Warum schon wieder ein Bauprojekt? Im Winter 2006/07 wurden die Aareinseln bei Altreu abgetragen. Ziel war eine Überflutung der Inseln während 55 Tagen im Jahr. Die Inseln entstanden ursprünglich 1971/72 mit Aushubmaterial der 2. Juragewässerkorrektion und wurden damals unter kantonalen Schutz gestellt. Das Terrain lag maximal 4 Meter über dem Normal-Wasserstand der Aare. Ab 1980 erfuhr die Insel leichte Umgestaltungen mit dem Ziel, gefährdeten Vogelarten der Flusslandschaft als Brut- und Aufenthaltsort zu dienen. Der Erfolg wollte sich nicht einstellen. 2006/07 investierten Kanton, Bundesamt für Umwelt und Juragewässerkorrektion 1,2 Millionen Franken für den Abtrag von Material auf den Inseln und die Renaturierung des Aareufers unterhalb der Insel auf einer Länge von zirka 650 Metern (Flachufer statt Blockwurf).

In den folgenden zwei Jahren wurde die noch unbewachsene Insel zu einem wertvollen Brut- und Rastplatz für Watvögel. Protokollierte der Ornithologe Walter Christen vorher gesichtete Watvögel im einstelligen Zahlenbereich jährlich, schnellte die Zahl 2007 auf 796 Sichtungen. 2008 waren es immer noch 366. Im Laufe des Sommers 2008 wurde das Naturreservat nur wenige Male überflutet.

Vegetation bildete sich fast flächendeckend. Die Rastzahlen der Watvögel nahmen wieder drastisch ab. Brutversuche gefährdeter Vogelarten blieben aus. Der Zustand der Inseln präsentierte sich 2012 wenig einladend für Vögel. Einzig der schmale Streifen des im Flachwasser stehenden, dichten Schilfröhrichts auf der Nordseite der grossen Insel wurde von brütenden Vögeln genutzt. Der Rest der 1,4 Hektaren und zirka 300 Meter langen grossen Insel war einerseits zu dicht bewachsen für Bodenbrüter, andererseits war das Landschilf zu schütter und ungeeignet für Röhrichtbrüter. Und auch rastende Watvögel fanden auf den Inseln nicht mehr ihr Terrain vor.

Neue Strategie, neue Ziele

Die Analyse der Situation führte zu einem neuen Projekt. Nicht mehr im Vordergrund stehen die Watvögel. Für diese seien die «Blauen Flächen» der Witischutzzone besser zum Rasten geeignet. Der Unterhalt offener Schlickflächen auf der grossen Insel, wie sie 2007/08 bestanden, wäre zu teuer. «Wir wollen die grosse Insel interessant für störungsempfindliche Schilfbrüter gestalten», berichtet Jonas Lüthy, Abteilung Natur und Landschaft beim kantonalen Amt für Raumplanung, der das aktuelle Projekt leitet. Gemeint sind Wasserralle oder Zwergreiher. Weitere Vogelarten wie Drosselrohrsänger, Teichrohrsänger oder Rohrammer sind erwünscht. Dazu braucht es Flachwasserzonen, in denen sich dichte Schilfbestände entwickeln können. Die Idee war es, auf der grossen Insel Flachwasserbereiche, sogenannte Lagunen, mit einer fast ständigen geringen Überflutung zu schaffen. Im Flachwasser können Weidensamen nicht keimen, die Verbuschungsgefahr ist gering.

Im letzten Herbst erfolgte die Baubewilligung für ein neues Projekt. Um auf der grossen Insel eine Lagune zu bauen, musste rund ein halber Meter Erde abgetragen werden. «Der Aushub wurde gleich verwendet, um die Insel im Osten etwas zu verlängern», berichtet Jonas Lüthy. Dann ging alles ganz schnell. Schon die Finanzierung des Projekts, das zirka 140 000 Franken kostet, sei erfrischend rasch erfolgt. Zugesagt haben die Alpiq Hydro Aare AG, die den Fonds «naturmade star» Kraftwerk Ruppoldingen verwaltet, mit 100 000 Franken und die Stiftung Albert Grütter-Schlatter mit 20 000 Franken. Die restlichen 20 000 Franken würden aus dem budgetierten Unterhalt der kantonalen Naturreservate finanziert. «Wenn man heute ein ausführungsreifes Naturschutz-Projekt hat, findet man Drittmittel. Anfang muss eine gute Idee stehen.»

Prominente Bewohner

Beim Augenschein sind die Arbeiten beinahe beendet. «Ich bin selber überrascht worden», so Lüthy. Die Baupiste für den Bagger auf die kleine Insel sowie die grosse Insel ist bereits zurückgebaut. Die Lagune, das Flachwasser auf der grossen Insel, ist gut sichtbar. Die Steine aareseitig der Insel, die die Insel vom Abtragen der Erde durch den Wellenschlag der Motorboote schützen sollen, bleiben liegen. Rund 4500 Kubikmeter Aushub wurden im Osten an die Insel angebaut und haben diese um zirka 30 Meter verlängert.

Jonas Lüthy erwartet in den nächsten zwei Jahren eine Menge Watvögel, die im unbewachsenen Flachwasser ihr bevorzugtes Terrain finden. Danach wird Schilfwuchs dafür sorgen, dass, so die Hoffnung, die störungsempfindliche Schilfbrüter heimisch werden.

Drei prominente Bewohner oder Benutzer hat die Insel schon erhalten. Der Biber hat bereits einen Bau auf der Insel. Ein Silberreiher breitet seine weissen Schwingen aus, um vor den Besuchern zu fliehen. Lüthy zückt den Fotoapparat, am Ufer hat er Teichhühner (Teichrallen) entdeckt. Auch eine Überraschung.