Umwelteinsatz

Bachbord statt Alpweide: Schulklasse aus Belp arbeitet in Horriwil

Eine Schulklasse aus Belp leistet einen einwöchigen Arbeitseinsatz. Sie leisten unter der Schirmherrschaft der Stiftung Umwelteinsatz (SUS) einen Arbeitseinsatz in Horriwil.

In Horriwil arbeiten zurzeit Heinzelmännchen. Die 24 Heinzelmännchen sind zwischen 14 und 15 Jahre alt und gehen normalerweise in Belp zur Schule. Sie leisten unter der Schirmherrschaft der Stiftung Umwelteinsatz (SUS) einen Arbeitseinsatz in Horriwil. Und offensichtlich macht es den jungen Damen und Herren Spass, denn die Arbeit ging flott voran und schon Mitte Woche war einer der Aufträge, das Putzen des Bachbordes des Dorfbaches, erledigt.

Horriwil musste sich bei der Stiftung Umwelteinsatz zuerst offiziell bewerben. Die SUS arbeitet sehr häufig in Berggebieten und bei Alp-Kooperationen. Steine aus Weiden räumen und Trockenmauern bauen sind die häufigsten Tätigkeiten, die vermittelt werden. «Wir kleinen Gemeinden im Mittelland haben aber durchaus auch Arbeiten, die auf dieser Basis gemacht werden könnten», erklärt Gemeindepräsident Martin Rüfenacht. Und so gab Horriwil die Bewerbung ab. Der Unterhalt des Dorfbaches, das Freilegen von Einlaufschächten entlang der Flurwege und der Unterhalt der Ruhebänke waren als Arbeiten enthalten. Letztere wurden früher durch den Verschönerungsverein unterhalten, der sich aber vor rund zehn Jahren auflöste.

Tradition in Belp

Die Oberstufenschüler aus Belp leisten regelmässig Arbeitseinsätze für die SUS, wie Klassenlehrerin Beatrice Emch erklärt. Nicht alle waren gleich begeistert von der Idee, in Horriwil Bäche zu putzen und Bänkli zu restaurieren. «Einige wussten schon, was auf sie zukommt, weil sie ältere Geschwister haben, die ebenfalls schon einen solchen Einsatz geleistet haben.»

Die Gemeinde Horriwil sei ihr sofort in die Augen gestochen, so Emch. «Die meisten Arbeitseinsätze erfolgen in Höhen über 2000 Metern.» Die Unterbringung sei manchmal schwierig, ebenso könne das Wetter Streiche spielen. Dazu sei die Arbeit auf den Alpweiden oft etwas eintönig. Deshalb sei der Einsatz hier eine schöne Abwechslung.

In Horriwil können die Schülerinnen und Schüler in der Zivilschutzanlage übernachten. Das Mehrzweckgebäude dient als Küche und Esszimmer. Geduscht wird im Schulhaus. Und am schulfreien Mittwochnachmittag gab es einen Schwimmbadbesuch für alle. Am Abend dann die grosse Überraschung, von der die Schüler nichts wussten: Beatrice Emch hatte Tickets organisiert für das Public Viewing in Solothurn für das letzte Vorrundenspiel der Schweiz gegen Costa Rica.

Es ging flott voran

Rüfenacht zeigte sich nach der Hälfte des Einsatzes überrascht, wie viel schon erledigt ist. Dazu beigetragen hat sicher auch das gute Wetter, das einige Arbeiten vereinfacht hat. Die Jugendlichen seien mit vollem Eifer bei der Sache. Wenn möglich, werden sie bei den Arbeiten eingeteilt, die sie mögen. Ab und zu werde auch geblödelt, aber das gehöre dazu und sei ebenso wichtig. «Für mich ist es auch spannend,zu sehen, wie viel handwerkliches Geschick die Mädchen in dieser Klasse haben.» Tatsächlich.

Sie schleifen die Holzbretter der Ruhebänkli und malen sie neu, wie wenn sie noch nie etwas anderes gemacht hätten. Zwei der Jungs beschäftigen sich vor allem damit, Holz zu hacken. Und eine Schülerin wollte unbedingt einmal Rasen mähen. «Die Schüler sind am Abend müde», lacht Beatrice Emch. Es sei halt doch etwas anderes, zu arbeiten, als einen Tag in der Schule zu verbringen.

Der Arbeitseinsatz in Horriwil wird grösstenteils durch Spenden bezahlt, die der Stiftung durchs Jahr zugutekommen. Die Gemeinde zahlt aber auch einen Betrag an die Arbeiten, und zwar 7 Franken pro Tag und Schüler. Dieses Geld fliesst in die Schulkasse. Die Gemeinde Horriwil ist zudem zuständig für das Bereitstellen der Unterkunft, und Fausto Falgetano (Werkhof) und Werner Spielmann (Abwart) zeigen den Schülern die Arbeit, die zu tun ist, erklären ihnen wie sie Maschinen bedienen können und begleiten sie unterwegs. Weiter kann Material der Zivilschutzregion genützt werden. «Die Stiefel in Grösse 45 waren allerdings nicht so beliebt», lacht Martin Rüfenacht.

Wo möglich, ziehen die Jugendlichen alleine los. Ihre Natels müssen sie übrigens in der Unterkunft lassen. Nur ein Telefon darf jeweils mitgenommen werden: Für einen Notfall. Die Bevölkerung hat die Arbeit der Jugendlichen auch bereits zur Kenntnis genommen. So hat ein Landwirt Kirschen für alle gespendet, die die Schüler nur noch selbst ablesen mussten. Bereits im Herbst kommt übrigens eine nächste Klasse nach Horriwil.

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