Biberist
Beide wollen kein Schlafdorf – doch welcher Kandidat ist aufgeweckter?

Am 21. Mai kürt Biberist seinen neuen Gemeindepräsidenten. Zur Wahl stehen Markus Dick (SVP) und Stefan Hug-Portmann (SP). Im Streitgespräch zeigen die Kandidaten Profil – und präsentieren ihre unterschiedlichen Visionen für das grosse Wasserämter Dorf.

Christof Ramser
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Die beiden Gemeindepräsidiumskandidaten im Streitgespräch: Markus Dick (l.) und Stefan Hug.

Die beiden Gemeindepräsidiumskandidaten im Streitgespräch: Markus Dick (l.) und Stefan Hug.

Michel Luethi

Stefan Hug, Sie sind Favorit für die Gemeindepräsidiumswahl. Einverstanden?

Stefan Hug-Portmann: Das Rennen ist völlig offen. Das Resultat kennen wir, wenn wir durch die Ziellinie laufen.

Stefan Hug Stefan Hug-Portmann wuchs als Sohn eines Metzgers im Thal auf. Seit 2014 ist er Leiter der Gemeindeverwaltung von Biberist. Zuvor war der Betriebsökonom unter anderem als Unternehmensberater für öffentliche Verwaltungen und Non-Profit-Organisationen tätig. Als Mitglied der SP sass er acht Jahre im Solothurner Kantonsrat und neun Jahre im Gemeinderat Luterbach. Hug ist 50-jährig, verheiratet mit Monika Hug-Portmann und hat einen 15-jährigen Sohn und eine 11-jährige Tochter. (crs)

Stefan Hug Stefan Hug-Portmann wuchs als Sohn eines Metzgers im Thal auf. Seit 2014 ist er Leiter der Gemeindeverwaltung von Biberist. Zuvor war der Betriebsökonom unter anderem als Unternehmensberater für öffentliche Verwaltungen und Non-Profit-Organisationen tätig. Als Mitglied der SP sass er acht Jahre im Solothurner Kantonsrat und neun Jahre im Gemeinderat Luterbach. Hug ist 50-jährig, verheiratet mit Monika Hug-Portmann und hat einen 15-jährigen Sohn und eine 11-jährige Tochter. (crs)

Michel Luethi

Dann wage ich eine Prognose: Sie starten aus der ersten Reihe. Sie haben die stärkste Partei im Rücken und werden sogar von Freisinnigen unterstützt. Zudem sind Sie als Gemeindeverwalter schon heute zuständig für die Bereiche Bau, Finanzen, Sozialdienst und sind sogar Sprecher für die Gemeinde. Sie haben das Amt schon halb in der Tasche.

Hug: Nochmals: Die Wahl ist offen. Aber tatsächlich bin ich für das operative Geschäft der Gemeinde verantwortlich. Man könnte sagen, ich bin der CEO von Biberist. Mein Wunsch ist es nun, Verwaltungsratspräsident zu werden. Sofern mich das Volk wählt, könnte ich dank meiner Erfahrung die laufenden politischen Projekte vom ersten Tag an übernehmen.

Herr Dick, Sie müssen gegen den CEO antreten. Dann sind Sie der Herausforderer?

Markus Dick: Von den Begriffen CEO oder Verwaltungsratspräsident im Zusammenhang mit einer Gemeinde bin ich nicht so begeistert. Biberist war fast immer ein bürgerlich orientiertes Dorf, auch wenn die SP aktuell die stärkste Fraktion hat. Nun spricht sich die FDP nicht unbedingt für eine bürgerliche Fortsetzung an der Spitze aus. Die CVP hat noch nicht entschieden.

