Deitingen

Bald zur Einweihung bereit: Restauration der Antonius-Kapelle brachte einiges an Überraschungen mit sich

Die Baugeschichte der Antonius-Kapelle in Deitingen ist nun aufgearbeitet. Mitte September soll die Einweihung stattfinden.

Sanierungen von historischen Gebäuden bergen immer Überraschungen in sich. So ist es auch bei der Antonius-Kapelle in Deitingen. Dadurch verzögerten sich auch die Arbeiten. Doch nun sind alle Beteiligten dabei, der Kapelle den letzten Feinschliff zu verpassen. Sodass sie, später als ursprünglich geplant, Mitte September eingeweiht werden kann.

Die erste Überraschung fand man schon einen knappen Monat nach Baustart. Als der hölzerne Altar abgebaut wurde, kam ein alter schlichter Altar aus Naturstein zum Vorschein. Nach Untersuchungen geht die kantonale Denkmalpflege davon aus, dass dieser in der zweiten Bauphase der Kapelle Ende des 16. oder zu Beginn des 17. Jahrhunderts erstellt wurde.

Gemälde des Heiligen Antonius freigelegt

Spekuliert wurde immer wieder, dass sich hinter dem Fenster der Kapelle ein gemaltes Bild befinden soll. Der Restaurator hat tatsächlich ein Gemälde gefunden. Das Gemälde konnte freigelegt werden und ist zu 95 Prozent erhalten. Es zeigt eine Darstellung des Antonius, wie er Brot an Bedürftige verteilt. Wie eine Signatur zeigt, wurde das Gemälde 1937 von Emil Scheller gemalt. Das Gemälde wurde in der Zwischenzeit restauriert und wieder an seinem ursprünglichen Standort platziert.

Die Denkmalpflege konnte zudem anhand ihrer Untersuchungen bestätigen, dass die Kapelle ursprünglich ein Beinhaus war und dieses in mehreren Etappen umgebaut und vergrössert wurde. Was weiterhin nicht möglich ist, ist eine genaue Bauphasendatierung. Erbaut wurde das Beinhaus ziemlich sicher in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Es war eingeschossig und annähernd quadratisch mit geschätzten Massen von 5,2 mal 5,2 Metern. Die gesamte Höhe mit First lag bei rund 4,40 Metern. Das Mauerwerk war rund 60 Zentimeter dick und bestand aus Flusskieselsteinen gemischt mit Tuff- und Kalksteinbruch. In der Ostseite gab es eine Art Fenster, in der Nordseite einen Eingang.

Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts wurde an der heutigen Kapelle gebaut. Der Grundriss dürfte sich kaum verändert haben. Die nordseitige Rundbogenöffnung wurde zugemauert und stattdessen ein rechteckiges Fenster eingebaut. Auch die Südseite erhielt ein Fenster. Die Ostseite wurde zugemauert und ein Alter vorne dran gestellt. Der Zugang dürfte neu von Westen her erfolgt sein.

Vergrösserung und Umbau zur Kapelle

Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das ehemalige Beinhaus vergrössert und zur Kapelle. Das Gebäude wurde im Westen um rund 2,3 Meter verlängert, die beiden seitlichen Fenster vergrössert und die Aussenmauern des Gebäudes um rund 60 Zentimeter erhöht. Zusätzlich wurde der First um 1,60 Meter erhöht. Bedeckt wurde das Gebäude von einem neuen relativ steilen Satteldach. Der steinerne Altar wurde erhalten, gleichzeitig wurde aber auch ein grosser gefasster Nischenaltar eingebaut. Es folgten weitere kleine Umbauten bevor in der Zeit zwischen 1930 und 1940 die Kapelle erneut erhöht, ein neuer Dachstuhl und ein Dachreiter mit einer Glocke aufgesetzt wurden. In dieser Zeit bekam die Kapelle auch ihr heutiges Aussehen. Der alte Dachstock wurde demontiert; das Mauerwerk um 1,45 Meter und die Giebelmauern um rund 70 Zentimeter erhöht. Auch die beiden seitlichen Fenster wurden nach oben versetzt. Westseitig wurde ein gedeckter Eingangsbereich geschaffen. Bei dieser Umgestaltung wurde auch das Bild von Emil Scheller an der Kapelle angebracht.

Innenausstattung komplett entfernt

Bei der Sanierung, die in den nächsten Wochen abgeschlossen wird, wurden die Innenausstattungen komplett entfernt und die einzelnen Teile wurden in die Werkstatt des Restaurators gebracht. Der zementartige Verputz, der Boden und Mauern bedeckte, wurde abgetragen. So konnten die freigelegten Oberflächen austrocknen. Rund um die Kapelle wurde zusätzlich eine Drainageleitung gelegt. Der neue Verputz ist diffusionsfähig und lässt Feuchtigkeit austreten. Der Boden wurde mit wiederverwendeten Solothurner Kalksteinplatten belegt. Die neuen modernen Kirchenbänke stehen auf einem Holzriemenboden. Das Holzwerk der Kapelle wurde innen und aussen auf Empfehlung der Denkmalpflege in verschiedenen Grautönen gemalt.

Die letzte Überraschung gab es dann bei der Sanierung des Glockendachreiters. Nach der Demontage der Kupferverkleidung wurde festgestellt, dass die Holzkonstruktion in grossen Teilen beschädigt und verfault war. Sie musste deshalb komplett ersetzt werden.

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