Bolken
Bauernhof setzt auf Fonduewagen und Schafe anstatt Milchkühe

Der Degenmooshof in Bolken führt seit Mitte November Fonduefahrten durch. Mit dem ungewöhnlichen Angebot sucht der Bauernhof nach Alternativen zur herkömmlichen Milchviehhaltung.

Alexandra Just
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Caroline und Patrick Meier mit ihrem Kutschenpferd Zoro und zwei Hütehunden (links «Blue») vor dem neuen Fonduewagen.

Caroline und Patrick Meier mit ihrem Kutschenpferd Zoro und zwei Hütehunden (links «Blue») vor dem neuen Fonduewagen.

Alexandra Just

«Man muss innovativ und kreativ sein», erklärt Caroline Meier und fährt dem alten Border Collie «Blue» über den Kopf. Der schwarze Hund ist mehr als nur ein Haustier: Er ist ein fester Mitarbeiter. Zusammen mit neun weiteren Hütehunden hilft «Blue», auf die rund 200 Schafe des Degenmooshofes aufzupassen. «Ohne Hunde wäre es unmöglich, so viele Schafe von einer Weide zur nächsten zu treiben», sagt Landwirt Patrick Meier. Vor mehr als drei Jahren begannen er und seine Frau Caroline Meier ihr gemeinsames Hobby «Schafhüten» zu intensivieren. Nun bietet das Ehepaar Ausbildungen für Hütehunde und sogar Teambildungsevents an.

Teambildung? «Richtig, dabei versuchen Gruppen à sechs bis acht Leuten die Schafe durch einen Parcours zu führen», klärt Caroline Meier vergnügt auf. Was zunächst einfach klinge, erfordere in der Umsetzung viel Teamgeist und eine gute Kommunikation, ergänzt die erfahrene Hundehüterin. Über fünfzehn Mal schon führte sie diesen aussergewöhnlichen Teambildungsanlass zusammen mit ihrem Mann durch. Uhrenmacher, Ärzte, Banker – sie alle jagten dabei den eigenwilligen Tieren hinterher und «hatten einen Heidenspass», erinnert sich Patrick Meier.

Sackgasse: Milchkühe

Wie die Initianten überhaupt auf diese Idee gekommen seien, will man da sogleich wissen. «Als wir 2010 den Hof meines Vaters übernahmen, konzentrierten wir uns hauptsächlich auf Milchviehhaltung», beginnt Patrick Meier. Dieser Weg erwies sich aber als Sackgasse: Die kontinuierlich sinkende Preisentwicklung in der Milchindustrie habe dazu geführt, dass Aufwand und Ertrag nicht mehr stimmen, so Patrick Meier weiter. Nach sechs Jahren ständigen Optimierens musste sich das Landwirtepaar ehrlich eingestehen: «Mir möge nümme.» Die 30 Milchkühe wurden verkauft. Was übrig blieb, war freier Platz. Platz für neue Ideen und neue Tiere. Teambildungsanlässe, Pferdepension und ein Fonduewagen – an Ideen mangelte es dem Unternehmerpaar nicht. Mit dem endgültigen Entscheid, eine neue Richtung einzuschlagen, habe sich regelrecht eine Blockade gelöst, beschreibt Caroline Meier. «Vorher drehte sich alles um die Melk- und Fütterungszeiten, da blieb nicht mehr viel Energie, um sich gross andere Gedanken zu machen.»

Ein Traum geht in Erfüllung

Sechs Wallache – allesamt zu alt, um noch geritten zu werden – sind nun im ehemaligen Kuhstall einquartiert. Mit der Pension für die «alten Gäule» sei ein anderer, fast vergessener Traum wiederaufgelebt, gesteht Caroline Meier. Als angehende Landwirte träumte das junge Paar nämlich schon während dem Studium von einem eigenen Hof samt Kutsche: «Damals sagten wir: Irgendeinmal haben wir einen Pferdewagen und bieten Gesellschaftsfahrten an»», erzählt Caroline Meier. Ende September kam der Traum, in Form eines brandneuen Wagens, schliesslich angerollt – direkt aus La Gruyère. «Es gibt nicht viele Anbieter für solche Spezialwagen, und die paar wenigen befinden sich fast ausschliesslich im Welschen», informiert Patrick Meier. Dort geniesse dieser Event grosse Popularität, fügt seine Frau hinzu. In der Deutschschweiz dagegen sorge der Begriff «Fonduewagen» oftmals für ratlose Gesichter, lacht sie.

«Eine Fahrt dauert etwa zwei Stunden», sagt Patrick Meier. Genug Zeit, um in Decken gekuschelt Fondue zu mampfen und in gemächlichem Schritttempo die Landschaft zu bewundern «Es macht uns unheimlich viel Spass», beteuert Caroline Meier. Seit Mitte November fährt der Bolkener Fonduewagen, bepackt mit Käse und acht bis zehn Insassen, offiziell seine Runden. Schon mehr als zehn Mal spannte das Ehepaar dafür die beiden Kutschenpferde vor ihre neue Errungenschaft. Doch damit ist die Kreativität der Meier noch nicht am Ende. In Zukunft sollen neben Fondue auch noch Hamburger oder Brunch auf dem Zweigespann angeboten werden, verrät Caroline Meier. Innovativ und kreativ müsse man sein, dann finde man immer einen Weg, sich das Geld so zu verdienen, dass man daran Freude habe.