Markus Dick Markus Dick wuchs als Sohn des Betreibers einer Spenglereifirma in Biberist auf. Heute führt er sein eigenes Projektmanagement-Unternehmen, mit dem er Asylsuchende im Bucheggberg betreut. Dick hat ein Handelsdiplom und leistete sechs Jahre Militärdienst, unter anderem auf dem Balkan sowie an der innerkoreanischen Grenze. Der SVP-Mann ist seit acht Jahren im Biberister Gemeinderat und wurde im März in den Kantonsrat gewählt. Er ist 48-jährig, verheiratet und hat eine fünfjährige Tochter. (crs)

Markus Dick Markus Dick wuchs als Sohn des Betreibers einer Spenglereifirma in Biberist auf. Heute führt er sein eigenes Projektmanagement-Unternehmen, mit dem er Asylsuchende im Bucheggberg betreut. Dick hat ein Handelsdiplom und leistete sechs Jahre Militärdienst, unter anderem auf dem Balkan sowie an der innerkoreanischen Grenze. Der SVP-Mann ist seit acht Jahren im Biberister Gemeinderat und wurde im März in den Kantonsrat gewählt. Er ist 48-jährig, verheiratet und hat eine fünfjährige Tochter. (crs)

Michel Luethi

Hat Sie die Absage der FDP geschmerzt?

Dick: Ich nehme dies mit einer gewissen Gelassenheit zur Kenntnis und versuche, das Beste daraus zu machen.

Hug: Ein Gemeindepräsident ist nicht seiner Partei verpflichtet, sondern in erster Linie der Gemeinde. Insofern ist es eine Persönlichkeitswahl. Will ich gewählt werden, brauche ich aber die Unterstützung von CVP und FDP.

Markus Dick ist in Biberist aufgewachsen und Bürgergemeindepräsident. Hier hat er einen Vorteil auf seiner Seite.

Hug: Wir haben 5300 Stimmberechtigte im Dorf, davon ist über die Hälfte in den letzten zehn Jahren dazu gezogen. Biberist besteht nicht nur aus Menschen, die seit der Geburt hier wohnen.

Aber die Alteingesessenen gehen vielleicht geschlossener an die Urne.

Hug: Ich wohne 12 Jahre in Biberist, meine Tochter geht noch hier zur Schule. Ich bin viel unterwegs im Dorf und habe es nicht nur als Verwaltungsleiter, sondern auch als Familienvater kennen gelernt.

Dick: Für mich ist Biberist wie ein Leuchtturm. Es zog mich immer wieder hierhin zurück, etwa nachdem ich mit dem Militär im Ausland war. Mein Herz schlägt hier. Deshalb habe ich mich auch gegen die Fusion engagiert, damit wir nicht im Schlafwagen in die Selbstauflösung nach Solothurn fahren.

Die Opposition gegen die Fusion als Ihr politisches Gesellenstück?

Dick: Ich war nicht bereit, das Dorf diskussionslos aufzugeben. Als Quartier von Solothurn wäre dieser Mikrokosmos mit all seinen Facetten untergegangen.

Wie wollen Sie Biberist positionieren? Die Zeiten des Industriedorfes sind vorbei, die Einwohnerzahl wächst. Wird man zur Agglomeration von Solothurn oder richtet man sich gegen Westen aus, als Dienstleistungszentrum für Lohn-Ammannsegg und den Bucheggberg?

Hug: Für mich ist Biberist ganz klar ein Dorf. Die künstliche, statistische Grenze von 10 000 Einwohnern, mit der man zur Stadt wird, ist nicht relevant. Wir haben unterschiedliche Quartiere, in denen der Zusammenhalt noch vorhanden ist. Man grüsst sich noch bei uns. Und das soll so bleiben. Auf der anderen Seite soll Biberist wachsen dürfen, bei der Einwohnerzahl, aber insbesondere auch bei den Arbeitsplätzen. Wir haben viele Stellen in der Grossindustrie verloren. Erfreulicherweise konnten die Steuerausfälle dank natürlicher Personen kompensiert werden. Biberist steht besser da als vor zehn Jahren, weil wir konstante Steuereinnahmen und keine Klumpenrisiken mehr haben.

Die wachsende Bevölkerung braucht Schulen, Strassen, Wasser- und Stromzufuhr. Das wird teuer.

