Biberist/Derendingen

Bagger, Bier und Barbecue: Das Emme-Ufer im Treffpunkt-Check

Von Biberist nach Derendingen: Ein Augenschein entlang der Emme, wo für den Hochwasserschutz gebaut wird.

Die Hitze ist an diesem Samstagnachmittag erbarmungslos. Die Sommerferien haben die Strassen in Biberist leergefegt. Und auch das Emmeufer. Selbst die Enten auf dem Wehr machen Siesta. Nicht so auf der Terrasse des Restaurants zum Ämmesee. Ein Dutzend Leute sitzen um den runden Tisch, im Rücken haben sie die «Ämme Lise». Das hölzerne Segelboot zeige an, wo der Ämmesee liegt, so Martin Scheurer, der den Service macht. «Wenn die Schleuse des Kanals geschlossen ist und sich das Wasser hier staut, sieht es aus wie ein See.» Eine Frau schaltet sich ins Gespräch ein: Ob der Hüttenwart, wie sie ihn nennen, ihre Sonnenbrille gefunden habe.

«Vom Mercedes-Verkäufer über den Anwalt bis zum Randständigen treffen sich an diesem Tisch Menschen aller Art», erzählt er weiter. Seit vier Jahren arbeitet er hier. Zweimal pro Woche koche er abends für die Gäste. «Und hin und wieder gibts ein Konzert, so etwa am 11. August mit den Wöschchuchi Serenaders.» Nicht selten würden sie an solchen Anlässen über der Restaurant-Kapazität von 35 Personen liegen. Die Pächterin ist seine Partnerin. Er packe mit an, wo er gefragt ist. Ob es um die neuen Pflanzkisten mit Gemüse und Beeren drin gehe oder um den neuen Farbanstrich der Bar draussen.

«Wir kommen her, weil es gemütlich ist»

Ein paar Schritte weiter führt der Schwarzweg unter der alten Eisenbahnbrücke hindurch bis nach Derendingen. Während auf der gegenüberliegenden Seite bereits kantige Felsbrocken am Ufer platziert wurden, sind diesseitig die Bauarbeiten noch in vollem Gang. Am Ende des Weges, wo dieser neuerdings nicht mehr schwarz, sondern hell ist, taucht endlich aus der Hitze ein Spaziergänger auf. Andreas Vonrüden aus Derendingen führt auf dem einst schönen, schattigen Weg seine drei Hunde spazieren und baden. Nun sei er seit kurzem aufgrund der Baustelle abgesperrt. «Uns Anwohnern ist der direkte Zugang zur Emme wichtig», sagt er.

Einige hundert Meter flussabwärts und zwei Stunden später präsentiert sich eine komplett andere Szene. Am Emmeufer in Derendingen, wo ebenfalls heftig gearbeitet wird, verbringen Familien mit Kindern im Windelalter, jüngere und ältere Paare sowie Hundehalterinnen die frühen Abendstunden. «Die Aare ist zwar besser zum Baden, aber die Emme ist näher von zu Hause», so der 24-jährige Luca Strebel. Er ist mit seinen Freunden Reto Zäuner, Pascal Rüegg und Simon Rüegg, alle aus Horriwil und Subingen, hier. Leise Musik klingt aus einer Beatbox. «Wir kommen her, weil es gemütlich ist», so Strebel. «Obwohl Bäume gefällt wurden und die grossen Steine am Ufer sind, ist es hier noch gleich schön wie früher», sagt Zäuner.

Unweit davon schnüffelt ein Hund in den Lücken der Steinbrocken. Doris Schürch aus Derendingen ruft ihn zurück. Sie kommt jeden Tag her. Im Wald darf sie ihre beiden Hunde im Moment nicht frei lassen, hier aber sei ein guter Platz dafür. Im Grunde sei es eine ausgesprochene Freizeitoase, sinniert sie. Ein junges Paar kommt vom Wald her über die Steine geklettert, mit Isomatten in den Rucksäcken, legt die Kleider ab und watet auf die andere Flussseite.

Am steinigen Ufer sind die Abdrücke schwerer Lastwagen zu erkennen, von den Reifen zerbrochene Steine und Bierflaschendeckel. Die Spuren machen deutlich, trotz Baustelle kommen die Menschen her, lassen die Abschrankungen hinter sich und finden einen Platz am Wasser. So auch eine 20-köpfige Gruppe mit mehreren Grills und einem Planschbecken für die Kinder. «Wir sind zwei- bis dreimal pro Woche hier», so Odali Hagmann aus Deitingen. «Und jetzt ist es noch schöner als vorher», ergänzt Adrian Schnider aus Luterbach vom mitgebrachten Liegestuhl aus.

Nachgefragt bei Martin Scheurer

Martin Scheurer, 46, ist um das Wohl der Gäste im Restaurant zum Ämmesee besorgt.

  

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