Derendingen
Bauernverband lanciert Kampagne für mehr «Fairness» im Schweizer Handel

Schweizer Bauern sollen an ihren Produkten besser verdienen, fordert der Schweizer Bauernverband. Seine diesjährige Medienkonferenz hielt er auf einem Derendinger Hof, wo Fairness gelebt werde. Wie konkret, zeigte Landwirt Guggisberg auf einem Rundgang.

Noëlle Karpf
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Thomas Ulrich

«Fairtrade» – «Fairer Handel». Was an den blauen Max Havelaar-Kleber auf der Banane erinnert, ist die Forderung, die der Schweizer Bauernverband an seiner diesjährigen Medienkonferenz präsentierte. In Derendingen fiel am Mittwoch der Startschuss zur Diskussion für mehr Fairness im Schweizer Handel. Vertreter des Schweizer Bauernverbandes und Politiker kamen auf dem Hof von Landwirt Urs Guggisberg zusammen und verkündeten vor Medienschaffenden aus der ganzen Schweiz: Bauern sollen mehr Geld für ihre Produkte
erhalten.

Der Max Havelaar Kleber auf der Banane bedeute, dass der Produzent einen anständigen Lohn erhielte. Das soll künftig auch für Produkte von Schweizer Bauern gelten. Bereits jetzt werde Fairness vereinzelt gelebt – so auf dem Derendinger Bauernhof, den der Schweizer Bauernverband für seine Medienkonferenz ausgesucht hatte.

7 Rappen mehr für die Milch

Guggisberg hält 38 Kühe auf seinem Hof. Er verkauft pro Jahr rund 360'000 Kilogramm Milch an die Molkerei Lanz in Obergerlafingen. Im Schnitt erhält ein Molkerei-Milchlieferant 55 Rappen pro Kilogramm Milch. Die Molkerei Lanz zahlt Guggisberg aber fast 63 Rappen. Der Unterschied: 27'700 Franken im Jahr. Der Landwirt führt durch seinen Stall, über den Hof, bis zum Weidezaun. Im Stall hängen Ventilatoren, vor dem Hof ist eine neue Dusche für die Kühe installiert, den Stall hat Guggisberg vor sieben Jahren neu gebaut.

Zudem leisteten er und seine Frau, die den Hof mit ihm führt, sich vier neue Plätze an der Melkmaschine. Guggisberg deutet auf einen silbernen Tank in der Ecke. Dort lagere er Milch, welche gekühlt und regelmässig gerührt werden müsse. Das macht der Milchbehälter automatisch. 24'000 Franken habe er dafür gezahlt. «Bei einem Milchpreis von 55 Rappen wäre es nicht mehr möglich, Kapital zu bilden, und an solche Investitionen zu denken», so Guggisberg. Ihm liege das Tierwohl am Herzen – «und das kostet.»

Andreas Lanz, Chef der Molkerei Lanz, zahlt all seinen 22 Milchlieferanten denselben Preis. «Auch wir fragen uns manchmal, wieso eigentlich», so der schmunzelnde Lanz, der die Frage gleich selbst beantwortet: «Wenn wir Produkte herstellen dürfen, die der Konsument mit einem guten Preis wertschätzt, soll auch die Milch ihren Preis haben.» Lanz verkauft seine Joghurts und Quarks an Dorfläden, arbeitet aber auch mit Grosshändler wie der Migros zusammen. Dort verkaufe er heute vermehrt Spezialprodukte, gebrannte Creme und Lassi. «Die reine Verarbeitung zu Konsummilch bringt uns heute leider nicht mehr den nötigen finanziellen Erfolg zum Überleben.»

Kein Label – dafür Infokampagne

So wie Bauer Guggisberg soll es künftig auch anderen Landwirten gehen – dafür müssten nebst den Verarbeitenden, wie Molkereibetreiber, aber auch die Konsumenten bereit sein, mehr zu bezahlen. Denn die Preise für Lebensmittel von Schweizer Bauern würden steigen. Nach Zahlen des Bauernverbandes gehen heute etwa 30 Prozent des Frankens, den ein Konsument für ein Produkt ausgibt, an den Produzenten. Der Rest fliesse in Verarbeitung und Handel. Laut Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes und St. Galler CVP-Nationalrat, hat es aber auch der Produzent verdient, in der Wertschöpfungskette seines Produktes besser zu verdienen. Dafür plädierten auch die Nationalräte Jacques Bourgeois (FDP, Fribourg) und Adèle Thorens (Grüne, Waadt), sowie Martin Rufer, Produktionsleiter des Schweizer Bauernverbandes.

Sie brachten nationalen Stoff nach Derendingen: Die Initiative zur Ernährungssicherheit, welche das Schweizer Stimmvolk vergangenen September annahm und die Fair-Food Initiative der Grünen, welche derzeit noch im Parlament behandelt wird. Diese Vorlagen drehen sich beide um nachhaltige und faire Lebensmittel-Produktion. Auch die Marktöffnung, die der Bundesrat plant, wurde diskutiert.

Mit dieser würden beispielsweise Zollgebühren sinken, wodurch ausländische Produkte in der Schweiz günstiger würden. Dagegen steuert nun der Schweizer Bauernverband. Dazu wird es aber nicht ein konkretes Label wie das des Max Havelaar-Klebers auf der Banane geben – den Verantwortlichen gehe es in erster Linie darum, das Thema zu verbreiten – mit der Informationskampagne, die am Mittwoch in Derendingen gestartet wurde.