Dick: Ich habe starke Bedenken, wenn man wachsen will, nur um diese 10'000er-Marke zu erreichen. Die Infrastruktur wird massiv mehrbelastet. Unser Verkehrsnetz hält schon jetzt dem Transitverkehr nicht mehr stand. Natürlich ist es gut für das Gewerbe und die Baubranche, wenn Gebiete wie das Schöngrün oder das Post-Areal entwickelt werden und es Wohnraum gibt. Aber ich bezweifle, dass nur gute Steuerzahler nach Biberist kommen. Das Überangebot an Wohnungen könnte dazu führen, dass die Mieten sinken und dies Leute anzieht, die keine Steuern zahlen. Die kosten eher, als dass sie zur Gemeinschaft beitragen. Genau dort möchte ich einen Entwicklungsschwerpunkt setzen. Wir sind Leitgemeinde bei der Sozialregion. Da haben wir grossen Handlungsbedarf.

Was wollen Sie tun?

Dick: Im Asylbereich, wo ich tätig bin, können wir Synergien nutzen. In gewissen Verfahren können Kosten gesenkt werden. Die Effizienz ist das eine, aber auch die Gerechtigkeit. Es gibt auch viele Schweizer, die untendurch müssen. Wir haben Zustände, wo der Schweizer zum Teil benachteiligt wird. Das geht nicht.

Hug: Gewisse Verfahren im Sozial- und Asylbereich können wir straffen. Ich bin aber nicht der Meinung, dass es ein Problem zwischen Schweizern und Ausländern gibt. Es stimmt, es gibt arme Leute im Dorf und in der Region. Doch gerade letztens hatte ich mit einem Ausländer zu tun, der die Sozialhilfe strikt ablehnte, obwohl er Anrecht darauf gehabt hätte.
In Biberist ist die Sozialhilfequote tendenziell höher als auf dem Land.

Hug: Aufgrund des Wohnmarktes ist das so. Kleingemeinden verfügen kaum über freie Mietwohnungen. Deshalb scheint mir das ausgleichende, kantonale System der Verteilung der Soziallasten auf die Gesamtheit der Gemeinden gerecht.

Die SP will im Gemeinderat zulegen. Wenn Herr Hug dazu noch Gemeindepräsident wird, ist eine Steuersenkung in den kommenden vier Jahren wohl kaum ein Thema?

Hug: Der Steuerfuss ist nicht das politische Ziel, sondern das Resultat. Wir hatten sehr gute Rechnungsabschlüsse, auch 2016 schliesst wohl besser ab als budgetiert. Ich will keine Steuern auf Vorrat. Wenn wir freie Mittel haben, bin ich der Letzte, der sich gegen eine Steuersenkung wehrt.

Ist das ein Versprechen?

Hug: Ich gehe davon aus, dass der Steuerfuss in den nächsten Jahren sinken wird. Wir können nicht, wie in den vergangenen Jahren, mehr Geld einziehen als wir brauchen.

Die SVP kritisiert das Wachstum der Gemeindeverwaltung. Würde dies mit Stefan Hug an der Spitze noch zunehmen?

Hug: Jede zusätzliche Stelle wurde vom Gemeinderat und der Gemeindeversammlung genehmigt. Wenn die SVP nun fordert, die Verwaltung herunterzufahren und auf der anderen Seite die Öffnungszeiten auszudehnen, dann geht etwas nicht auf.

Dick: Es geht nicht, dass unser Gemeindehaus halbtageweise geschlossen ist und man niemanden am Telefon erreicht. Auf der anderen Seite nimmt sich die Verwaltung das Recht heraus, stets alle zu erreichen. Das will ich ändern.

Hug: Wir müssen unbestritten bürgernaher werden, etwa bei den elektronischen Dienstleistungen für Anmeldungen, Umzüge innerhalb der Gemeinde oder für die Bestellung von Wohnsitzbescheinigungen. Dass die Verwaltung am Dienstag- und Donnerstagmorgen geschlossen ist, liegt daran, dass wir ab und zu interne Veranstaltungen durchführen. Doch dann sind wir jederzeit über die direkten Nummern erreichbar.

Dick: Da staune ich. Wer hat denn diese persönlichen Nummern? Es ist das Recht des Bürgers, ein dringendes Problem zu deponieren, wann er das will.

