Landauf landab werden derzeit die Kornfelder geerntet. Auf einigen liegt noch das Stroh zum Trocknen, viele sind schon leere Stoppelfelder. Am Freitag wollte Urs Müller sein Stroh zu Ballen pressen und vor dem herannahenden Gewitter schützen. Dass Stunden später sein Wagenschopf abbrennt, damit hat er nicht gerechnet. Es brannte auf seinem Hof und dennoch sagt der Bauer: «Ich hatte grosses Glück.» 

Der Hüniker ist dankbar. Dankbar, dass nicht alles noch schlimmer gekommen ist. «Wenn es schönes Wetter gewesen wäre, hätte ich die Ballen gleich in die Hauptschür beim Bauernhaus gestapelt. Das hätte ein Inferno gegeben!»

Weil sich für Freitag aber Regen ankündigte, war dies glücklicherweise nicht der Fall. Ab 14 Uhr wurden auf dem Feld grosse, rechteckige Ballen gepresst. Um 15 Uhr hat Urs Müller die ersten Ballen auf den Wagen geladen. Das Radarbild und den sich drehenden Wind im Auge stellte er fest, dass die Arbeit sicherlich nicht abgeschlossen werden kann, bevor der Regen einsetzt. Der Bauer wollte zumindest einen vollen Wagen ins Trockene bringen und stellte ihn in den rund 15 Meter vom Haupthaus entfernten Wagenschopf. Die restlichen Ballen auf dem Feld deckte er mit einer Plastikplane zu.

Nach einem Kontrollrundgang kam er mit seinem Traktor zurück auf den Hof, parkierte ihn, ging ums Bauernhaus herum und stellte fest, dass der Wagen mit den Strohballen brannte. «Ich wollte noch den Traktor holen, um den Wagen aus dem Schopf zu holen. Als ich wiederkam, stand das Gebäude aber schon im Vollbrand», sagt Müller.

Der ehemalige Feuerwehrkommandant reagierte sofort. Die Feuerwehr kam, er kühlte mithilfe seines Nachbarn und einem alten Feuerwehrschlauch das Bauernhaus. «Es war sehr heiss. Sogar die Folie der Siloballen, die am Bauernhaus gelagert waren, schmolz dahin», so Müller.

Über 200'000 Franken Schaden

Der Schaden ist immens. Die Polizei sprach am Samstag nach einer ersten Schätzung noch von einem Schaden von mehreren 10'000 Franken. Mittlerweile schraubt Müller den Betrag mächtig in die Höhe. «Es sind wohl so um die 200‘000 Franken.» Am Gebäude selbst betrage der Schaden wohl 130‘000 bis 150‘000 Franken. Den Schaden an Maschinen beziffert er mit gegen 80‘000 Franken. Im Schopf standen ein Pflanzenschutzspritzer, ein Düngerstreuer, ein mit Brotgetreide gefüllter Kipper. Zudem befand sich darin die Werkstatt, gelagertes Brennholz, etwas Dünger und eben die Strohballen. 

Die beiden Dieseltanks und der Oldtimer-Traktor im Untergeschoss nahmen keinen Schaden. «Nur die Sitzbezüge riechen etwas nach Rauch, das ist alles», meint Müller.

Am Montag schaute sich ein Versicherungsvertreter den Schaden an. Weil die Betondecke zum Untergeschoss hin Schaden nahm, gilt das Gebäude derzeit als Einsturz gefährdet. Die Frage stellt sich nun, ob man das ganze Gebäude abreissen muss, oder nur den oberen Teil erneuern kann. 

«Das rührt einem fast zu Tränen»

Sehr dankbar ist Urs Müller für die Hilfe der Dorfbewohner, der Arbeitskollegen und der Feuerwehr. Viele seien helfen gekommen, hätten sich um die Tiere gekümmert. «Das rührt einem fast zu Tränen», so Müller. «In unserem kleinen Dorf hilft man einander eben.»

Es sei einfach Pech gewesen, dass sich gerade der glühende Ballen auf dem Wagen befand. «Es hätte auch sein können, dass er noch auf dem Feld war. Dann wäre einfach der Strohstapel abgebrannt.» 

Aber wie konnte sich der Strohballen überhaupt entzünden? «Da kamen die dümmsten Zufälle zusammen», erklärt Urs Müller. Von 20'000 Ballen passiere dies vielleicht ein Mal. Der Ballen habe sich wohl irgendwie durch einen Funkenflug beim Pressen entzündet. «Vielleicht kam ein Steinchen in die Pressmaschine hinein und ergab einen Funken.» Danach schwelte der Brand rund zwei Stunden vor sich hin, bis er nach und nach das ganze Stroh, den Wagen und den Schopf in Brand setzte.