Soll die Firma Stryker in Selzach nicht weiter ausbauen können? «Nein, natürlich nicht», sagt Bauverwalter Thomas Leimer. Einen weiteren Ausbau der Firma Stryker würde man wahrscheinlich mit Handkuss nehmen, so Leimer. Aber die vom Gemeinderat verhängte Planungszone über das gesamte Industriegebiet in Selzach, das sind nicht weniger als 20,72 Hektaren, sei auch nicht als Baustopp aufzufassen. «Wir wollen nur Bauvorhaben verhindern, die nicht im Sinn des räumlichen Leitbildes oder der aktuell laufenden Ortsplanungsrevision sind.» Es habe diesbezüglich verschiedene Anfragen gegeben, welche den Behördenvertretern die Haare hätten zu Berge stehen lassen. «Deshalb habe wir zu diesem Instrument gegriffen.»

In den Erläuterungen des Begleitberichtes ist nachzulesen, dass Selzach eine überdurchschnittlich hohe Arbeitsplatzdichte (Fläche je Arbeitsplatz) im Verhältnis zu den anderen agglomerationsgeprägten Gemeinden im Kanton Solothurn aufweist. Konkret ist der Dichtewert 18 Prozent höher als der kantonale Schnitt.

Bei genauerer Analyse sei jedoch erkennbar, dass diese verhältnismässig hohe Arbeitsplatzdichte einerseits auf die noch sehr gering vorhandenen Baulandreserven in den Arbeitszonen (Industrie- und Gewerbezone) zurückzuführen ist, und sich andererseits durch die diversifizierten Betriebszweige erklären lässt. Denn während einige wenige Betriebe eine sehr hohe Arbeitsplatzdichte aufweisen und den Mittelwert der Arbeitsplatzdichte nach oben ziehen, weisen etliche Betriebe eine sehr geringe Arbeitsplatzdichte auf. Insbesondere in der Industriezone handelt es sich bei Letzteren meist um Betriebe mit grösseren Lager-, Umschlags- oder Parkierungsflächen, die teilweise gar keine Produktion oder Verarbeitung und somit fast keine Arbeitsplätze vor Ort aufweisen. Das soll künftig verhindert werden.

Zonenvorschriften zu offen

Begründet wird diese Situation mit den heute sehr offenen Zonenvorschriften der Gemeinde. Diese würden Industrie-, Dienstleistungs-, Gewerbebetriebe sowie betriebsnotwendige Wohnungen ohne jegliche Einschränkungen bezüglich Nutzungszweck zulassen. Entsprechend vielfältig sei die Nutzungsstruktur in der Industriezone. Dabei sei man zur Erkenntnis gekommen, dass insbesondere in der Industriezone Anpassungsbedarf bezüglich Zonierung und Zonenvorschriften besteht. Selzach hat sich auch deshalb entschieden, in der Ortsplanungsrevision eine Quartieranalyse durchzuführen, um im Siedlungsgebiet – und somit auch in der Industriezone – die bestehenden Qualitäten zu identifizieren.

Aufbauend auf dieser Analyse werden neue Vorgaben für die Zonierung sowie die neuen Zonenvorschriften abgeleitet. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Welche Nutzungen respektive welche neuen Zonenvorschriften nach der Ortsplanungsrevision für die jeweiligen Parzellen gelten werden, ist Gegenstand der Planungsaufgaben.

Die Planungsbehörde von Selzach werde mit Sicherheit prüfen, ob im Zonenreglement Nutzungseinschränkungen festzulegen sind, welche die Ansiedlung flächenintensiver Betriebe mit geringer Arbeitsplatzdichte erschweren oder gar verhindern, zum Beispiel mittels Vorgaben für Arbeitsplatzdichten, oder mit Beschränkungen von Nutzungen etc.

Die Planungszone wird bis zur öffentlichen Auflage der Ortsplanungsrevision, maximal aber für drei Jahre erlassen. Sie läuft spätestens am 5. November 2021 aus. Bis dahin sollte die
zurzeit in Revision befindliche Ortsplanung abgeschlossen und die planerischen Rahmenbedingungen zur Weiterentwicklung der Industriezone festgelegt sein.