. Ein Jahr später wurde die Brandruine weggeräumt und seither klafft eine Lücke im Ortsbild. Nun wurde dem Gemeinderat ein Gestaltungsplan vorgelegt, der einen neuen Baukörper an Stelle des «St. Urs» und ein zweites Gebäude vorsieht.

Rahel Meier
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St. Urs Biberist
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Der Gestaltungsplan sieht vor, dass die Erschliessung zur Einstellhalle via Bleichemattstrasse (über das Trottoir, links unten) erfolgt. Dies führte zu Fragen und Kritik im Gemeinderat
Die Besucherparkplätze sollen via die bestehende Einfahrt erschlossen werden. Der Gemeinderat diskutierte, ob es möglich wäre die Ein- und Ausfahrt zu vergrössern, indem das danebenliegende Grundstück einbezogen werden könnte.

St. Urs Biberist

Rahel Meier

«Der 1. und der 2. August 2008 waren die wohl anstrengendsten Tage für die Biberister Feuerwehr.» Gemeindepräsident Martin Blaser (FDP) blickte an der Gemeinderatssitzung nochmals kurz auf die verhängnisvolle Nacht, in der der St. Urs abbrannte, zurück. Fünf Feuerwehren und 150 Leute standen im Einsatz.

Der St. Urs im Zentrum von Biberist brannte in der Nacht vom 1. auf den 2. August 2008 ab.
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Für die Feuerwehren der Region war dies einer der härtesten Einsätze.
Fünf Feuerwehren und 150 Leute waren vor Ort.
Das Gebäude wurde durch das Feuer total zerstört, das Feuer konnte dank der Feuerwehr jedoch nicht auf die Nebengebäude übergreifen.
Diese Bilder entstanden zwei Tage nach dem Brand
Die verkohlten Dachbalken
Vor dem abgebrannten Haus liegen noch Dachbalken herum
Hier ist nichts mehr zu retten

Der St. Urs im Zentrum von Biberist brannte in der Nacht vom 1. auf den 2. August 2008 ab.

Hanspeter Bärtschi

Der Totalschaden am Gebäude konnte nicht verhindert werden, aber ein Übergreifen auf die Nachbargebäude. Und: Es gab keine Verletzten oder Toten. Aber: «Für die Gemeinde und das Ortsbild war der Brand eine Katastrophe», so Blaser. 2009 wurde die Brandruine abgerissen. Seither klafft an prominenter Stelle ein Loch.

Die Gemeinde sei nicht untätig geblieben. 2010 wurden Rahmenbedingungen für eine Neubebauung mit sechs verschiedenen möglichen Überbauungen definiert. 2012 wurde eine Vorprojekt für die Überbauung des Areals genehmigt. 2015 wurde schliesslich in Zusammenarbeit mit dem Amt für Raumplanung und einem Planungsbüro aus dem Kanton St. Gallen ein Testentwurf «Dorfkernkonzept» und «Arealentwicklung St. Urs» entwickelt. Auf diesen Grundlagen baut nun der Gestaltungsplan St. Urs, der am Montag im Gemeinderat vorgestellt wurde, auf.

Die Ruine des Biberister Pubs St. Urs im Oktober 2008
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Im Dezember 2008 wird mit dem Abbruch der Ruine gestartet

Die Ruine des Biberister Pubs St. Urs im Oktober 2008

Oliver Menge

Zwei eigenständige Gebäude

Benno Probst (Felber Probst Architekten AG, Solothurn) stellte den Gestaltungsplan vor. «Das Grundstück soll in zwei Baubereiche unterteilt werden«, meinte er. Der Gestaltungsplan sehe den Bau zweier eigenständiger Gebäude mit einer gemeinsamen Einstellhalle vor. Der «neue St. Urs» soll Gestaltungselemente des historischen Gebäudes aufnehmen. Die beiden unteren Stockwerke werden massiv ausgestaltet, mit regelmässig gesetzten Lochfenstern und einer relativ schmalen mittigen Eingangstüre.

Das Dach wird dem ehemaligen massigen Walmdach nachempfunden und ist ein kubischer und vollständig verglaster Baukörper aus zwei Vollgeschossen. In den beiden unteren Stockwerken sollen Gewerbenutzungen ihren Platz finden, in den oberen Geschossen ist Wohnnutzung vorgesehen. Das zweite Gebäude wird entlang der Bleichemattstrasse platziert und soll ausschliesslich dem Wohnen dienen. Auch hier wird die Fassade mit Lochfenstern gestaltet, die Aussenräume sind als Loggien in das Volumen eingeschnitten. Um den Unterschied zum «neuen St. Urs» zu verdeutlichen wird das Gebäude mit einem Satteldach versehen.

Geplant ist, die Einstellhalle über die Bleichemattstrasse zu erschliessen. Die oberirdisch angelegten Besucherparkplätze würden ähnlich wie in der heutigen Situation via Hauptstrasse erschlossen. Laut Probst wird die Mindestanzahl Parkplätze mit 53 eingehalten. Ebenso sei die Grünraumziffer eingehalten. «Wir haben auch die Sichtweiten in den Knotenpunkten überprüft.»

Nur als Ganzes realisierbar

Heftige Diskussionen entbrannten im Gemeinderat über der Tatsache, dass inmitten der beplanten Parzelle ein Gebäude steht, das im Baurecht errichtet wurde. Offensichtlich haben der Eigentümer der Parzelle des St. Urs (GB Nr. 461) und der Baurechtsnehmer (GB Nr. 1232) bis heute keine Einigung über die geplanten Neubauten gefunden. Markus Dick (SVP) stellte den Antrag, das Geschäft zurückzustellen. Uriel Kramer (Präsident Bau- und Werkkommission) machte sich stark dafür, den Gestaltungsplan zu genehmigen. Die Arbeit sei damit noch nicht fertig. Es folge eine öffentliche Mitwirkung, eine Überarbeitung und dann werde der Plan dem Gemeinderat erneut vorgelegt. Stephan Hug (SP) unterstützte diese Haltung. «Wir sollten Ja sagen und damit auch signalisieren, dass der Gemeinderat will, dass jetzt endlich etwas realisiert wird.»

Martin Blaser stellte die beiden Anträge einander gegenüber. Und musste konstatieren, dass es mit 5:5 zu einem Patt kam. Blaser gab deshalb den Stichentscheid zugunsten des Antrages der BWK. Damit wurde dem Gestaltungsplan zugestimmt, und er wird weiter bearbeitet. Der Antrag wurde zudem mit weiteren Punkten ergänzt.

So muss die Ein- und Ausfahrt in die Hauptstrasse verbessert werden; ebenso soll die Ausfahrt von der Einstellhalle in die Bleichemattstrasse besser gestaltet werden. Der Gemeinderat möchte, dass so viele Parkplätze wie möglich realisiert werden. Ausserdem müssten die Verhandlungen mit dem Baurechtsnehmer von GB Nr. 1323. geführt werden, bevor der Plan aufgelegt wird.