Hug: Die Nummern stehen auf der Homepage. Wenn eine Person ein Anliegen hat, erhält sie innerhalb eines Arbeitstages eine Antwort. Jeder Bürger, jeder Gewerbler kann sich bei mir melden, ich gehe jedem einzelnen Fall persönlich nach. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.

Das sehen Sie anders, Herr Dick?

Dick: In Gewerbekreisen waren zumindest die Erfahrungen mit den Abläufen auf der Bauverwaltung bisher nicht optimal. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich dies mit dem erneuerten Team verbessert.

Herr Dick, Sie stehen mit der SVP im Gemeinderat oft alleine gegen eine satte Mehrheit. Können Sie sich überhaupt von Ihrer Oppositionsrolle lösen? Ihre Partei lebt ja auch davon.

Dick: Ich wehre mich gegen diesen Vorwurf. Die Demokratie gibt die Möglichkeit, Nein zu sagen. In einzelnen Geschäften vertritt die SVP dezidiert eine andere Meinung als der Rest des Gemeinderates. Zum Glück waren wir bei der Fusion dagegen.

Auch bei der Einzonung des Schwerzimooses, dem Schulpavillon oder der Erschliessungsplanung standen Sie alleine in der Opposition.

Dick: Bei der Erschliessungsplanung wehrten wir uns für den Bürger. Der Gemeinderat ging leichtfertig damit um und wollte sie einfach durchwinken. Man muss kein Nobelpreisträger sein, um zu sehen, dass ein doppelseitiges Trottoir an der Bleichenbergstrasse im Extremfall zu einer Enteignung führen kann.

Hug: Markus, Du bist ja in Biberist aufgewachsen. Sag mir bitte, wann hier jemand aufgrund einer Erschliessungsplanung enteignet wurde. Das ist schlicht und einfach theoretisch.

Die SVP kritisiert den fehlenden Einbezug der Bevölkerung.

Hug: Dem Bürger sollte eine Vorlage im Sinne einer Mitwirkung präsentiert werden. Niemals sollte etwas an der Bevölkerung vorbeigeschmuggelt werden. Ihre Rechte wurden in keiner Weise beschnitten. Es ist möglich, dass externe Fachleute den Weg zu wenig aufgezeichnet und die politische Dimension zu wenig erkannt haben. Dann agierte die SVP mit einer Petition. Ob es wider besseren Wissens war oder um politisches Kapital daraus zu schlagen, weiss ich nicht.

Dick: Damit willst Du unsere Absichten diskreditieren. Wenn eine solche Vorlage leichtfertig in einer halben Stunde durchgewinkt werden soll, ist das schon ein seltsames Verständnis einer Strategiebehörde.

Hug: Die entsprechende Sitzung dauerte viereinhalb Stunden, wenn ich mich erinnern kann.
Dick: Ja, aber nur nachdem die SVP dagegen mobilisiert hatte. Etwas anderes ist doch nicht seriös. Die Gemeinderäte müssen ihre Meinungen vorgängig einbringen und Konsequenzen für die Einwohner berücksichtigen. Dafür wurden wir gewählt.

Apropos Langsamverkehr: Mit dessen Förderung macht sich Herr Hug auf der rechten Seite nicht nur Freunde.

Hug: Biberist hat vor allem am Abend zwischen 17 und 18.30 Uhr wahnsinnig viel Verkehr. Da können wir wohl nicht viel machen. Aber was am Morgen jeweils am St.-Ursen-Stutz abgeht, macht mir Angst. Wir müssen neuralgische Punkte entschärfen. Bei den Schulhäusern Bleichenmatt und Mühlematt ist dies mit den Begegnungszonen gut gelungen. Gemäss einer Erhebung ist 60 Prozent des Verkehrs in Biberist hausgemacht. Gerade als Vater ist es mir ein Anliegen, Fussgänger und Velofahrer zu schützen.

Wollen Sie den Leuten das Autofahren verbieten?

Hug: Das können und wollen wir nicht. Aber wir müssen unter anderem auch die Eltern sensibilisieren. Wenn ich am Morgen sehe, wie viele Kinder in die Schule gefahren werden, frage ich mich, ob das wirklich nötig ist. Ein Ansatz sind die Peditaxi, wo Eltern mit Kindern zu Fuss zur Schule gehen.

