70 Jahre ist er alt und geniesst seine Pension. Seine Leidenschaft ist das Sammeln von Baumaschinen-Modellen – und er besitzt viele. «Ich sage immer, bei 999 habe ich aufgehört zu zählen», sagt Fredy Tschumi lachend. In seinem riesigen Atelier hat jedes Modell seinen Platz. Bagger, Kran und Co. sind ausgestellt in beleuchteten Vitrinen, sodass man das Gefühl hat, in einem Museum zu sein.

Diesel statt Muttermilch

«Bereits als kleiner Knirps haben mich Baumaschinen enorm fasziniert», beginnt Tschumi seine Erzählung. «Ich bin in der Nähe eines Steinbruchs aufgewachsen. Die Baumaschinen dort waren für mich enorm interessant und ich war so oft wie nur möglich in jenem Steinbruch. Dafür habe ich sogar den Kindergarten geschwänzt, die Kindergärtnerin musste mich jeweils im Steinbruch abholen kommen», erinnert er sich schmunzelnd. Sie sei dann diejenige gewesen, die ihm das erste Modell geschenkt habe. «Sie hat wahrscheinlich gehofft, ich sei dadurch wieder mehr im Kindergarten als im Steinbruch. Böse Zungen sagten damals, man hätte mir anstatt Muttermilch wohl Diesel gegeben.» Er lacht bei dieser Erinnerung.

Jedes Modell hat seinen Platz.

Jedes Modell hat seinen Platz.

Später wäre er gerne Mechaniker für Baumaschinen geworden, allerdings hätte es diese Lehre damals nicht gegeben. Er habe schliesslich eine Lehre als Industrieelektriker in der Papierfabrik in Biberist absolviert. «Nebenbei bin ich oft mit dem Velo oder dem Mofa von Baustelle zu Baustelle gefahren und habe dort Baumaschinen fotografiert. Ich war sogar noch auf der Baustelle Mattmark, bevor sich das Unglück ereignete.»

Erzminen anstatt Sandstrände

Er habe dann im Militär in der Offiziersschule Fahrer für schwere Transporter ausgebildet. «Neben dem Waffenplatz Bière hatte eine Baumaschinenfirma ein Vorführ- und Testgelände. Ich hatte die Möglichkeit, dort LKW-Fahrer zu schulen und kam in näheren Kontakt mit der Firma. Es entstanden dabei erste Beziehungen zur Baumaschinen-Branche», erzählt Tschumi. «Danach habe ich im Auftrag des Bundesamts für Genie und Festung – das gibt es heute nicht mehr – die technische Abnahme der Baumaschinen der Schweizer Armee vollzogen.»

Sein Beziehungsnetz sei immer mehr gewachsen. «Das Schöne an den Beziehungen ist, dass man mit Gleichgesinnten fachsimpeln kann. Und mit diesen Gleichgesinnten ging ich dann auch auf Reisen, wir haben beispielsweise Erzminen in den USA besucht und die riesigen Baumaschinen dort bestaunt. Oder wir suchten Messen auf, an denen Baumaschinen ausgestellt waren.»

Die Leidenschaft für die Modelle der Baumaschinen – und nicht nur für die Baumaschinen selbst – sei dabei immer grösser geworden, erklärt Tschumi. «Oftmals sind gute Kontakte nötig, um an ein Modell heranzukommen. Die früheren Modelle dienten oftmals als Kundengeschenke und nicht unbedingt als Sammlerobjekte. Da musste man schon Beziehungen haben, um auch eines zu ergattern.»

Klar ist, dass ohne Beziehungen die Sammlung von Tschumi wohl kaum so gross wäre. Sein Atelier sei mittlerweile ein Treffpunkt für Kenner und Gleichgesinnte. «Wir fachsimpeln regelrecht über die verschiedenen Modelle. Beispielsweise diskutieren wir, was man an einem Modell anders hätte machen können, damit es mehr dem Original entspräche.»

Testfahrt in Illinois

Eines seiner grössten Highlights sei eine Einladung der Firma Caterpillar in Peoria, im Bundesstaat Illinois, gewesen. «Eine ganze Woche war ich gemeinsam mit meinem Sohn dort. Das Beste an der Reise war die Testfahrt mit einem Dozer D10N, der frisch vom Band kam und noch nie gefahren wurde.» Die Begeisterung, mit der Fredy Tschumi dies erzählt, zeigt, wie gross seine Leidenschaft für Baumaschinen ist – und natürlich auch für deren Modelle.