Hochwasser
Bald zahm: Die Emme wurde in früheren Zeiten oft zum «wilden Fluss»

Während Jahrhunderten verlangte die Emme den Biberistern grossen Einsatz ab. Die Flutereignisse häuften sich in jüngerer Zeit.

Christof Ramser
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Halsbrecherischer Einsatz: Die Biberister Feuerwehr auf der Emmebrücke bei Räumarbeiten während des Hochwassers von 1910.

Halsbrecherischer Einsatz: Die Biberister Feuerwehr auf der Emmebrücke bei Räumarbeiten während des Hochwassers von 1910.

zvg

Welche Urgewalt die Emme entwickeln kann, wissen jüngere Biberister seit dem Hochwasser von 2007. Dass der meist sanft dahinziehende Fluss schon in früheren Zeiten zum reissenden Strom werden konnte, beschrieb Jeremias Gotthelf in seiner historischen Erzählung Kurt von Koppigen von 1850: «Die Gegend war nicht im Glanze wie jetzt; gar mancher Kraft war noch keine Schranke gezogen, zerstörend konnte sie walten nach Belieben. Keine Dämme fassten die Emme ein und hinderten sie, ihr Bett zu verlassen, rechts und links lustwandelnd durch die Fluren.»

Grosse Sümpfe und kleine Seen hätten sich an den Ufern der «wilden Emme» befunden, und die Bewohner der Gegend seien sehr arm gewesen. Für jene, die das Gebiet nicht kannten, sei eine Überschreitung des Flusses «halsbrechend» gewesen.

Gotthelfs Novelle schildert anschaulich, wie überschwemmungsgefährdet das Land an der Emme war. Häuser wurden einfach weggeschwemmt, Landstriche erodierten. 1867 begann nach verheerenden Hochwassern eine umfassende Flusskorrektion. Der Flusslauf wurde begradigt und kanalisiert.

Die Gefahr konnte vermindert, aber nicht gebannt werden, wie folgende Auflistung von Hochwassern in Biberist zeigt:

  • Im Sommer 1910 ereignete sich ein schweres Hochwasser, das landesweit Aufsehen erregte. In Utzenstorf brachen die Dämme, in Biberist wurden Brücken und Bäume unterspült und verschwanden in den Wassermassen.
  • Beim Hochwasser von 1968 flossen 520 Kubikmeter pro Sekunde durch das Bachbett. Weil sich die Flutereignisse seither häuften, wurde die Grenze für ein Jahrhunderthochwasser von 530 auf heute 650 Kubikmeter erhöht.
  • Danach blieb es verdächtig lange ruhig, bevor sich 2005 mit 560 Kubikmeter pro Sekunde ein 30-jährliches Hochwasser ereignete. Die Versicherungsschäden an Gebäuden beliefen sich auf 1,5 Millionen Franken.
  • 2007 kam das 100-jährliche Hochwasser mit 650 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Die Hochwassersperre hielt knapp stand, die Biberister kamen mit einem blauen Auge davon. Wäre der Damm gebrochen, hätte der Schaden bis zu 600 Millionen Franken betragen.

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