Dick: Der Autoverkehr in Biberist wird schikaniert. Du schwingst immer die moralische Keule mit dem Thema Schulwegsicherheit. Wenn man den Eltern vorbetet, wie gefährlich der Schulweg sein soll, muss man ja verstehen, dass sie ihre Kinder lieber im sicheren Auto fahren. Als ich zur Schule ging, wurde jedenfalls keiner meiner Kollegen überfahren.

Damals gab es sicher weniger Autoverkehr

Dick: Einverstanden. Aber wir können nicht eine ganze Generation in Watte einpacken und glauben, sie werden zu mündigen Bürgern. Ich zähle auf die Selbstverantwortung. Das Argument mit dem hausgemachten Verkehr finde ich komisch. Wir sind eine freie Gesellschaft, da soll jeder für sich selber entscheiden, wie er sich fortbewegt und nicht ein Zentralkomitee. Es gibt ältere Menschen, Unternehmer und Arbeitnehmer, die auf das Auto angewiesen sind.

Hug: Das hat nichts mit Moral zu tun. Der hausgemachte Verkehr ist ein Fakt. Deshalb ist zum Beispiel eine Umfahrungsstrasse nicht zielführend. Es ist mir schon passiert, dass ich beim Studer-Beck ein Brot kaufte und kaum mehr wegfahren konnte. Dann hole ich das Brot halt das nächste Mal an einem anderen Ort. Die Verkehrslawine ist also auch für das Gewerbe ein Problem.

Dick: Die linksgrünen Kreise mit ihrem Langsamverkehr beklagen sich im gleichen Atemzug über die Zubetonierung der Schweiz. Aber sind sie sich bewusst, dass Fuss- und Radwege, die parallel zur Strasse laufen, die Landschaft ebenfalls zupflastern? Dann kommen solche Katastrophen heraus wie zwischen Lohn-Ammannsegg und Solothurn. Das ist ein Chlapf nach dem anderen ins Gesicht des Steuerzahlers.

Hug: Das ist ein kantonales Projekt. Ich will den Verkehr nicht schikanieren, aber einen Beitrag zur Sicherheit leisten. Ich habe erlebt, als am Fussgängerstreifen an der Bernstrasse ein Kind angefahren wurde. Das kann passieren, aber wir müssen Sorge tragen, dass es nicht mehr vorkommt.

Dick: Die Umstände dieses Unfalls sind mir nicht bekannt. Solche Schilderungen weisen die Schuld per se dem motorisierten Verkehrsteilnehmer zu. Was zum Teil auf den Trottoirs abläuft, finde ich auch nicht nur gut.

Hug: Ein Kind wurde angefahren und verletzt. Zum Glück konnte es nach einem oder zwei Tagen wieder aus dem Spital nach Hause. Ob es aufmerksam war, weiss ich nicht. Es geht mir nicht um Schuldzuweisungen. Aber jeder Unfall ist es wert, verhindert zu werden.

Sie stammen beide aus einer Gewerblerfamilie. Welche Vision haben Sie für den Wirtschafts- und Arbeitsplatzstandort Biberist?

Dick: Ich sehe die Gefahr, dass Biberist zum Schlafdorf wird. Wir brauchen gute Rahmenbedingungen für Unternehmer. Das Papieri-Areal ist von erster Priorität, deshalb unterhalte ich persönliche Beziehungen zu den Leuten vor Ort. Es freut mich, zu sehen, was sich dort entwickelt. Auf der anderen Seite haben wir ein Problem mit der Individualisierung. Aufgrund persönlicher Befindlichkeiten wird heute zu schnell eine Einsprache gemacht. Ich wuchs am Kanalweg auf Höhe der Rangiergleise der von Roll auf. Mit dem Lärm muss man lernen umzugehen und sich in Erinnerung rufen, dass eine lebendige Wirtschaft auch Arbeitsplätze und Steuereinnahmen bedeutet.

