Hochwasserschutz

Baum fällt: Ein Wirrwarr von farbigen Markierungen zeigt, wo an der Emme gerodet wird

In Biberist und Derendingen werden zurzeit knapp sieben Hektaren Wald mit grossen Forstmaschinen gerodet. Dadurch soll das Gebiet entlang der Emme revitalisiert werden.

Rot, blau, grün und etwas gelb. Nicht nur der Herbst, sondern auch Spraydosen haben den Wald entlang der Emme farbig werden lassen. Jede Markierung hat ihre Bedeutung. Rote und grüne Markierungen kennzeichnen die Rodungsgrenzen. Grün markierte Bäume bleiben stehen, rot markierte werden gerodet, sprich abgeholzt.

Blaue Punkte markieren Bäume, die später wiederverwendet werden. Sie werden bei 2,5 Metern abgesägt, bleiben aber vorderhand stehen. Kommt zum blauen Punkt noch ein «m» dazu heisst dies, dass der Baum in einer Höhe von 5 Metern stehen bleibt. Ein «l» bedeutet eine Länge von 9 Metern. Gelb markiert sind kleine Bäume und Sträucher, die ebenfalls abgesägt, aber erst später samt Wurzelwerk ausgegraben und wiederverwendet werden.

Förster Mischa Ehrenbolger lacht nur, wenn er auf die vielen Markierungen angesprochen wird. «Normalerweise ist es nicht so kompliziert im Wald», meint er. Ehrenbolger+Suter (maschinelle Holzernte, Fulenbach) ist verantwortlich für die Holzhauerei- und Rodungsarbeiten in Biberist und Derendingen. Bis zum 22. Dezember müssen die Arbeiten beendet sein, so schreibt es der Vertrag vor, den die Firma mit den kantonalen Behörden abgeschlossen hat.

Baum fällt! So wird an der Emme in Deitigen/Biberist gerodet

Baum fällt! So wird an der Emme in Deitigen/Biberist gerodet

 

Stämme und Wurzelstöcke werden wiederverwendet

Rund 3500 Kubikmeter Holz werden geschlagen. Etwas mehr als die Hälfte der Bäume oder Wurzelstöcke werden im kommenden Frühling für den Wasserbau und die Stabilisierung der Ufer genutzt. Dies erklärt auch die speziellen Markierungen. Die Wasserbau-Ingenieure haben genau ausgerechnet, wie viele Bäume, in welcher Dicke und Länge, sie benötigen.

Die Verwendung des anfallenden Holzes für ingenieurbiologische Massnahmen hat mehrere Vorteile, wie die Spezialisten erklären. Es wird ein einheimischer und nachhaltiger Baustoff direkt vor Ort wiederverwendet. Das Abführen des Holzes, respektive das teure Zuführen und Einbauen von auswärtigen Baustoffen entfällt. Schliesslich werden Baumstämme, Wurzelstöcke und Astwerk für einen wirksamen Uferschutz sorgen und gleichermassen die Lebensraumvielfalt an der Emme erhöhen.

Das restliche Holz wird weggeführt. Als Häcksel für Heizungen, oder es wird zur Herstellung von MDF- und Spanplatten verwendet. Der kleinste Teil ist Nadelholz, dieses kann für die Herstellung von Dachlatten gebraucht werden. Freude hat Ehrenbolger an den vielen Robinien, die entlang der Emme wachsen. «Eigentlich sind das invasive Neophyten, die nicht hierher gehören. Aber das Holz ist sehr gesucht und wird uns beinahe aus den Händen gerissen.»

Grosse Forstmaschinen werden zur Rodung eingesetzt

Gearbeitet wird mit relativ grossen Forstmaschinen. Vor Ort ist beispielsweise ein Vollernter, der Bäume mit einer Dicke bis zu 70 Zentimeter fällen und anschliessend gleich entasten kann. Die Maschinen sind alle mit Breitreifen ausgerüstet, was zur Schonung des Bodens beiträgt. Mit dem Holzen und dem Wegführen ist die Arbeit entlang der Emme noch nicht fertig. «Wir haben die Auflage, dass jedes Stück Holz, das länger als 50 und dicker als 5 Zentimeter ist, weggeräumt werden muss. Das alles wegzuputzen ist ein nicht zu unterschätzender Aufwand.»

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