Demnächst fahren am Bahnhof in Lohn-Ammannsegg die Bagger auf. Vis-à-vis des alten Stationsgebäudes starten voraussichtlich im November die Bauarbeiten für das seit Jahren in der Diskussion stehende Hochhaus. Dies bestätigt Martin Jeker vom ausführenden Architekturbüro Branger. Im Herbst 2018 soll die Liegenschaft bezugsbereit sein.

Der Bau ergänzt das Lohner Bahnhofspanorama, das von dem beiden Silotürmen von Landi und Lagerhaus dominiert wird. Diese sind aus kantonaler Sicht der Grund, warum das Ortsbild durch den dritten Turm nicht beeinträchtigt wird.

Modell des Hochhauses

Modell des Hochhauses

Die Baubewilligung liegt seit einigen Wochen vor. Geplant ist ein neunstöckiges Wohn- und Dienstleistungsgebäude von gut 28 Metern Höhe. Im Parterre entstehen drei Wohnungen sowie ein Gemeinschaftsraum. Darüber gibt es 2,5- und 3,5-Zimmer-Wohnungen, vier pro Stockwerk. Im obersten Geschoss sind wiederum drei Wohnungen vorgesehen, insgesamt entstehen 34 Logis. Östlich angebaut wird der Dienstleistungsteil.

«Standort ist perfekt»

Bauherr ist Andreas Wyss. Der Unternehmer betreibt unmittelbar neben dem geplanten Bau den Hauptsitz der Wyss Zäune AG. Baugrund ist die Brache auf dem westlichen Teil seines Grundstücks, auf dem derzeit Holz und Metall gelagert wird.

So sieht das Bahnhofsareal heute aus.

So sieht das Bahnhofsareal heute aus.

Wyss ist überzeugt, dass die Wohnungen in erster Linie aufgrund der Lage begehrt sein werden. «Der Standort an der Bahnlinie, mit den Bus- und Postautoverbindungen und den Einkaufsmöglichkeiten ist perfekt.» Attraktiv ist auch die Lage am Rande des Naherholungsgebiets. In den oberen Etagen geniesse man sogar die Aussicht auf den Jura. Ein besonderes Augenmerk soll auf den Innenausbau gelegt werden. «Qualitativ hochwertig und nachhaltig» soll er werden.

Es sei nun an der Zeit, dass das Bahnhofgebiet Lohn endlich einen Entwicklungsschub erfahre, nachdem die Haltestellen entlang der RBS-Strecke seit längerem aufgewertet und überbaut werden. Wyss’ Hochhaus könnte eine Art Initialzündung darstellen.

Lärm soll kaum stören

Sämtliche Wohnungen werden vermietet. Eigentumswohnungen würden aufgrund des grossen Angebots weniger nachgefragt, ist Wyss überzeugt. «Es werden keine Sozialwohnungen entstehen, aber es werden Mietpreise sein, die man sich leisten kann», sagt der Unternehmer, ohne nähere Zahlen zu nennen.

Und wie beurteilt Wyss die Lärmsituation im umgebenden Industriegebiet? Der Muldenservice Neuenschwander sowie die Kühltransporte des Lagerhauses verursachten natürlich Lärm, räumt er ein. Doch die Fenster würden diesen dämmen, und gerade in den oberen Stockwerken stelle sich das Problem weniger. Ausgerichtet sind die Wohnungen gegen Süden und Westen, wo sich das Lärmproblem nicht stelle.

Ausserdem würde sich auch stilles Gewerbe ansiedeln. Damit spricht Wyss auf den geplanten Dienstleistungsteil an. Noch sei nicht definiert, wer sich dort einmieten wird. Wünschen würde er sich eine Arztpraxis, doch dazu benötige er die Unterstützung der Gemeinde. Aktiv nach Mietern gesucht wurde bisher nicht.

Bahnhof als Entwicklungsgebiet

Grosse Neuerungen sind auch auf der anderen Seite der Bahngeleise geplant. Das Bahnhofsareal, das sich heute alles andere als nutzerfreundlich präsentiert, wird aufgefrischt und zugänglicher gestaltet. Kernstück ist ein Gesamtverkehrskonzept der Gemeinde, das den Verkehr entflechtet.

Das Industriegebiet soll besser erreichbar sein, der Verkehr dereinst via dem heutigen Denner auf die Solothurnstrasse gebracht werden. Der Bahnhofplatz und die Bushaltestelle werden verschoben und eine Personenunterführung unter den Geleisen wird gebaut. Während der öffentlichen Mitwirkung zu den Plänen der Gemeinde sind neun Eingaben gemacht worden. Diese werden am 20. Oktober in der Planungskommission besprochen und am 7. November im Gemeinderat behandelt.

Einig ist man sich im Gemeinderat, dass die Industrie im Gebiet nicht ausgebaut werden soll. Stattdessen soll der Wohnanteil gesteigert werden. Das Hochhaus, dessen Bau demnächst startet, ist der erste Schritt in diese Richtung.