Serie Treffpunkte

Beim «Kürbis-Buur» Weyeneth gibt's Kürbisse, so weit das Auge reicht

Auf dem Hof Weyeneth treffen sich nicht nur Leute aus der Region. Es gibt auch Stammgäste: Amerikaner, die hier leben.

Die bunten Kürbisse auf dem Hof Weyeneth in Lüterkofen leuchten schon von weitem und trotzen mit ihren Farben dem grauen Herbstnachmittag. Kürbisse, soweit das Auge reicht, sind an den Ständen vor dem Hof präsentiert; ihre schrillen Farben und merkwürdigen Formen passen zu ihren komischen Namen: Triambel, Rote Warze, Omahs, Napolitaner, Marina di Chiaggia.

Rosmarie Weyeneth, die den Biobauernhof und das Kürbisparadies mit ihrem Mann betreibt, greift sich einen grossen, grau-blauen Kürbis. «Das hier ist ein türkischer Kürbis. Wir haben ihn dieses Jahr neu und er ist sehr gefragt», berichtet sie. Weyeneth kennt jeden Kürbis und dessen Eigenschaften und berät die Kunden mit einer richtigen Leidenschaft. Ihr Mann, Urs Weyeneth, teilt ebenso leidenschaftlich mit: «Wir bauen hundertfünfzig verschiedene Kürbisarten an!» Der Anbau sei die intensivste, aufwendigste Arbeit im ganzen Hofbetrieb, gibt er zu. «Hunderte Stunden arbeite ich jährlich an den Kürbissen, sie sind eine sehr aufwendige Pflanze.»

Der erste angebaute Kürbis war ein Missgeschick

Der Kürbisanbau habe eigentlich mit einem Missgeschick begonnen, erzählt Weyeneth. «Vor 27 Jahren wurde ein Feld mit dem falschen Herbizid bespritzt, also haben wir ein Blumenfeld daraus gemacht, auf dem man selber Blumen pflücken durfte. Ich habe drei Kürbisse angepflanzt, im Jahr darauf drängte mich Rosmarie dazu, mehr Kürbisse anzupflanzen.» Als er an einem Sonntagnachmittag dann mit seinen Kindern ein Maislabyrinth besuchte, sei er dazu inspiriert worden, selber ein Labyrinth zu bauen. «Labyrinthe haben mich schon als Bub immer fasziniert!» Dies merkt man auch an seiner Arbeit: Neben dem ursprünglichen Kürbislabyrinth gibt es heute auch ein Stein- und ein Rasenlabyrinth und einen Heckenirrgarten. Alle hat er selbst entworfen und angelegt.

In den letzten zwanzig Jahren ist der «Kürbishof» immer beliebter geworden, mittlerweile ist er weit über die Region hinaus bekannt. «Die Leute treffen sich hier wirklich, machen hier ab und verbringen einen Nachmittag zusammen», berichten die Weyeneths. An einem guten Sonntag kämen sicher zweihundert Besucher. Zu den Stammgästen gehören auch einige amerikanische Familien, die in der ganzen Schweiz verteilt leben und sich jährlich auf dem Hof treffen, um sich auszutauschen. Ein Vater staunt beim Eingang zu den Labyrinthen: «Ich war früher schon mal hier, aber seitdem ist es ganz anders geworden!»

Schatztruhe für die Kinder im Keller

Die meisten Gäste an diesem Nachmittag sind jedoch das erste Mal beim «Kürbis-Buur Weyeneth». Unter ihnen die Familie Witschi, die mit den Kindern die Farben, Formen und Oberflächen der Kürbisse bestaunt. Der siebenjährige Janick überquert gerade mit seinen Grosseltern die Kuhweide, sie kommen vom Weidenlabyrinth zurück. «Wir haben jetzt alle vier Labyrinthe gemacht», berichtet er. «Am besten gefallen hat mir das Kürbislabyrinth, weil es so farbig ist!» Dann lässt er sich nicht weiter aufhalten und sprintet davon Richtung Keller, wo die «Schatztruhe» versteckt ist. Wer nämlich alle vier Labyrinthe aufmerksam absolviert hat, besitzt einen Zahlencode, der die Schatztruhe öffnet.

Auch Stefan Cozzi hat alle vier Labyrinthe durchlaufen. Was ihn aber viel mehr interessiert als der Schatz, sind die Kürbisse im Verkauf. «Ich habe zwei Kürbisse gekauft und werde zuhause versuchen, daraus Kuchen zu backen. Ich backe nämlich viel, Kürbiskuchen habe ich jedoch noch nie gemacht.»

Selbstgebaute Kugelbahn geht durch den Stall

Zwei junge Mädchen, Maelle und Loah, streicheln die Hofkatze, und eine andere junge Familie steht neben dem Kuhstall und schaut konzentriert in die Höhe. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man da eine Kugelbahn aus Holz. Auch diese hat Urs Weyeneth selber entworfen und gebaut. Zweihundert Meter lang ist sie und erstreckt sich über die Längsseite des Hofs über den Stall hinweg. Man darf sie sogar selber bedienen, die Kugel in die Höhe ziehen und die Weichen stellen. Wie bei allem auf dem Hof bemerkt man auch hier, dass ganz viele Liebe und Hingebung in der Arbeit steckt.

Nachgefragt bei Urs und Rosmarie Weyeneth

Urs und Rosmarie Weyeneth

  Urs und Rosmarie Weyeneth

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