Hug: Die Gemeinde muss dafür sorgen, dass Biberist kein Schlafdorf wird. Deshalb bearbeiten wir die Anliegen der Wirtschaft, etwa in Bau- oder Planungsfragen, speditiv und mit hoher Qualität. Dafür braucht die Verwaltung ausgebildete Fachleute.

Woher kommt das Verständnis eines Sozialdemokraten für die Anliegen des Gewerbes?

Hug: Ich wuchs als Metzgersohn in einem Gewerbebetrieb auf und weiss durch meine Mitarbeit von klein auf, was es heisst, Geld zu verdienen. Gerade in Konkurrenz zu den Grossbetrieben. Es erstaunt mich allerdings, wenn ich von der SVP höre, dass sie das einheimische Gewerbe unterstützen will, und ihre Wahlprospekte nicht in Biberist drucken lässt. Sie hat den Tatbeweis nicht erbracht. Für meine Partei war klar, dass wir das Wahlmaterial vom lokalen Gewerbe drucken lassen.

Die SVP lässt auswärts drucken?

Dick: Ich weiss nicht, wo wir drucken liessen. Aber wir müssen uns nach der Decke strecken und finanziell kleinere Brötchen backen. Aber es geht doch um die Grundsatzentscheide des Gemeinderats. In den letzten acht Jahren waren die diese nicht immer gewerbe- und verkehrsfreundlich.

Was meinen Sie konkret?

Dick: Es geht nicht an, dass wir bei Arbeitsvergaben wegen ein paar Franken nicht das lokale Gewerbe berücksichtigen. Deren Unterstützung von Vereinen oder dem Wirtschaftstag wird in keiner Art und Weise honoriert.

Hug: Es ist wirklich stossend, wenn wegen ein paar Franken Aufträge an auswärtige Firmen gehen. Da müssen wir die Kriterien so festlegen, dass das ortsansässige Gewerbe honoriert wird, gerade wenn es Lehrlinge ausbildet. Das hat in der nächsten Legislatur hohe Priorität.

Dick: Das ist Schönfärberei. Ich habe im Gemeinderat darauf hingewiesen, die Vergabekriterien zu überprüfen. Man wollte aber keine Vertreter aus dem lokalen Gewerbe einbeziehen. Jetzt arbeiten die gleichen Leute an den Kriterien, die bereits zuvor unzufriedenstellende Resultate vorbrachten.

Hug: Wir müssen den normalen Weg gehen und die Geschäfte zuerst verwaltungsintern vorbereiten. Aber danach gehen wir raus zu den betroffenen Gewerblern, fragen sie nach ihrer Meinung und bringen das Geschäft später in den Gemeinderat. Andererseits, und da spricht der Ökonom aus mir, belebt die Konkurrenz den Wettbewerb. Wenn wir allzu starken Heimatschutz betrieben, das zeigt die Geschichte und die Wissenschaft, ist dies gesamtwirtschaftlich schädlich.

Herr Hug, Sie lesen gerne Krimis aus Skandinavien. Da wird teilweise brutal gemordet. Ist es Ihnen in der Politik zu langweilig?

Hug: Es stimmt, ich mag diese Krimis. Aber das ist Fiktion, da kann ich in eine andere Welt abtauchen.

Welches sind die Lieblingsautoren?

Hug: Stieg Larsson und Henning Mankell lese ich sehr gerne. Mich faszinieren die Beschreibungen der Landschaften. Diesen Sommer fahren wir erstmals nach Dänemark. Da werde ich genau schauen, ob die Gegend so aussieht, wie ich sie mir vorstelle.

Herr Dick, Sie waren Herbergsvater. Ist Ihnen die Politik zu fad, dass Sie diese an der Fasnacht auf die Schippe nehmen müssen?

Dick: Ich bin eigentlich kein Fasnächtler. Aber ich finde es eine Bereicherung und bin sehr beeindruckt, was dieses kleine Dorf neben der grossen Solothurner Fasnacht auf die Beine stellt.

Fühlten Sie sich wohl in dieser Verkleidung mit dem Ämmeschnägg?

Dick: Es ist ein geschichtsträchtiger Umhang. Aber ich bin kein Fan von Verkleidungen, sondern sage am liebsten geradeheraus, was ich denke.