Offenbar sind den Einwohnern der Gemeinde Drei Höfe Überlegungen zu Tod und Bestattung gar nicht so fremd. Denn eine über 50-köpfige Besucherschaft, verstärkt durch Delegationen aus Halten, Hüniken und aus Bürger- und Einwohnergemeinde Oekingen, sammelte sich am Treffpunkt am Hersiwiler Siedlungsrand, um aus erster Hand Informationen zum FriedWald-Projekt zu erhalten.

Erfreut über den Ansturm zeigten sich Rosalie Stettler, die als Gemeinderätin im Ressort Volkswirtschaft dieses Vorhaben entwickelte, und Gemeindepräsident Brandon Miller. Stettler, die in Gemeinderat und Gemeindeversammlung viel Unterstützung für die Realisierung des ersten FriedWalds im Wasseramt gefunden hatte, lud alle Beteiligten zum anschliessenden Zusammensein «Im Hühnerhüsli» ein.

Auf 99 Jahre

Thomas Brändle, angereist aus dem Thurgau von der Organisation Friedwald GmbH in Mammern, gab einen detaillierten Überblick über das in der Schweiz bereits 75 Mal vorhandene Angebot, das traditionelle Bestattungsformen erweitert. Ein Vertrag regelt zwischen Gemeinde und Organisation das Nutzungsrecht mit Grundbucheintrag auf 99 Jahre bis 2117. Zu Lebzeiten kann jeder selbst, oder die Angehörigen können beim Todesfall einen Baum im Waldstück aussuchen und erwerben, der in seinem Wurzelbereich bis zu 10 Beisetzungen in Ascheform aufnehmen kann. Auch Haustiere dürfen hier mitbeerdigt werden.

Nicht erlaubt sind Grabschmuck oder Grabstein. Eine schlichte Namensplakette am Baum gibt Auskunft, wer hier seine sterbliche Hülle der Natur übergeben hat. Ein Nutzungsrecht kostet je nach Baum ab 4900 Franken und ist vertraglich durch die Organisation gesichert. Zuständig ist sie auch für die Vorbereitung der Beisetzung mit Aushub einer Öffnung im Waldboden und der Schaffung eines ungehinderten Zugangs. «Unser Friedwald soll aber ein Stück Natur bleiben und nicht zum Park werden», so Brändle. Er orientierte über den bereits vorhandenen Baumplan in Hersiwil mit 39 nummerierten Eichen, Buchen und Erlen sowie deren Registrierung.

Für den Akt der Beisetzung selbst sind die Angehörigen des und der Toten zuständig. Auf Nachfrage bestätigte Miller, dass die Gemeinde als Eigentümerin der Waldparzelle von jedem Mietkauf eines Baums, abhängig in der Preishöhe von Standort, Grösse und Alter, 30 Prozent erhalte. Dafür veranlasst sie weiterhin die Pflege des Waldstücks.

Unbestritten?

«Ich empfinde dies FriedWald als gute Idee», anerkannte Daniel Schmutz als Betriebsleiter der Forstgemeinschaft Wasseramt vor dem gemeinsamen Waldgang. «Wir als Pflegeverantwortliche mit Waldwirtschaftsplan für den 26,6 Hektar umfassenden Drei-Höfe-Gemeindewald waren in alle Planungen für den FriedWald eingebunden und begrüssen diese Nutzung.» So sahen es auch viele der Anwesenden, die sich mit weiteren Fragen genau informierten. Etwa zum Ersatz eines Baumes, sofern er abstirbt oder durch Naturgewalt fällt. «Nein, der Baum darf vom Miet-Eigentümer aber nicht abgesägt und als Holzwert verkauft werden», schloss Brändle diesen Schritt aus. Positiv gegenüber dem neuen Angebot äusserte sich auch Hugo Gerber: « Mit einem solchen Platz in der Natur entfallen für Hinterbliebene, die häufig nicht mehr am Ort wohnen, die Verpflichtungen zur Grabpflege.»

Als Präsident der Friedhofskommission Kriegstetten, die sechs Gemeinden mit jährlichen Gesamtbeiträgen von 100'000 Franken umfasst, hörte Haltens alt Gemeindepräsident Eduard Gerber sehr genau den Ausführungen zu. «Als Katholik und als eher konservativ eingestellter Zeitgenosse bin ich nicht so ganz einverstanden mit der FriedWald-Idee», unterstrich er seine Sicht.