Kerzen, Blumen, Fotos und Keramikengel – die kleinen Mitbringsel der Friedhofsbesucher dienen als Zeichen der Andacht und des Trostes. In Vergleich zu den Bestattungsbeigaben der alten Ägypter mit ihren Pyramiden erscheinen sie geradezu bescheiden und schlicht. Und dennoch sorgen die persönlichen Gedenkgegenstände auf dem Friedhof in Subingen für Missfallen.

Den Wunsch, die letzte Ruhestätte von Angehörigen nicht mit leeren Händen aufzusuchen, versteht Hans Ruedi Ingold, Gemeindepräsident und Bauverwalter von Subingen, nur zu gut. Betrieb und Unterhalt des Friedhofs fallen in den Aufgabenbereich der Baukommission und deshalb ist Ingold mit dem Friedhofsreglement «per Du» und weiss auch, dass das Deponieren solcher Gedenkpräsente nicht überall erlaubt ist: Beim kreisrund angelegten Gemeinschaftsgrab ist sie nach Artikel 26 beispielsweise untersagt.

Lange Zeit Verständnis

«Unser Gemeinschaftsgrab ist, wie alle anderen Gemeinschaftsgräber auch, an gewisse Richtlinien gebunden», erklärt Ingold. Der Friedhof Subingen bilde daher mit erwähntem Verbot keineswegs eine Ausnahme, sondern bestätige lediglich die Regel. Das Bedürfnis der betroffenen Friedhofgänger, ein Zeichen der Erinnerung zu setzten, ist aber – Regel hin oder her – vorhanden.

Aus Verständnis habe man deshalb die vereinzelten Blumengestecke und Windlichtchen lange Zeit toleriert. «Wir kennen alle Leute persönlich und manchmal sind daher durchaus Geschichten dabei, die einem auch zu schaffen machen», meint der Gemeindepräsident.

Über 100 Bestattete

In letzter Zeit tauchten jedoch immer wie mehr Erinnerungsstücke bei dem Gemeinschaftsgrab auf, was das Mass schliesslich doch zum Überlaufen brachte: Per Inserat wurde verkündet, dass ab dem ersten November künftig alle Gedenkpräsente auf einen dafür eigens hergerichteten Platz um deponiert werden. «Mittlerweile befinden sich über hundert Bestattete in dem Gemeinschaftsgrab.

Es geht einfach nicht, wenn alle Angehörigen dieser Mode folgen würden – das würde der Idee des Gemeinschaftsgrabes widersprechen», erklärt Ingold die Problematik. Die Grundidee besteht darin, dass den Angehörigen die Pflege der Grabanlage durch den Friedhofwart abgenommen wird, was all denjenigen zu Gute kommt, die nicht in der Nähe des besagten Friedhofes wohnen. Auf der anderen Seite gehört das Gemeinschaftsgrab aber niemanden, weswegen als einzige Zierde die angebrachten Namenesschildchen der Verstorbenen geduldet werden.

Elegante Lösung gesucht

«Die Hinterlassenen brauchen aber dennoch einen Ort, wo sie ihre Gedenkpräsente hinlegen können», sagt Ingold. Die Antwort auf das vorhandene Mitbringsel-Problem liegt, wie im erwähnten Inserat beschrieben, direkt hinter dem Gemeinschaftsgrab: ein im Halbkreis angelegter Kiesplatz, einzig dazu da, um den beim Grab unerwünschten Erinnerungsstücken einen Ort der dauerhaften Bleibe zu bieten.

Obwohl der Friedhof Subingen mit der Gestaltung dieses Platzes dem Bedürfnis des Angehörigen nachkommt, muss Ingold selbst einräumen, dass der Zeitpunkt der offiziellen Verkündigung vielleicht doch etwas unsensibel gewesen sei, zumal diese kurz vor der Adventszeit stattgefunden habe. «Viele Besucher haben aber auch Freude an dem Platz und sagten, dass dies eine schöne Idee sei.»