Am 12. Februar erhält Horriwil einen neuen Gemeindepräsidenten. Gewählt wird der Nachfolger des im Herbst Knall auf Fall zurückgetretenen Franz Schreier. Gleich zwei Kandidaten treten zur Wahl an. Erstmals seit 20 Jahren habe man so wieder eine Auswahl, sagte Attila Lardori am Donnerstagabend. Er ist Präsident der Wahlkommission, führte mit den Kandidaten Gespräche und organisierte die Vorstellungsrunde im Mehrzweckraum. 50 Einwohner waren gekommen, um sich ein Bild zu machen.

Dabei zeigten sich einige Gemeinsamkeiten. Urs Ammann wie Martin Rüfenacht sind parteilos und positionieren sich im politischen Spektrum rechts der Mitte. Ammann habe aus dem Elternhaus den Freisinn mit auf den Weg bekommen, und auch Rüfenacht würde sich im rechten Flügel der FDP verorten. Beide Kandidaten sind zudem nicht im Dorf aufgewachsen und bezeichnen sich nicht als «Ur-Horriwiler». Urs Ammann verbrachte seine Kindheit in Günsberg, Martin Rüfenacht in Herzogenbuchsee.

Blockade lösen, Dialog pflegen

Frischen Wind in die verkrusteten Strukturen bringen, das nehmen sich beide Kandidaten vor. Der politische Betrieb im Dorf wurde über Jahre immer wieder gestört; vom Rücktritt des Gesamtgemeinderats 2011, der Fremdbestimmung durch einen Sachwalter bis zur Demission Franz Schreiers nach dem Zwist um die Überbauung Dorfzentrum im Herbst. Inzwischen konnte Vizegemeindepräsident Pascal Kissling, der die Gemeinde ad interim führte, die Wogen glätten.

Urs Ammann möchte, mit Verweis auf seine Tätigkeit als «Fährimaa», das Gemeindeschiff auf ruhigem und vor allem eigenständigem Kurs halten. «Horriwil ist eine Perle, idyllisch gelegen, ohne Industrie.» Dies gelte es zu bewahren. «Wir müssen autonom bleiben und wollen nicht von Solothurn regiert werden.» Er sei nicht süchtig nach dem Rampenlicht, suche das Amt als Gemeindepräsidenten nicht um jeden Preis, sagte der 58-Jährige. Aber er habe Zeit, ein offenes Ohr, Freude an den Leuten, sei gesellig und hilfsbereit. «Das spricht für mich.»

Als «aktives und attraktives Dorf» sieht Martin Rüfenacht Horriwil. Er möchte neue Kräfte zur Mitarbeit in der Gemeinde motivieren. Mit frischem Wind in den Segeln könnten auch viele, jüngere Neuzuzüger angespornt werden, ist der 45-Jährige überzeugt. Dazu müsse der Dialog gepflegt werden, der in den vergangenen Jahren nicht optimal funktionierte. Er wolle eine Streitkultur etablieren, bei der sich die Einwohner einbringen können. Die Diskussion über das geplante Dorfzentrum sei ein gutes Beispiel für diese «gelebte Demokratie».

Auch an der durchschnittlichen Aussenwirkung der Gemeinde müsse man arbeiten. «Ich will, dass Horriwil wieder als Einheit funktioniert und wirkt.» Eine Chance sieht der IT-Spezialist in der Digitalisierung der Gemeinde, die man nutzen und vorantreiben sollte. Als «Kämpfer» für die Digitalisierung des Gesundheitswesens und der Verwaltung sei er jeden zweiten Abend unterwegs. Für das Gemeindepräsidium würde er sein Arbeitspensum reduzieren. Auch Ammann ist selbstständig erwerbend und könnte sich die Zeit für das Gemeindepräsidium nehmen.

Kein «Bittsteller» von Subingen

Aus dem Publikum kam die Bemerkung, man habe die beiden Kandidaten bisher an öffentlichen Anlässen vermisst. Er sei zu alt für die Feuerwehr, zu unbeweglich für den Turnverein und die Fasnacht betreibe er leidenschaftlich im Bernbiet. Als Gemeindepräsident würde er sich aber gerne mehr bei der Bevölkerung zeigen und gesellschaftliche Anlässe besuchen, versprach Rüfenacht. Das beabsichtigt auch Urs Ammann, der dafür die Aarefähre in Altreu aufgeben würde. Eine Einwohnerin fragte, welche Vision die Kandidaten für Horriwil haben. Urs Ammann möchte für einen gepflegten Dorfkern sorgen, «mit einem Lädeli oder zwei», damit auch ältere Leute im Dorf einkaufen könnten. Statt durch einen unrentablen Laden könne die Dienstleistung auch durch eine Bäckerei erbracht werden, die zwei Stunden pro Tag einen Stand betreibt. Martin Rüfenachts Ziel ist es, den fünfköpfigen Gemeinderat als funktionierende Einheit zu führen. Dazu träume er von einer guten Infrastruktur, damit man vom Image als «Übernahmekandidaten» wegkomme und sich nicht Subingen anschliessen müsse. «Wir befinden uns im Herzen des Wasseramts und werden umliegende Gemeinden gerne zur Zusammenarbeit einladen.»

Beide Kandidaten möchten öffentliche Dienstleistungen wie etwa die Finanzverwaltung wieder vermehrt selber anbieten. Ein «Bittsteller» von Subingen, so Ammann, werde man bestimmt nicht sein. Eher sei es umgekehrt.

Beide wollen in den Gemeinderat

Eine letzte Gemeinsamkeit besteht im Willen der beiden Kandidaten, im Falle einer Nichtwahl am 12. Februar auch für den Gemeinderat zu kandidieren. Dieser wird am 21. Mai gewählt. Und zumindest Urs Ammann wird an der ordentlichen Wahl für das Gemeindepräsidium am 24. September in jedem Fall antreten.